Ulm / JAKOB RESCH  Uhr
Die Baustelle wird mächtig sein. Und der Ärger auch. Deswegen haben die Stadtwerke zwei Baustellenbeauftragte für den Straßenbahnausbau engagiert. Sie sollen Bürgern mit Rat – und Tat – beiseitestehen. Mit einem Kommentar von Jakob Resch: Im Auftrag ihrer Stadt.
Die Baugruben kommen näher. Am Kuhberg sind Kanal- und Baumfällarbeiten im Gang, die Wendeschleife bahnt sich an, am Theater wird für eine Haltestelle Platz gemacht, Leitungsarbeiten in der Neutorstraße und im Mähringer Weg laufen an, und in der Wissenschaftsstadt entstehen Ersatzparkplätze. Das ist nur der Anfang. „Spätestens im April bauen wir annähernd auf der kompletten Länge“, sagt Ralf Gummersbach. Also an der ganzen Trasse für die Straßenbahnlinie 2. Der Projektleiter bei den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU) weiter: „Und das wird zu zahlreichen Anfragen führen“, um nicht zu sagen: Beschwerden. „Mehrere am Tag.“

Dafür haben die SWU zwei Baustellenbeauftragte engagiert, die wenige Tagen nach Dienstantritt erste Erfahrungen gemacht haben. „Eine Frau, die von ihrem Grundstück abgegeben hat, fragt, wie die Mauer vor dem Haus künftig aussieht“, berichtet Werner Reichert. „Der Rektor vom Schulzentrum bittet um Rücksicht in Prüfungszeiten“, berichtet Hans Hengartner. Das Duo aus dem Ulmer Ingenieurbüro r+h bildet das Team der offiziellen Baustellenbeauftragten: „Das ist ein neues Berufsfeld für unser Büro.“

Gummersbach sagt zum Anforderungsprofil, man habe erfahrene Bauingenieure gesucht, die sich in Ulm gut auskennen. Bei ihnen sollen Anfragen von betroffenen Anliegern zu den Baustellen auflaufen, um Antworten und Anregungen zu organisieren. Erste Maßgabe: „Es geht um baustellenbedingte Probleme.“ Zweitens: „Es geht um zeitnahe Information.“ Heißt für Gummersbach, ein bis zwei Werktage. Drittens: „Man zeigt Präsenz vor Ort“. Dafür soll mittelfristig auch ein Info-Mobil im Einsatz sein, um die zehn Kilometer Strecke abzudecken. Und viertens, das Ziel: Zufriedenheit.

Der Weg mit Rollator ins Haus, der Parkplatz weg, die Zufahrt erschwert, die Organisation des anstehenden Umzugs – „welche Fragen auf uns zukommen, wissen wir nicht“, sagt Reichert. Auch der Rechercheaufwand bei Bauleitern und -firmen im Einzelfall sei nicht abzusehen. Und so macht er auch keine Illusionen: „Die Antwort wird für den Fragenden nicht immer zufriedenstellend ausfallen.“ Schließlich könne man „nicht mal schnell eine Baustelle stilllegen“, ergänzt Hengartner, seit 1962 in Ulm und auch schon mal Stadtrat. Doch das technische Know-how, dass man mitbringe, könne wertvoll sein für praktische Reaktionen vor Ort. Sprich: Die „Kümmerer“ wissen eben, wie eine Baustelle funktioniert.

Letztlich sieht Reichert den Job auch atmosphärisch. Ruhe und Gelassenheit seien dabei gefragt. Und das Entgegenkommen könne einen entsprechend positiven „Geist bei den Anliegern verbreiten“.

 

Termine

Sprechzeiten
Die Baustellenbeauftragten sitzen im Container in der Warndtstraße Dienstag, 17 bis 19, Freitag, 7 bis 9 Uhr; und am Telefon Montag, 11 bis 13, Mittwoch 7 bis 9, Donnerstag, 17 bis 19 Uhr. Sonst Anrufbeantworter. (0731) 166 44 66.

Infoabend
Am Dienstag, 17. November, geht es im Ulmer Kornhaus wieder um das Gesamtprojekt Linie 2, Beginn: 19 Uhr.

Ein Kommentar von Jakob Resch: Im Auftrag ihrer Stadt

Gestatten: Reichert. Werner Reichert. Und: Hengartner. Hans Hengartner. Die beiden haben eine Mission. Sie sollen Ärger beim Straßenbahnbau entschärfen und die Linie 2 beim Bürger auf Kurs halten. Sie heißen Baustellenbeauftragte, verniedlicht: Kümmerer. So oder so, schlagen sie in Ulm ein neues Kapitel der Krisenbewältigung auf.

Sicher, es gibt bei der Stadt bereits eine Koordinierungsstelle für Großprojekte, die freilich intern für Abstimmung unter den Beteiligten sorgt, damit im Stadtumbau nicht alles zusammenbricht. Eine, ganz james-bond-like: Task Force macht außerdem Öffentlichkeitsarbeit für die Linie 2. Mit den Baustellenbeauftragten zusammen nun bildet sie das, was neudeutsch Kommunikation heißt.

Heute muss eine Sache kommuniziert werden, wenn sie klappen soll. Tatsächlich kommt kein Großprojekt, zumal kein öffentliches mehr ohne diese Begleitung aus. Und zwar im Dienste der Bürger. Und damit im Dienste der Sache. Kommunizierende Röhren quasi. Das ist eine Konsequenz der bürgernahen Demokratie, die in Ulm noch für arge Reibung sorgt, wie der Knatsch mit OB und Gemeinderat bisweilen zeigt, an der man aber nicht mehr vorbeikommt.

Werner „James“ Reichert und Hans „Bond“ Hengartner dürfen sich bei den Bürgern nicht verdächtig machen, wenn sie ihren Job richtig verstehen. Die größte Herausforderung könnte sein, dass ihnen die am Bau der Linie 2 Beteiligten für Problemlösungen auch zuarbeiten.