Ausbildung Fußballplatz statt Schulbank

Ulm / Silas Kaatz 10.07.2018

Der Schock über das Aus der deutschen Fußballer bei der WM in Russland sitzt tief. Schon wird die komplette Nachwuchsarbeit in Frage gestellt. Wer gerade im Jugendbereich erfolgreich sein will, der braucht gute Trainer. Und auch in diesem Bereich kann man nicht früh genug anfangen – am besten schon in der Schule. Am Anna-Essinger-Gymnasium wurde das jetzt gemacht: 48 Schüler, nicht nur vom Kuhberg, haben sich zum DFB-Junior-Coach ausbilden lassen.

Eine Woche lang stand Fußball auf dem Stundenplan. Für die Schüler der 9f, der Sportklasse des Essinger-Gymnasiums, war es eine Pflichtveranstaltung, der sich im nächsten Schuljahr 25 Doppelstunden Praktikum in einem Verein anschließen. Die anderen kamen freiwillig – und zwar grenzübergreifend. Von morgens um 8 bis spätnachmittags ging es im Klassenzimmer und draußen auf dem Sportplatz ans Eingemachte. Lehrgangsleiter Peter Trefzger und Stefan Wiest vermittelten den angehenden Nachwuchstrainern das nötige Handwerkszeug.

Der Fußball stand zwar im Mittelpunkt, aber es ging auch um grundlegende, allgemeingültige Fähigkeiten. Zum Beispiel das Sprechen vor einer Gruppe oder Durchsetzungsfähigkeit.  „Vor Leuten sprechen zu können, bringt mich in der Schule und im Sport weiter“, fasst die 14-jährige Lea Raiff zusammen, die eigentlich mit Fußball nichts am Hut hat. Trefzger kann sich dem nur anschließen: „Im sozialen Bereich bringt der Lehrgang den Schülern unheimlich viel.“

Dies ist auch ein Grund, warum der Junior-Coach-Lehrgang schon das fünfte Mal in Folge in Ulm stattfand. Sportlehrer und Mitorganisator Christian Rettich ist überzeugt davon, dass diese Woche sowohl für die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler als auch für die regionalen Vereine ein Gewinn ist, wenn „Schüler der neunten Klasse an ein qualifiziertes Ehrenamt herangeführt werden“.

Viele planen schon die nächsten Schritte ihrer Trainerausbildung, wie zum Beispiel die 15-jährige Hanna Schnell vom Vöhringer Illertal-Gymnasium: „Ich habe vor, nächste Saison aktiv in meinem Verein, dem SV Aufheim, mitzuwirken.“ Dafür will sie die C-Lizenz machen. Am liebsten würde die Zehntklässlerin aber schon die B-Lizenz abschließen. Die strebt auch Leonard Penschke an, der gerade am Weißenhorner Kopernikus-Gymnasiums sein Abitur gemacht hat. Der 16-Jährige hofft aber, dass er schon nach dem Junior-Coach seiner D-Jugend beim SV Grafertshofen  noch mehr bieten kann.

Solche Bereitschaft und Begeisterung lobt Marius Weinkauf, Schulleiter des Anna-Essinger-Gymnasiums: „Es freut mich sehr, dass sogar gegen Schuljahrsende noch die Energie bei den Schülern für solches Engagement da ist.“ Wer weiß, vielleicht beginnt ja der nächste Joachim Löw seine Karriere genau hier. Wie Lehrgangsleiter Trefzger abschließend schmunzelnd sagte: „Wir versuchen, die nächsten Weltmeister mitzuproduzieren.“

Beginn der Karriere als Coach

Unterstützung Der DFB-Junior-Coach ist als Einstieg in die lizensierte Trainertätigkeit gedacht. An ausgewählten Ausbildungsschulen wird die 40-stündige Schulung bundesweit angeboten. Unterstützt wird das Projekt von der Commerzbank.

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