Naturschutz Frei für tierische Untermieter

Ulm / Margot Autenrieth-Kronentaler 10.08.2018

Die Lukaskirche hofft auf Untermieter – tierischer Art. Genauer gesagt: auf Schleiereulen. Die Lage der evangelischen Kirche am Eselsberg ist ideal, die nahen Kleingärten bieten ein gutes Jagdrevier für die Vögel. Deshalb wurde jetzt im  Kirchturm ein Brutquartier eingebaut.

Die Initiative dazu hat Peter Thoma vom Nabu Schelklingen  angestoßen. Er freut sich, dass er in Pfarrerin Stefanie Klitzner und der Lukasgemeinde willige Helfer gefunden hat. „Schleiereulen leiden bei uns sehr unter Quartiernot“, erklärt Thoma. „Immer mehr Kirchtürme werden taubensicher gemacht. Deshalb fehlen den Eulen die Bruthöhlen.“ Die Tiere mit dem typisch herzförmigen Gesicht nutzen gern Türme und Scheunen, um ihre Jungen aufzuziehen.

Über persönliche Beziehungen kam der Kontakt zwischen Vogelschützer und Pfarrerin zustande. Thoma schlug vor, einen Nistkasten im 40 Meter hohen Kirchturm am Hermann-Stehr-Weg einzubauen. Der Kirchengemeinderat gab grünes Licht für die Kooperation. Eine Tauffamilie spendete Geld für die Materialkosten, und so konnte Hausmeister Markus Röhm das Bauen übernehmen.

Er brach auf zwölf Metern Höhe in Südost-Richtung ein Fenster heraus. Dieses wurde bis auf ein kleines Einflugloch mit Holz verkleidet. Dahinter zimmerte der Hausmeister ein großzügiges Eulen-Appartment: Einen Kasten mit den Maßen 1,50 auf 0,50 Meter. Eine Blende neben dem Einflugloch bewirkt, dass es in der Nisthöhle dunkel ist und dass Tauben abgehalten werden.

Zusätzlich hat Markus Röhm eine Besucherklappe eingebaut. Die erlaubt es interessierten Menschen, einen Blick in die zukünftige Kinderstube zu werfen. „Wir haben ja hier einen Kindergarten. Es wird schön, wenn die Kinder oder Konfirmanden die Küken beobachten können“, meint Stefanie Klitzner. Laut Vogelschützer Thoma ist es unproblematisch: „Die Eulen lassen sich beim Brutgeschäft davon nicht stören.“

Noch ist der Kasten leer. Thoma dämpft Hoffnungen auf einen raschen Bezug: „Das Brutgeschäft der Schleiereulen ist schon vorbei.“ Er rechnet aber damit, dass die Vögel den Kasten zunächst als Schlafquartier nutzen.

Wenn die Vögel denn da sind, legen sie drei bis zwölf Eier im Abstand von jeweils zwei Tagen. Die Küken schlüpfen nach 30 Tagen, und so sind im Nest die Jungvögel alle unterschiedlich groß. Sie sitzen erfahrungsgemäß wie Orgelpfeifen im kirchlichen Nest, bemüht Peter Thoma ein passendes Sprachbild. Je nach Futteraufkommen wird die Bruthöhle mehr oder weniger voll.

Vom Nabu hat die Lukasgemeinde schon eine Urkunde und eine Plakette bekommen, die am Turm angebracht wird. Auch deshalb, weil im Zuge der Bauarbeiten auch gleich ein passender Nistkasten für Turmfalken entstanden ist.

Zoologische Besonderheiten

Nachtaktiv Die Schleiereule (Tyto alba) ist ist eine sehr helle, langbeinige Eulenart ohne Federohren. Erkennbar ist sie am herzförmigen Gesicht und  ihren relativ kleinen, schwarzen Augen. Sie ist nachtaktiv.  Ihr Körper misst 30 bis 35 Zentimeter, die Flügelspannweite beträgt 85 bis 95 Zentimeter. Männchen und Weibchen ähneln einander, Weibchen sind meist etwas größer und dunkler gefärbt.

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