Nichts Neues im Fall der fünf mit Morphin vergifteten Säuglinge: „Leider“, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage sagte. Nach Darstellung von Michael Bischofberger hätten die Ermittlungen bis zuletzt keine neuen Erkenntnisse gebracht. Wie berichtet, mussten kurz vor Weihnachten in der Kinderklinik der Universität Ulm fünf in einem Zimmer liegende Säuglinge notfallmäßig behandelt werden, nachdem ihnen von einer unbekannten Person Morphin verabreicht worden war.

Wegen der speziellen Wirkweise des Stoffes konnte der Verdacht auf eine bestimmte Nachtschicht eingegrenzt werden, die von der Universität deshalb seither auch vom Dienst frei gestellt ist. Kurzfristig hatte es so ausgesehen, als könnten Polizei und Staatsanwaltschaft einen schnellen Erfolg verbuchen, als sie eine Krankenschwester aus der Nachtschicht in Untersuchungshaft nahm. Nach wenigen Tagen aber hatte sich herausgestellt, dass der Haftbefehl gegen die junge Frau auf einem fehlerhaften Test im Labor des Landeskriminalamtes (LKA) beruhte, weshalb die Frau wieder freigelassen wurde. Sie hatte eine Tatbeteiligung von Anfang an bestritten.

Giftbuch weist Fehlbestand auf

Seither hat die Staatsanwaltschaft weiterhin alle sechs Personen der Schicht – zwei Ärztinnen, vier Schwestern – im Verdacht, ermittelt aber auch in allen anderen Richtungen, wie Bischofberger sagte. Beispielsweise geht es um den Bestand an Morphium auf der Station, der in einem so genannten Giftbuch festgehalten wird. Nach derzeitigem Stand gibt es da offenbar eine Diskrepanz, die derzeit aber noch nicht erklärt werden kann. Wie Bischofberger sagte, gehe es dabei um Kleinstmengen, deren Verbleib nicht so einfach zu rekonstruieren sei.

Personal stärker belastet

An der Kinderklinik muss der Ausfall einer kompletten Schicht kompensiert werden. Wie die Klinik mitteilt, gibt es interne Umschichtungen, Ärzte anderer Stationen müssen auf der Intensivstation aushelfen, Oberärzte mehr Aufgaben übernehmen. Bislang seien jedoch alle Pflege-­Schichten besetzt worden. Einschränkungen gab es aber auf der Mutter-Kind-Station, die mit ihren sechs Betten für insgesamt zehn Tage geschlossen wurde. Auf der Intensiv- und der Früh- und Neugeborenenstation kam es hingegen zu keiner Einschränkung. Bei Ablehnungen von Patienten sei es zu keinem Anstieg gekommen.