Ulm Fünfköpfige Bande angeklagt: 15 Einbrüche in Ulm und der Region

RUDI KÜBLER 08.04.2014
14 Verhandlungstage, 76 Zeugen – die 5. Große Jugendkammer hat einen Mammutprozess vor sich. Der Tatvorwurf: schwerer Bandendiebstahl.

Nicht einmal eine halbe Stunde dauerte am Dienstag der erste Verhandlungstag am Landgericht Ulm, lediglich die Verlesung der Anklageschrift hatte die 5. Große Jugendkammer zum Prozessbeginn angesetzt. In dieser kurzen Zeit aber redete sich Michael Bischofberger den Mund fusselig. Als Vertreter der Staatsanwaltschaft Ulm listete er die Einbruchsdiebstähle auf, die den fünf Angeklagten zur Last gelegt werden – nicht weniger als 15 Fälle, begangen in Ulm, dem Alb-Donau-Kreis sowie den Landkreisen Biberach und Göppingen im Zeitraum zwischen Dezember 2012 und Oktober 2013. Die Tatorte: Sonnenstudios und Firmen. Die Beute: Bargeld in Höhe von 50.000 Euro und Gegenstände im Wert von 15.000 Euro. Der Sachschaden: Er summiert sich auf 28.000 Euro.

Die Besetzung? Sie wechselte von Einbruch zu Einbruch. Anfangs, so der Staatsanwalt, der von schwerem Bandendiebstahl ausgeht, sollen lediglich drei der fünf Angeklagten die Einbrüche verübt haben: ein heute 45-jähriger Deutscher sowie ein 33-jähriger Italiener und ein gleichaltriger Türke. Das Trio soll wenige Tage vor Weihnachten 2012 in ein Ulmer Sonnenstudio eingestiegen sein. Die Beute war mit rund 150 Euro gering, der Sachschaden mit rund 1000 Euro dagegen enorm. Es folgten Einbrüche in Biberach, Laupheim, Sigmaringen und Riedlingen. Bisweilen soll die zum Quintett erweiterte Bande – ein weiterer Türke (23) und ein Kosovare (22) hatten sich angeschlossen – in derselben Nacht verschiedene Firmen heimgesucht haben. Manchmal waren es nur 50 oder 100 Euro, die ihnen in die Hände fielen. Fette Beute aber machten die Einbrecher in einer Schelklinger Firma: Aus zwei Tresoren entwendeten sie rund 40.000 Euro Münzgeld in verschiedenen Währungen, außerdem auch iPads, Laptops und weitere IT-Geräte im Wert von 15.000 Euro. Im Rathaus von Lauterstein (Kreis Göppingen) erbeuteten sie 4000 Euro, die ebenfalls im Tresor lagen.

Die Vorgehensweise war immer die selbe. Zunächst spähten die Männer die Objekte aus; dann standen ein oder zwei nachts Schmiere, während die anderen in die Gebäude einstiegen. Nur einmal änderten die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft ihr Muster – und zwar im August 2013 in Ulm. Während sich einer der Männer von einem Hotel-Mitarbeiter ein Zimmer zeigen ließ, versuchten zwei Kumpane den Tresor an der Rezeption zu entwenden. Es blieb beim Versuch. Der Angestellte rannte den Dieben hinterher, sie ließen den Geldschrank fallen und machten sich aus dem Staub.

Fortsetzung der Verhandlung ist am Dienstag, 29. April, 8.30 Uhr. Dann dürfte es, sofern sich die Angeklagten zu den Vorwürfen einlassen, deutlich länger dauern.