Ulm Frau will Schwalbennester bewahren – und soll zahlen

Schon auf dem Weg in den warmen Süden: Mehlschwalben sind geschützt.
Schon auf dem Weg in den warmen Süden: Mehlschwalben sind geschützt. © Foto: Nick Vorobey/Shutterstock.com
Ulm / Christine Liebhardt 11.09.2018
Ein Junginger Ehepaar streicht seine Fassade neu und will anstelle von Naturnestern künstliche anbringen. Das kostet Gebühren.

Susanne Di Bello ist verärgert. Denn sie hat alles richtig gemacht, findet sie – und wird dafür jetzt zur Kasse gebeten. 76 Euro hat ihr die Untere Naturschutzbehörde der Stadt in Rechnung gestellt. Dafür, dass zwei Mitarbeiter bei ihr in Jungingen vor Ort waren und ihr bestätigt haben, was sie schon wusste: dass sie die Mehlschwalben-Nester an ihrer Doppelhaushälfte entfernen darf, wenn sie stattdessen Kunstnester aufhängt.

So jedenfalls stellt sich die Sache für Di Bello dar. Stefan Miltz, Leiter der Abteilung Umwelt, Umweltrecht und Gewerbeaufsicht legt allerdings Wert auf eine Klarstellung: Es handelt sich nicht um Gebühren für die Beratung durch die Stadt – „die gibt’s bei uns zum Glück noch kostenlos“. Die 76 Euro werden für die Befreiung vom Naturschutzgesetz fällig, also für die von der Stadt getroffene Entscheidung, „dass sie die Nester entfernen darf“.

Drei Mal gebrütet

Di Bello hatte sich bereits beim Schwalbenschutz-Beauftragten des Nabu schlau gemacht, bevor sie die Stadt kontaktierte. Denn Mehlschwalben sind gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Weil die Familie die Fassade ihres Hauses neu streichen will, war klar, dass die vier Nester, die dort schon seit vielen Jahren sind, zwar zunächst weg müssen. Auf eigene Kosten wollen Di Bellos deshalb vier Doppel-Kunstnester anbringen, für 22 Euro pro Stück. Dazu sind sie auch verpflichtet. Mit dem Streichen wollte das Ehepaar auf jeden Fall warten, bis die Schwalben ihren Flug Richtung Süden antreten – was vor kurzem geschah. „Drei Mal haben sie gebrütet“, erzählt Di Bello. „Wir haben gesagt, das tolerieren wir. Andere Nachbarn verhindern das.“

Weil Di Bello sich trotzdem nochmal rückversichern und auch nach einem Zuschuss fragen wollte, wenn sie freiwillig mehr Kunstnester anbringt, rief sie bei der Stadt an und nahm sich die Zeit für den Besuch der Verwaltungsmitarbeiter. „Die Frau hat alles richtig gemacht“, versichert Stefan Miltz. Er könne nachvollziehen, dass sie kein Verständnis für die Gebühren habe. Susanne Di Bello fiel aus allen Wolken, als ein paar Tage nach dem Besuch der städtischen Mitarbeiter die Rechnung im Briefkasten lag. Denn Gebühren hatte man ihr gegenüber nie erwähnt. „Es wurde nicht gesagt, dass es was kostet“, erzählt sie.

Sein Mitarbeiter, gesteht Miltz denn auch, habe vergessen zu erwähnen, dass die Entscheidung Geld kostet. Allerdings habe er schon den niedrigstmöglichen Satz angesetzt. „Das ist eine öffentliche Leistung laut Satzung, die müssen wir erheben.“ Denn auch die Stadt werde geprüft. Für Susanne Di Bello ist das eher wenig Trost. 76 Euro seien „sehr viel Geld. Das macht es Leuten schwer, etwas Gutes zu tun.“ Es sei „kein Wunder, wenn andere dann Schwalbennester in Nacht- und Nebelaktionen entfernen“.

Vor solchen Eingriffen aber warnt Miltz eindringlich: „Es gibt auch Leute, die so etwas mitbekommen.“ Naturschützer etwa hätten durchaus ein Auge auf Nester an Häusern. „Dann gibt’s ein Bußgeldverfahren und dann wird’s richtig teuer.“

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