Ulm Fünf Wasserspeier am Ulmer Münster müssen restauriert werden

Ulm / VERENA SCHÜHLY 05.09.2013
Wer die Wasserspeier am Münster sehen möchte, muss den Kopf weit in den Nacken legen. Aber die Mühe lohnt sich. Fünf der phantasievollen Figuren sind noch zu restaurieren, dafür werden Paten gesucht.

Wer denkt, dass es am Münster nur Figuren von Heiligen oder Propheten gibt, der irrt. Die Fassade der Kirche ist auch bevölkert von Fabelwesen, Tier- und Phantasiegestalten aller Art, bis hin zu Höllenhunden und Drachen. Die Rede ist von den Wasserspeiern. 145 solcher Figuren gibt es an der Fassade, und alle wurden - trotz ihres mittelalterlichen Aussehens - erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Steinmetzen gefertigt.

Die phantasievollen und eigentümlichen Werke der Bildhauerkunst haben einen durchaus ernsthaften Zweck: Sie verfügen im Rücken über Rinnen oder Rohre, die im Maul münden und so das Wasser vom Dach ableiten - daher der Name Wasserspeier.

Aber wie häufig gilt auch hier: Keine Regel ohne Ausnahme. In diesem Fall sind es die Wasserspeier an der halbrunden Chorfassade. "Die sind reine Zier-Architektur", sagt Münsterbaumeister Michael Hilbert. 16 Figuren gibt es dort: Angebracht jeweils paarweise an den acht Pfeilern, in einer Höhe von 28 Metern. Eine weitere Figur reckt sich an der Nordwestecke unter dem Dach der Chorgalerie.

12 der 17 Sandstein-Figuren sind inzwischen restauriert. Fünf im nördlichen Teil sind "noch offen", berichtet Hilbert. Das heißt: Auf ihnen hat sich Moos gebildet, die Oberfläche ist durch Schmutz schwarz verkrustet, teilweise gibt es Risse, abgeplatzte Stellen oder Aushöhlungen. Weil die Wasserspeier waagrecht aus der Fassade herausragen, sind sie voll der Witterung ausgesetzt und sehen nach rund 140 Jahren in Wind und Wetter entsprechend aus.

Die Restaurierung kostet für jede der 80 Zentimeter großen Sandstein-Figuren 5000 Euro. "Wir suchen Paten für die restlichen Wasserspeier-Zierfiguren", sagt Hilbert. Zwischen 125 und 175 Stunden Arbeit stecken in der Restaurierung: Zuerst wird mit einem Mikro-Sandstrahlgerät die Oberfläche gereinigt, dann werden Risse verpresst, lockere Teile gekittet und Aushöhlungen verpresst. Am Schluss wird die Oberfläche geschlämmt, dadurch entsteht eine Schutzschicht.

Der Münsterbaumeister findet, dass der Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag (siehe Info-Kasten) eine gute Gelegenheit ist, um sich die Wasserspeier mal genauer anzuschauen. Im südlichen Teil der Chorfassade sind die Figuren bereits gerichtet, deutlich erkennbar an der hellen Oberfläche.

Wieso gibt es überhaupt solche Figuren am Münster? "Das ist eine alte Tradition, die sich beispielsweise auch am Chorgestühl zeigt", erklärt Hilbert. In früheren Zeiten sollten magische Figuren an den Türportalen das Böse abhalten.

Schöpfer der Wasserspeier ist einer der Vorgänger Hilberts: Ferdinand Thrän, Münsterbaumeister von 1844 bis 1870. Er hatte eigens die Münster von Köln, Straßburg und Freiburg besichtigt, um sich Inspirationen zu holen. Thrän folgte in seinen Plänen für Ulm auch der mittelalterlichen Tiersymbolik: Damals wurden Tieren bestimmte Eigenschaften, Tugenden oder Laster zugesprochen. Wer am Sonntag den Hals reckt, kann hier auf eine spannende Entdeckungsreise gehen und rund um die Kirche Tiere- und Phantasiegestalten aller Art ausmachen.

Info Wer die Patenschaft für eine Wasserspeier-Zierfigur übernehmen möchte, kann sich ans Münsterbauamt wenden. Erreichbar ist es unter Tel. (0731) 967 50 10 oder per Mail: info@muensterbauamt-ulm.de

Tag des offenen Denkmals