Friedenswochen Friedenswochen: Ein Fest und Vieles zum Nachdenken

Ulm / Ulrike Schleicher 25.08.2018

So viel Aktualität würde sich mancher Veranstalter wünschen. In diesem Fall jedoch fehlt die Begeisterung gänzlich: Reinhold Thiel, Lothar Heusohn und Reinhard Köhler koordinieren die Ulmer Friedenswochen (1. September bis 3. Oktober), bei denen auch das in Ulm geplante Nato-Kommandozentrum für Truppen- und Materialtransporte Thema sein wird. Irritiert angesichts der Euphorie von vielen Seiten, sagt Thiel, werde offensichtlich vergessen, „dass Ulm damit Angriffsziel Nummer eins wird“. Wieder, denn bereits vor rund 35 Jahren sollten Pershing-II-Raketen in Neu-Ulm stationiert werden. Damals hatte der Warschauer Pakt nach und nach die zielgenaueren SS-20-Raketen in Stellung gebracht, die Umsetzung des Nato-Doppel­beschlusses stand bevor.

So wird sich am 27. September Henrik Paulitz, Leiter der Akademie Bergstraße für Ressourcen-, Demokratie- und Friedensforschung, mit der „Kriegsmacht Deutschland“ unter besonderer Berücksichtigung Ulms befassen. Thiel: „Man muss ja wissen, dass die Bundeswehr nie als Angriffsarmee gedacht war, und Deutschland nun in die Rolle einer Kriegsmacht gedrängt wird. Hier in Ulm findet ein Teil davon statt.“ Lokal wird das Thema am 5. September von Tobias Pflüger behandelt. Er ist Friedensforscher und Bundestagsabgeordneter der Linken.

Ein weiteres Thema wird die „Flüchtlingskrise“ sein. Heusohn nennt sie „Menschenrechtskrise, weil es um ein Menschenrecht geht“. So wird der Journalist Marcus Bickel darstellen, wie deutsche Unternehmen und der Staat an den Kriegen verdienen (4. September). Und es wird darum gehen, wie Länder wirtschaftlich ausgebeutet werden und den Menschen die Lebensgrundlage entzogen wird (11. September).

Gestartet werden die Friedenswochen mit einem Fest in der vh am 1. September. Das Programm ist vielfältig: So bietet die Gruppe Lachyoga Ulm in einem Vortrag einen Wegweiser zu mehr Mitmenschlichkeit (7. September).

Info Das Programmheft liegt an vielen Stellen in der Stadt aus, ist aber auch unter www.friedenswochen-ulm.de im Internet abrufbar.

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