DFB Pokal gegen Frankfurt SSV Ulm 1846 Fußball: Fußball-Feeling wie zu Erstligazeiten

Ulm / Hans-Uli Mayer 20.08.2018
Polizei und Verein ziehen eine positive Bilanz des Pokalspiels am Samstag im Ulmer Donaustadion.

Schon vor dem Fußballspiel lagen sich Pitt und Frank Hartung in den Armen, auch wenn ihre Tipps zum Pokalhit weit auseinander gingen. Während der mittlerweile in Frankfurt lebende Sohn und bekennende Eintracht-Fan Frank Hartung einen 8:0 Auswärtssieg vorhersagte, lag Vater Pitt und in Ulm lebender SSV-Fan mit 2:1 am Ende doch richtig.

Polizei zieht positive Bilanz

So friedlich dieses Familientreffen verlief, so unproblematisch war der ganze Tag. Die Polizei, die mit mehreren hundert Beamten im Einsatz war, zieht eine positive Bilanz und teilte noch am Abend mit, dass sie sich das Verhalten der Fans immer so vorstelle. Nur vereinzelt war es im Stadion zu Zwischenfällen gekommen. Insgesamt listete die Polizei fünf kleinere Einsätze auf, einmal wegen Beleidigung, zweimal wegen Körperverletzung und gegen weitere Personen, weil sie Pyrotechnik ins Stadion geschmuggelt und gezündet hatten – allesamt im Frankfurter Block.

Schon gegen 11 Uhr am Vormittag war eine große Gruppe Frankfurter Fans am Bahnhof eingetroffen, die von der Polizei als Problemfans bezeichnet und deshalb von starken Kräften begleitet wurden. Zu Fuß ging es die Neue Straße hinauf durch die Neue Mitte auf den Marktplatz, wo die gut 200 Personen erst einmal über eine Stunde warten mussten, bis um 13.30 Uhr das Stadion öffnete. Später eintreffende Frankfurt-Fans wurden in Bussen direkt vom Hauptbahnhof in die Friedrichsau chauffiert.

Für die Gastronomen bedeutete das ein Zusatzgeschäft, worauf sie zwar nicht vorbereitet waren, die Situation aber ruhig meisterten. Benjamin Spindler, der zu dieser Zeit in der Bar „Herr Berger“ Dienst hatte, nahm es gelassen. Ein Polizeiführer sei kurz dagewesen und habe ihn informiert, sagte er. „Ein paar haben Bier bestellt, ein paar waren auf der Toilette, alles okay“, sagte er.

Lob an die Fans

Auch in der Stadt selbst saßen Ulmer und Frankfurter Fans vereint in den Cafés oder tauschten sich wie in Riedmüllers Barfüßer gegenseitig über die Tücken ihres jeweiligen Dialekts aus. „Wir haben den Fans gezeigt, dass uns die Sicherheit wichtig ist und wir keine Gewalt dulden“, sagte Einsatzleiter Josef Veser. Und: „Die Fans haben ihren Teil dazu beigetragen, dass das Spiel so störungsfrei verlief. Bei ihnen stand der Sport erkennbar im Vordergrund“, lobte der Leitende Polizeidirektor.

Viele Ulmer Fans haben die Autos zuhause stehen lassen und waren mit dem Öffentlichen Nahverkehr gekommen. Das befürchtete Verkehrschaos ist nach Ansicht der Polizei ausgeblieben. Die Stadtwerke hatten am Samstag trotz der Bauarbeiten an der Linie 2 die Straßenbahn eingesetzt, die deutlich leistungsfähiger ist als Omnibusse. Nach einer Einschätzung der Einsatzzentrale der SWU-Verkehr verlief der Tag reibungslos.

Kritik an Organisation

Im Stadion selber lief freilich nicht alles reibungslos. So klagten viele wie beispielsweise die beiden Söflinger Matthias Schidel (35) und Tobias Müller (38), dass sie weit über eine Stunde am Bierstand hätten anstehen müssen und dann nicht mehr in ihren Block E gekommen seien. Tatsächlich vermochten es die Ordner auch in anderen Blocks nicht, die Fans nach unten durchrücken zu lassen, so dass nicht wenige zahlende Gäste nicht auf ihre Plätze kamen. Frankfurter Fans berichteten von so drangvoller Enge, dass sie schier kollabierten.

Für den Sportvorstand des SSV 46 Fußball, Anton Gugelfuß, war der Tag vor allem ein Beleg dafür, dass langfristig gesehen ein reines Fußballstadion außerhalb der Stadt gebaut werden müsse: „Vor dem Spiel waren die Verhältnisse in der Oststadt phasenweise chaotisch“, meinte er.

Die Bilanz des Rettungsdienstes sieht durchwachsen aus. Neben zu viel Alkohol war die Hitze eine wesentliche Ursache für ihre Hilfseinsätze.

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Trostbier für Eintracht-Fan

Ruhe Als die hartgesottenen Fans erst einmal im Stadion waren, machte sich in der Stadt Entspannung breit. Alles ging wieder seinen samstäglichen Gang. Wer sich für Fußball interessierte und nicht im Stadion war, sammelte sich in einigen Kneipen mit Pay-TV-Lizenz. Der Rest wunderte sich, was überhaupt los war.

Jubel Vor Capo’s Größenwahn wuchs die Menge der Fans stetig – und mit jedem Ulmer Tor. Ein paar Frankfurter waren auch da und mussten nach dem 2:0 der Ulmer getröstet werden – einer bekam von den mitfühlenden Gästen sogar ein Bier spendiert. Man weiß hier schließlich, was Fußballleiden sind.   

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