Geschickt rollt Natalie das Nudelholz über den Plätzchenteig. „Soll ich ihn noch dünner ausrollen?“, fragt sie. „Ein bisschen geht noch“, sagt Lea Cseri und holt die Ausstecher aus dem Schrank.

Es ist „Kochwerkstatt“ in der Begegnungsstätte M.I.T.T.E in der Neu-Ulmer Eckstraße, einer Einrichtung des Neu-Ulmer Ortsverbands der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Jeden Freitagnachmittag sind Kinder und Jugendliche aus dem angrenzenden Viertel zum gemeinsamen Kochen oder Backen eingeladen. „Das macht viel Spaß und es ist mal etwas anderes als das, was man sonst mit Freunden macht“, sagt die 15-jährige Tuana. Genau wie der 11-jährige Deniz kommt sie fast jede Woche in die Kochwerkstatt. Am besten habe ihm bis jetzt der Obstsalat geschmeckt, sagt Deniz. Was gekocht wird, entscheiden die Teilnehmer stets zusammen für die nächste Woche, Pizza und Pasta standen in letzter Zeit auf dem Menüplan, auch Burger und Nudelsalat. Jetzt im Dezember aber wollen die Buben und Mädchen vor allem eins, sagt Leiterin Cseri: „Plätzchen backen.“

Personal eingespart

Finanziert wird der Kochtreff von der gemeinnützigen Stiftung Gänseblümchen (siehe Infokasten). „In diesem Teil der Innenstadt gibt es wenige Angebote für Kinder“, sagt Stiftungsvorsitzende Petra Nething. Das Jugendhaus im Vorfeld etwa sei für die Buben und Mädchen aus dem Viertel zu weit, um selbstständig dorthin zu gelangen. „Früher hat es hier bei uns in der Begegnungsstätte mehr Aktionen für Kinder gegeben“, sagt Emmy Megler vom AWO-Ortsverband. Diese seien über die Organisation „Aktion Mensch“ finanziert gewesen. Als die Förderung auslief, mussten Personal und Angebote eingespart werden. „Aber ich habe die Kinder nie vergessen“, sagt Megler.

Als Petra Nething auf sie zugekommen sei und die Hilfe der Stiftung angeboten habe, sei schnell die Idee des Kochtreffs entstanden. „Und wir sind sehr glücklich damit“, sagt Megler. Seit August hat Lea Cseri ehrenamtlich die Leitung der Kochwerkstatt übernommen. Megler: „Sie ist unser Goldschatz, sie macht das super.“ Cseri sei auf der Ehrenamtsmesse auf sie zugekommen, wollte helfen: „Ich wollte gern etwas Soziales mit Kindern machen, und es macht auch sehr viel Spaß“, sagt die 20-jährige, die in Neu-Ulm Betriebswirtschaft studiert. Sie finde es schön, dass die Jungen und Mädchen beim Kochen so viel erzählen, „von der Schule, von Freunden“.

Wenn das Essen fertig ist, wird gemeinsam gegessen, im Sommer auch draußen im Innenhof. Der Treff ist ein offenes Angebot, bis zu zehn Kinder aus dem Viertel seien dabei, manche kämen regelmäßig, andere nur ab und zu, sagt Cseri. Heute zum Plätzchenbacken haben sich fünf eingefunden, sorgfältig stechen sie Sterne, Monde und Tannenbäume aus. „Hinterher räumen wir dann zusammen auf“, sagt Cseri. Eigentlich jedenfalls. Sie verrät: „Abspülen mag eigentlich keiner so richtig.

Stiftung Gänseblümchen


Teilhabe Die Stiftung wurde 2010 von den Architekten Brigitte und Frieder Nething gegründet. Zweck der Stiftung ist es, „sozial benachteiligte Kinder in Bezug auf kulturelle Teilhabe zu unterstützen“. Gefördert werden etwa Kulturprojekte in Schulen, Präventionskurse oder Musikunterricht. Auch Einzelfallhilfen werden gewährt. Die Arbeit der Stiftung finanziert sich zu einem großen Teil durch die Vermietung von Kunstwerken, lässt Vorstand Petra Nething wissen.