Bleibt die Friedrich-­Ebert-Straße wegen der Großbaustelle am Ulmer Hauptbahnhof einspurig bis Herbst 2022 oder überwiegend zweispurig, dann aber bis Mitte 2023? Diese Entscheidung muss nun der Bauausschuss des Gemeinderats treffen.

Ursprünglich hätte die Baustelle mit zweispurigem Verkehr fertiggestellt werden sollen: von Ende 2019 bis Herbst 2022. Aus Ende 2019 ist mittlerweile April 2020 geworden. Jetzt stellt sich die Frage, mit welcher Verkehrsführung das Bauvorhaben von da an fertiggestellt wird und wie lange das dann noch dauert. Hintergrund sind „zusätzliche Aufgaben, die uns im Vorfeld nicht bekannt sein konnten“, wie Baubürgermeister Tim von Winning sagt. Er erläuterte am Montag den Stand der Dinge.

Welche neuen Hindernisse haben sich aufgetan?

Da ist zum einen die Hauptversorgungstrasse der Telekom mit ihren dicken Leitungen, die zu knapp unter der Oberfläche verläuft und nun aufwändig saniert werden muss. Die Kanäle und Schächte seien in einem sehr schlechten Zustand.

Das zweite Problem sind die Pläne des Areals aus der Nachkriegszeit, die „die reale Situation vor Ort oft nur rudimentär wiedergeben“. Daher gebe es im Grund immer wieder Überraschungen: alte Mauerreste, halb zugeschüttete Keller und „Leitungen, von denen keiner weiß, warum sie dort liegen“. Und die, wenn sich nicht mehr ermitteln lässt, wem sie gehören, auch mal abge­klemmt werden.

Hinzu komme stets, dass sich die diversen Bauvorhaben an dieser Stelle – Bahnhofspassage, Sedelhöfe, Tiefgarage und Straßenbahnhaltestelle – in ihrer Komplexität und ihren Abläufen gegenseitig beeinflussen. All diese Schwierigkeiten führten nun dazu, dass die Bauarbeiten nicht bis Herbst 2022, sondern erst neun Monate später abgeschlossen werden könnten, sagt von Winning. Die Verwaltung habe daher geprüft, was man tun könne, um den ursprünglichen Zeitplan doch einzuhalten.

Baustelle Friedrich-Ebert-Straße Ulm Kommentar: Gründe und Untergründe

Ulm

Einspurige und zweispurige Variante

Ihr Lösungsvorschlag: durchgehende Einspurigkeit bis zum Ende der Bauarbeiten. So lasse sich ein mehrmaliger komplizierter Wechsel der Verkehrsführung vermeiden, der Bauablauf ließe sich verbessern. Auch habe sich die Einspurigkeit im Hinblick auf Verkehrsfluss und Sicherheit als gut erwiesen. Und man könne so wohl Mehrkosten vermeiden.

Die Alternative, die überwiegend zweispurige Variante, käme aufgrund kleinerer Baufelder und mehrmaliger Provisorien 1,5 bis 2,5 Millionen Euro teurer. Zudem müssen die Verkehrsführung mehrmals verändern werden. Vor allem aber würde es zu einer Verlängerung der Bauzeit bis Mitte 2023 und in der letzten Phase zu heftigen Staus kommen. Und auch diese Variante hätte während der Sommerferien 2020 und 2021 jeweils Phasen der Einspurigkeit.

Aus Sicht der Verwaltung „ist der Unterschied zwischen der einspurigen und zweispurigen Verkehrsführung im Hinblick auf die Erreichbarkeit der Innenstadt nicht so groß, als dass dafür die anderen Nachteile in Kauf genommen werden sollten“. Der Baubürgermeister sieht die Sache „nicht in der Dramatik“.

Endgültige Entscheidung im Dezember

Die Verwaltung wird dem Bauausschuss im November einen Bericht zum Thema vorlegen. Die Stadträte entscheiden dann im Dezember.

Man dürfe nicht aus dem Auge verlieren, dass das gesamte Projekt letztlich zu einer massiven Aufwertung der Innenstadt führen werde, betont von Winning. Die Fußgängerpassage werde rechtzeitig im Frühsommer 2020 zur Eröffnung der Sedelhöfe fertig. Der Baubürgermeister verwahrt sich gegen politische Forderungen nach mehr und besserem Personal in der Bauverwaltung: „Die Kollegen dort sind immens engagiert und kreativ.“

Doch ist man nun vor weiteren negativen Überraschungen auf dem Baufeld gefeit? „In die meisten Stellen haben wir inzwischen reingeschaut“, sagt von Winnig. Mit der Telekom ist nun allerdings noch ein weiterer Bauherr mit im Spiel. Und der Grund vor der Post könnte aufgrund der Stadtbefestigung aus dem 17. Jahrhundert archäologisch relevant werden. Dennoch äußert von Winning, die „Hoffnung, dass wir zeitlich hinkommen“.

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Bislang keine Fliegerbomben


Auf der Großbaustelle gab es bisher keinen einzigen Alarm wegen Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg. „Das ist mir auch aufgefallen“, sagt Baubürgermeister Tim von Winning, „ist mir aber eher angenehm.“ Man rechne jetzt auch nicht mehr damit. In den Schubladen liegen dennoch Notfallpläne für eine sofortige Innenstadt-Absperrung.