Petra Wolski ist erleichtert, als sie auf dem Friseurstuhl Platz genommen hat. „Es war höchste Zeit, dass ich mir mal wieder die Haare schneiden lasse“, sagt sie, während Friseurmeisterin Nora Pelkonen ihren Bob in Form bringt. Wolski ist eine der ersten Kunden am Montagmittag im Salon „Nora Pelkonen“  in der Ulmer Zinglerstraße. Schon vor drei Wochen hatte sie sich um diesen Termin bemüht, als noch nicht klar war, wann Friseure in der Corona-Krise wieder öffnen dürfen. „Mir war es wichtig, früh dran zu sein. Ich wusste, dass bei Nora sicher einige auf die Wiederöffnung warten,“ so Wolski. In den vergangenen Tagen sei es ihr noch gelungen, ihre Frisur vor Videokonferenzen im Homeoffice hübsch zurecht zu machen. „Wäre der Shutdown für Friseursalons noch länger gegangen, hätte ich die Schere womöglich noch selbst in die Hand nehmen müssen“, sagt Wolski lachend.

Friseure in Ulm und Neu-Ulm: Es gelten strenge Hygienevorschriften

Wie ihre Kundin hat auch Nora Pelkonen wieder Grund zum Lachen: „Es ist einfach schön, wieder meiner Leidenschaft nachgehen zu können.“ Im Zuge der Corona-Krise waren die Friseursalons im Land für knapp sechs Wochen geschlossen gewesen. Nach der Wiederöffnung müssen sich die Betreiber an strenge Hygienevorschriften halten. „Es ist aufwendig, aber in Anbetracht der momentanen Situation natürlich notwendig“, sagt Pelkonen. Die 32-Jährige desinfiziert nach jedem Haarschnitt ihr Arbeitswerkzeug sowie Friseurstuhl und Armlehnen. Darüber hinaus weist sie ihre Kundschaft an, sich direkt nach dem Eintreten die Hände zu waschen und zu desinfizieren. Das Tragen einer Mund-Nasen-Maske ist Pflicht.

Bartrasuren und Augenbrauen zupfen sind noch nicht gestattet

Burhan Amedov hat seinen Barbershop „Weltmann“ in der Kohlgasse ebenfalls seit Montag wieder geöffnet. „Die Maske ist beim Schneiden noch etwas gewöhnungsbedürftig“, räumt Amedov ein. Diese Einschränkung nehme er nach der Zwangspause allerdings gerne in Kauf. Sein Terminkalender ist voll. Mehr als 200 E-Mails seien in den vergangenen Tagen eingegangen. „Ich bin jetzt erst einmal ausgebucht“, freut sich Amedov. Einige Kunden hätten bereits nach dem Rundum-Paket gefragt, wollen neben dem Haarschnitt auch ihren Bart rasieren sowie die Augenbrauen zupfen lassen. „Dann muss ich sie darauf hinweisen, dass wir momentan nur die Haare schneiden dürfen. Behandlungen im Gesicht sind noch nicht gestattet“, erklärt Amedov.

„SuMisura“ in Neu-Ulm: Bis Juni ausgebucht

Bei Dario Pedicillo von „SuMisura“ in Neu-Ulm steht das Handy seit vergangener Woche nicht mehr still. Alleine am Montagmorgen seien rund 30 Whats-App-Nachrichten eingegangen. „Es heißt oftmals: Dario, ich brauche dringend einen Haarschnitt. Ich sehe schrecklich aus“, erzählt Pedicillo, der am ersten Tag nach der Wiederöffnung 20 Kunden frisiert hat. Bis Juni sei er nun ausgebucht. Den Shutdown überbrückte Pedicillo, indem er Kunden online über Instagram beriet, beispielsweise wenn sie sich zuhause selbst die Haare färben wollten. „Dieser Service wurde sehr gut angenommen“, berichtet Pedicillo.
Vor der "Velly"-Filiale im Hafenbad standen die Kunden am Montagmorgen Schlange.
Vor der „Velly“-Filiale im Hafenbad standen die Kunden am Montagmorgen Schlange.
© Foto: Sven Kaufmann
Weil die Kalender vieler Friseure bis auf Weiteres bereits vollgeschrieben sind, versuchen es einige Kunden bei Salons, in denen man keinen Termin benötigt. Vor der Friseurkette „Velly“ im Hafenbad bildete sich am Montagmorgen noch vor Ladenöffnung eine Schlange. Auch vor dem Salon „Mondial“ in der Pfluggasse stand die Kundschaft an.