Paukenschlag im Fall der fünf mutmaßlich vergifteten Babys an der Ulmer Uniklinik: Die Staatsanwaltschaft ist zurückgerudert. Sie hat die bisher verdächtige Krankenschwester nach vier Tagen aus der Untersuchungshaft entlassen.

Gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Ulm sowie mit dem LKA Baden-Württemberg informiert die Ulmer Staatsanwaltschaft am Dienstagvormittag über die neuesten Erkenntnisse.

Vergiftete Frühchen: Krankenschwester hatte Spritze in ihrem Spind

Die „dringend tatverdächtige“ Frau war vergangenen Mittwoch festgenommen worden, weil sie den Früh- und Neugeborenen mit einer Muttermilchspritze eine hohe Dosis Morphin verabreicht haben soll. Die weiteren Ermittlungen ergaben nun, dass der dringende Tatverdacht gegen die Frau nicht aufrechterhalten werden kann.

Weitere Analysen ergaben: Kein Morphin in der Spritze

Dieser Tatverdacht beruhte auf dem Fund einer Muttermilchspritze im Spind der Krankenschwester an ihrem Arbeitsplatz. Nach Untersuchungen des Landes­kriminal­amts hatte sich darin auch Morphin befunden. „Weitere Analysen des Spritzeninhalts bestätigten diesen Verdacht jedoch nicht“, teilte die Ulmer Staatsanwaltschaft am Montagabend mit.

Ulm

Daher wurde der Haftbefehl auf Antrag der Staatsanwaltschaft Ulm im Laufe des Sonntags durch den Bereitschaftsrichter des Amtsgerichts Ulm aufgehoben. Zudem ordnete die Staatsanwaltschaft die umgehende Freilassung der Frau an. Der Leiter der Ulmer Staatsanwaltschaft Christof Lehr drückte ihr sein Bedauern aus.

Die Frau hatte den Tatvorwurf bereits am Mittwoch bestritten.

Babys wohl mit Morphin vergiftet: Direktor der Ulmer Uniklinik entschuldigt sich

In der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember hatten fünf Babys in der Kinderklinik in Ulm Atemprobleme bekommen. Vergangenen Donnerstag informierten Staatsanwaltschaft und Polizei sowie die Uniklinik Ulm in getrennten Pressekonferenzen über den Fall.

Es ist ein Fall, der bundesweit Schlagzeilen macht. In der Nacht zum 20. Dezember hatten fünf – zwischen einem Tag und einem Monat junge – Babys auf der Überwachungsstation der Neonatologie nahezu gleichzeitig akute Atembeschwerden bekommen. Drei von ihnen schwebten in Lebensgefahr, mussten beatmet werden. Ihr Leben konnte nur durch das rasche Eingreifen des Personals gerettet werden, wie die Uni mitteilte. Die Kinder werden nach ärztlicher Einschätzung keine Folgeschäden davontragen.

Nachdem eine Viruserkrankung ausgeschlossen werden konnte, wurde in Urinproben aller fünf Babys schließlich Mitte Januar – also nach drei Wochen – das Beruhigungsmittel Morphin gefunden. Die Uni stellte daher Anzeige gegen Unbekannt, die Polizei nahm die Ermittlungen auf. Vergangenen Dienstag durchsuchte sie Räume der beiden Ärztinnen und der vier Pflegekräfte, die in der fraglichen Nachtschicht Dienst hatten.

Klinikdirektor in Ulm: „mit krimineller Energie ein Verbrechen verübt“

Der Ärztliche Direktor der Kinder- und Jugendklinik, Prof. Klaus-Michael Debatin, ging am Donnerstag davon aus, „dass an unserer Klinik mit krimineller Energie ein Verbrechen verübt wurde“. Unklar war allerdings auch, wie die verdächtige Spritze in den Spind der Krankenschwester gelangt war.

Der Vorstandsvorsitzende und Leitende Ärztliche Direktor des Uniklinikums Ulm, Prof. Udo X. Kaisers, entschuldigte sich am Donnerstag „ausdrücklich für den Vorfall, für die Ängste und Belastungen, die die Familien und Angehörigen aushalten mussten“. Es bestünde die Gefahr, dass durch das Geschehen „das Vertrauen in unsere Einrichtung erschüttert wird“. Man werde alles tun und transparent vorgehen, um das Vertrauen wieder herzustellen.

Youtube Babys bekamen Morphium – das sagen die Ärzte der Uniklinik