Ernährung Frauenversteher und Feigensenf

Ulm / Beate Storz 09.11.2018

Süße Abwechslung für den Gaumen bietet die Ulmer Honigstube an der Dreiköniggasse. 2016 hat Petra van Wonderen das kleine Geschäft mit der großen honiggelben Werbung eröffnet. Ein wenig erinnert die Aufmachung an die Biene Maja, was durchaus gewollt sein könnte. Auf die Idee gekommen ist sie im Grunde durch ihren Mann, der einen Großhandel für Honig betreibt und somit quasi an der Quelle sitzt.

Rund 100 Honigsorten aus der ganzen Welt hat sie im Angebot, Getränke mit Honig, Honigsenf und Honignudeln. Das sind ganz normale Nudeln, die mit Honig gewürzt sind und leicht süßlich schmecken. Sie passen zu Fleisch und Fisch. Sie können aber auch als süße Hauptspeise mit Vanillesoße zubereitet werden. Petra van Wonderen verkauft diese Nudeln vor allem in der Weihnachtszeit. Für das Salatdressing gibt es Honig-Essig.

Die unterschiedlichen Honig-Senf-Sorten laden zum Experimentieren ein. Der „Frauenverstehersenf“ ist eher ein milder. Der Feigensenf mit Honig besteht nicht aus Senfkörnern, sondern aus Feigen und Honig. Er wird sehr gerne zu Käse gegessen. Der Tomaten-Dill-Honig-Senf passt ebenfalls zu Nudeln, Fisch oder Fleisch. An alkoholische Getränke mit Honig hat van Wonderen den klassischen Met (also Honigwein), aber auch  Honigschnaps, Honiggrappa oder Honig-Sprizz.

Gefragt bei den Ulmern ist Honig von Imkern aus der Region, wie Lindenblüten-, Löwenzahn oder Kastanienhonig. Besonders begehrt ist der Ulmer Festungshonig. Aber auch internationale Bienenspezialitäten gibt es in der Dreiköniggasse. So kommen Feigen- oder Zitronenhonig aus Italien, Pinienhonig aus der Türkei, und van Wonderens Manukahonig kommt gar vom anderen Ende der Welt, aus Neuseeland. Für Kunden, die etwas ganz Besonderes suchen, hat van Wonderen Lavendelhonig aus der Provence im Angebot, sehr beliebt und schnell ausverkauft, obgleich das Glas nicht ganz billig ist.

Der Kaffeeblütenhonig aus Brasilien hat schon so manchen Kunden enttäuscht, weil er glaubte, der Honig schmecke nach Kaffee. Tut er aber nicht. Der Honig stammt ja nicht aus der Kaffeebohne, sondern aus den Blüten. Das typische Kaffeearoma entfaltet sich erst durch das Rösten der Bohne und hat mit der Blüte nichts zu tun.

Für den Laien klingt das alles sehr exotisch und komplex. Probieren hilft über Studieren. Van Wonderen bietet eine Honigverkostung an. An ihrem Probiertisch hat sie sämtliche Sorten parat und der neugierige Besucher kann mit einem kleinen Löffel seinen persönlichen Geschmack ausloten: „Die Geschmäcker sind sehr unterschiedlich. Und mir ist es wichtig, dass der Kunde mit seinem Honig zufrieden ist.“

Außer dem reinen Honig, wie Akazien-, Tannen- oder Thymianhonig, bietet van Wonderen auch diverse Honigmixsorten an, also Honig mit Erdbeeren, Holunder oder Nüssen. Besonders beliebt in der Adventszeit ist der Winterhonig. Er ist mit Zimt und Nüssen angereichert. „Den schlecke ich am liebsten gleich aus dem Glas“, schwärmt van Wonderen.

Nicht in den Kühlschrank!

Honig mag es dunkel und liebt die Zimmertemperatur und er hasst den Kühlschrank. Kristallisierender Honig ist ein Qualitätsmerkmal. Denn nur reiner Honig kristallisiert. Sollte kristallisierter Honig wieder seinen flüssigen Zustand bekommen, so empfiehlt der Landesverband der bayerischen Imker, den Honig in ein Wasserbad mit einer Höchsttemperatur von 40 Grad zu geben. Auf keinen Fall sollte er in die Mikrowelle.

Eigentlich ist der reine Bienenhonig (also ohne irgendwelche Zusätze) unbegrenzt haltbar. Dass auf den Honiggläsern trotzdem ein Mindesthaltbarkeitsdatum verzeichnet ist, liegt an der gesetzlichen Vorgabe, die van Wonderen und ihre Honiglieferanten einhalten müssen.

Der Honig besteht aus Zucker (hauptsächlich Frucht- und Traubenzucker), Wasser und ein kleiner Teil sind Enzyme, Vitamine und Mineralstoffe. Natürlich ist Honig gesund. Das weiß jeder und es ist eine Uroma-Weisheit. Ebenso wie der heiße Tee oder die heiße Milch mit Honig gegen Erkältung. Dazu van Wonderens Tipp: Den Honig nie in die heiße Flüssigkeit einrühren, sondern abkühlen lassen, damit die Vitamine erhalten bleiben.

Kleiner Streifzug durch die Geschichte des Honigs

Historie Honig ist beinahe so alt wie die Menschheit. Im alten Ägypten galt Honig als Geschenk der Götter. Die Ägypter waren in der Lage, den Honig vom Wachs zu trennen. Das Wachs wurde für die Schreibtafeln benutzt, in welche die Hieroglyphen eingeritzt wurden. Honig war im alten Ägypten begehrt und sehr teuer. Ein Topf Honig lieferte den Gegenwert eines Esels. In Asien, Arabien und im Mittelmeerraum war Honig nicht nur ein Genussmittel, sondern auch als Heilmittel bekannt. Im Irak wurden Tontafeln aus dem Jahr 2000 v. Chr. mit Rezepten für Honigsalben gefunden. Die Bienenzucht wurde bereits im antiken Rom praktiziert. In wohlhabenden Haushalten war ein „Apiarius“ für die Betreuung der Bienen zuständig, also ein Bienenpfleger, der in der römischen Antike einen hoch angesehenen Beruf ausübte. Der Dichter Vergil nahm sich des Honigs an und empfahl, Früchte, Fleisch und Fisch mit Honig zu konservieren. Im Alten Testament wird Honig ebenfalls erwähnt, wie im zweiten Buch Mose, worin Ägypten als ein gutes und weites Land beschrieben wird, in dem „Milch und Honig fließen“. Bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert war Honig das wichtigste Süßungsmittel in Mitteleuropa und wurde danach durch den wesentlich billigeren Zucker verdrängt.

Hähnchenflügel in Honigmarinade

Zutaten: 8 Hähnchenflügel, 2 EL Honig, 2 EL Ketchup, 1 TL Sojasoße, Salz.

Zubereitung: Die Flügel waschen, mit Küchenpapier abtrocknen und salzen. Aus dem Honig, Ketchup und der Sojasoße die Marinade mischen, die Flügel damit bestreichen und zum Durchziehen mindestens zwei Stunden in den Kühlschrank geben. Die Flügel im Backofen bei 200 Grad 30 bis 35 Minuten backen bis sie goldgelb und knusprig sind.

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