Ulm Fundhühner in Ulm: Ab in die Quarantäne

In der Ulmer Innenstadt wurde die Henne "Gudrun" in einem Karton aufgefunden. Mittlerweile wird sie im Tierheim versorgt.
In der Ulmer Innenstadt wurde die Henne "Gudrun" in einem Karton aufgefunden. Mittlerweile wird sie im Tierheim versorgt. © Foto: Steffi Kohn
Ulm / CAROLIN STÜWE 27.02.2013
Immer mehr im Einzelkarton ausgesetzte Hühner tauchen in Ulm auf. Sie sollten aber in Quarantäne gesteckt werden, nicht auf Bauernhöfe.

Ist das ein Geflatter in Ulm: Bei der Polizei, im Tierheim, beim Veterinäramt und in diversen Privathaushalten sind die „Reisehühner“ seit Wochenbeginn ein Thema. Bisher unbekannte vermeintliche Tierschützer haben in der Nacht von Montag auf Dienstag in der Ulmer Region alte, aber noch vitale Hühner wahllos vor private Haustüren gestellt. Jedes Huhn steckte in einem Karton mit einem kleinen Luftloch. Daneben lag ein Zettel, man solle dem Huhn – jedes hatte einen anderen Frauennamen erhalten – eine Woche lang Asyl gewähren, dann lege es Bioeier. Es sei deshalb auf Reisen, weil es „keine Lust mehr auf Massentierhaltung“ habe.

Bisher wurden fünf Hühner gefunden: in der Innenstadt, in der Blaubeurer Straße, bei und in Donaustetten sowie in Unterweiler. Zwei davon wurden sofort auf Bauernhöfen untergebracht. Das jedoch findet der städtische Veterinär Dr. Michael Beck nicht so ideal. Ein landwirtschaftlicher Betrieb solle möglichst keine fremden Tiere aufnehmen. Derzeit bestehe zwar augenscheinlich kein Verdacht, dass die Hennen krank sind, „aber wir sollten sie trotzdem an einem Ort zusammentrommeln und in Quarantäne stecken“, empfiehlt Beck.

Bei Steffi Kohn, der Leiterin des Ulmer Tierheims, scharren bisher drei Hühner im Quarantäne-Hundezwinger. Sie erhalten Spezialfutter, denn laut Tierheim-Tierarzt Dr. Jörg Ludwig sind die Vögel abgemagert und schmalbrüstig, wie es bei alten Hühnern üblich sei. Ludwig schätzt, dass die Hennen aus Einzelbatterien stammen, „aber die legen gewiss keine Bioeier“.

Ältere Hühner legen sowieso nicht mehr jeden Tag ein Ei, sagt Sieglinde Härtner, Hühnerhalterin beim Geflügelzuchtverein Söflingen. Sie ist entsetzt, dass das Geflügel bei Minusgraden in Kartons draußen saß. Das sei gewiss kein Tierschutz. Huhnfinderin Nadine Gutschera aus Donaustetten sieht das genauso: „Solch eine Vorgehensweise haut dem Fass den Boden aus.“ Deshalb ermittelt die Ulmer Polizei laut Pressesprecher Wolfgang Jürgens bereits wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Als nächstes werden an allen Hennen-Fundorten die Nachbarn befragt, ob sie etwas beobachtet haben.