Vöhringen / Ulm Frieden - und doch viele Kriege

Vöhringen / Ulm / MICHAEL JANJANIN 02.10.2012
Politische Bildung mit Jugendoffizier Maximilian Vogel beleuchtet institutionelle Hintergründe im Zusammenspiel der Kräfte in der Welt: vier Schulen in der Region Ulm/Neu-Ulm haben mit dem 29-Jährigen diskutiert.

2011 war eines der konfliktreichsten Jahre seit dem Zweiten Weltkrieg: 20 Kriege und 40 "hochgewaltsame Konflikte" auf dem Planeten Erde. Maximilian Vogel spricht seine Sätze wohlgesetzt und unaufgeregt. Er will keine Effekte erheischen, schon gar nicht Ängste schüren. "Ebensowenig für den Beruf des Soldaten werben." Der Jugendoffizier aus Ulm informiert - und ist froh wie seine Zuhörer, dass in Deutschland Frieden herrscht. "So lange wie schon lange nicht mehr", sagt er einer Gruppe von mehr als 80 Zehntklässlern des Illertal-Gymnasiums in Vöhringen.

Maximilian Vogel hält in der Mensa auf Einladung des Projekts Wir lesen einen Vortrag über "Aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen und Auslandseinsätze der Bundeswehr". Doch wer über Sicherheit diskutieren will, braucht einen Unterbau an Informationen, um Zusammenhänge zu verstehen.

Sicherheit und die Außenpolitik: Zu diesem Thema trifft Vogel bei den Veranstaltungen auf interessierte und informierte Schülerinnen und Schüler. Das Thema hat für die Vöhringer Jugendlichen und ihre Sichtweise auf die Welt nicht gleich etwas mit Militär und kriegerischen Konflikten zu tun. "Deutschland ist eine Exportnation und hängt stark von der Entwicklung der anderen Länder ab", sagt eine Zehntklässlerin. Ein Mitschüler fügt hinzu, dass die zunehmende wirtschaftliche Schieflage im Ausland große Auswirkungen auf die Stabilität im Inland haben könne. Auch das habe mit Sicherheit zu tun - und mit deren Gefährdung. Auch die Veränderungen von Nordafrika bis Asien haben bei den Jugendlichen Eindruck hinterlassen. "Klar, die Menschen versuchen, in ihrem Staat mitzuentscheiden", sagt einer der Schüler. Der arabische Frühling habe die Verhältnisse in den Ländern verändert, ergänzt er. Die Einwirkungsmöglichkeiten der Staatengemeinschaft seien zurzeit aber begrenzt, sagt Vogel. Und fragt - warum? Uno, der Sicherheitsrat und das Vetorecht, ausgeübt von Russland und China - auch hier stößt er auf eine informierte Basis.

Beim Thema Terrorismus lässt es Vogel nicht bei dem Aspekt der Gefährdung von Sicherheit bewenden. Was wohl die Wurzeln von Terrorismus sind - und warum Menschen in einem ähnlichen Alter und einer anderen Lebenssituation darauf verfallen könnten? "Bildungsmangel, Ausgrenzung, Aussichtlosigkeit, die große Macht der Prediger" - ein ganze Reihe von Gründen fallen den Schülern ein, warum junge Menschen in den Sog terroristischen Organisationen geraten.

Und die Rolle der Bundeswehr in Bündnissen? In Vöhringen entpannt sich auch darüber eine Diskussion: An die 6500 Soldaten der Bundeswehr sind zurzeit im Ausland eingesetzt. Vogel betont, dass es sich hierbei nicht um einen Automatismus handelt, weil jemand die Soldaten angefordert habe. "In jedem Fall prüft die Bundesregierung selbst, und dann ist ein Bundestagsmandat erforderlich". Ob Afghanistan, Bosnien, Kosovo oder "der Schutz von Hilfsgütern im Seeraum vor Somalia", jeder Einsatz muss seine demokratische Legitimierung haben - und stehe danach weiter auf dem Prüfstand. "Sie meinen den Schutz der Schiffe vor Piraten", fragt ein Schüler? Ja, ergänzt Vogel. Zunächst sie dies ein Auftrag, um den Schutz von Schiffen zu gewährleisten, die Hilfsgüter liefern. Die Arbeit der Fregatte Sachsen in dem Seegebiet am Horn von Afrika gestalte sich nicht einfach - und vor allem aber nach fest definierten Einsatzregeln.