Es ist ein Naturspektakel und eine Touristenattraktion: Tausende Schildkröten, die sich an der Pazifikküste von Costa Rica alljährlich mit ihren zentnerschweren Panzern auf den Sand plumpsen lassen, um in den Dünen hunderte weißer Eier abzulegen. „Arribadas“ nennen die Einheimischen diese Invasion, was soviel bedeutet wie „Ankünfte“.

Seit 30 Jahren haben Ulmer Biologiestudenten die Möglichkeit, dieses Ereignis mitzuverfolgen – sofern sie ein Auslandsjahr an der Universidad de Costa Rica (UCR) verbringen, um eines der an Biodiversität reichsten Länder der Erde kennenzulernen. So wie Alexander Heni, der  auch drei Jahre später noch von seinem Aufenthalt schwärmt. „Fast schon zu viel“, sagt Heni über die biologische Vielfalt an Pflanzen, Tieren und Landschaftsformen, die das Land zu bieten hat. Sein persönlicher Wermutstropfen: Die Massenankunft der Schildkröten am Strand hatte der heute 28-jährige seinerzeit verpasst.

Aufgrund seiner Topographie besitzt Costa Rica unterschiedlichste Lebensräume auf einer Fläche so groß wie Niedersachsen. Binnen kurzer Zeit kann man vom Strand auf Dreitausender klettern, durch Tieflandregenwälder pirschen oder Vulkangipfel beobachten.

Faible für Naturschutz

„Man muss sich nicht festlegen, es gibt unendlich viele Möglichkeiten“, sagt auch Theresia Endres, die 2012 bei ihrem Aufenthalt in Costa Rica ihre Passion für den Naturschutz entdeckte und nach dem Bachelor in Ulm den Studiengang Umweltplanung an der Uni München draufsattelte. Christian Schmid dagegen entdeckte im Regenwald seine Liebe zur Fotografie. Neben Bildern von Greifschwanz-Lanzenottern, einem jungen Stirnlappenbasilisk und einem selig vor sich hindösenden Zweifingerfaultier ziert auch ein Foto von fliegenden Wattebäuschen die Ausstellung im Pavillon des Botanischen Gartens, die anlässlich des Jubiläums „30 Jahre Austausch mit Costa Rica“ eröffnet wurde. Es sind weiße Fledermäuse, die den Studenten 2013 derart fasziniert hatten, dass sie zum Thema seiner Masterarbeit wurden. Er untersuchte mit bioakustischen Methoden die Auswirkung unterschiedlicher landwirtschaftlicher Nutzungsformen auf Vielfalt und Aktivität von Fledermäusen, das dann allerdings in Mexiko.

Tropische Fledermäuse waren es auch, die Prof. Marco Tschapka einst nach Zentralamerika lockten. Im Rahmen seiner Doktorarbeit lernte Tschapka dort Ulmer-Austauschstudenten kennen. Eine von ihnen, Monika Springer, ist heute Professorin, erforscht Wasserinsekten im Amazonas Regenwald und koordiniert an der UCR das Austauschprogramm. An der Ulmer Uni ist Tschapka für den Austausch zuständig, und er sagt: „Für Biologen ist Costa Rica ein Traum.

Partnerschaft seit 30 Jahren

Geschichte Prof. Sieghard Winkler vom Institut für Systematische Botanik der Uni Ulm initiierte 1985 das Austauschprogramm. 1987 brachen die ersten Ulmer Studenten an die Universidad de Costa Rica auf. Mittlerweile läuft das Programm als integrierte Studien- und Ausbildungspartnerschaft (ISAP), wodurch auch Studierenden aus Costa Rica der Besuch in Ulm finanziell ermöglicht wird.

Fotos „Naturparadies Costa Rica“ heißt die Fotoausstellung von Christian Schmid, die bis zum 10. September im Botanischen Garten der Uni zu sehen ist. Gezeigt werden Tier- und Landschaftsaufnahmen.