"Erfindergeist früher und heute - Anstoß für Innovation am Beispiel des Fahrzeugbaus in Baden-Württemberg". So hieß das Thema einer Projektwoche, in der Schüler in binationalen Teams Miniatur-Fahrzeuge mit alternativem Antrieb entwickelt haben. Binational deshalb, weil an dem Projekt Schüler des Ulmer Humboldt-Gymnasiums und der finnischen Schule "Kuopion Yhteiskoulun Musiikkilukiozum" beteiligt waren.

Vom Reißbrett zum Stresstest: Die Autos mussten einige Tests bestehen, Rampen bewältigen und schnell beschleunigen. Aber auch das Design spielte eine Rolle, denn ohne gutes Styling gibt es keinen Erfolg beim Kunden. Die Sprache zwischen den Schülern war englisch. Trotzdem wissen nun einige deutsche Schüler, dass Elektroauto auf Finnisch "Sähköauto" heißt.

Es wurde nicht nur gemeinsam geforscht und gebaut. Die Gymnasiasten besuchten auch das "Daimler Research and Development Center" in Kirchheim und durften sich an das Steuer eines Brennstoffzellenfahrzeugs setzen. "Die Finnen hatten den gleichen Wissensstand wie wir, da war die Zusammenarbeit gar kein Problem", sagt Zehntklässler Jannis Schoetensack.

Sein Mitschüler Paul Heim war begeistert vom freien Sprechen in der Fremdsprache: "Wir konnten uns nur auf Englisch unterhalten, da lernt man mehr als im Englischunterricht."

Die Projektwoche war der Höhepunkt, die Vorbereitungen zogen sich über das gesamte Schuljahr hin. Selbst jetzt nach der Ergebnispräsentation bleibt der Kontakt: Nächstes Jahr fahren 30 Ulmer Schüler nach Finnland und werden sich mit Biotechnologie beschäftigen.

Während die einen Schüler sich intensiv mit Brennstoffzellen und Elektroautos beschäftigten, erarbeiteten die andern das automobile Musical "Zündfunken" von Markus Munzer-Dorn. Darin geht es um die legendäre Autofahrt der Bertha Benz im Jahre 1888, die erste Überlandfahrt der Automobilgeschichte überhaupt. Den Tanz übernahmen die finnischen Gymnasiastinnen. An ihrer Schule ist eine Tanzausbildung möglich, dementsprechend professionell war die Darbietung. Doch auch die Humboldt-Schüler an den Instrumenten, beim Gesang und Schauspiel, mussten sich nicht verstecken. Das Publikum applaudierte kräftig.

Humboldt-Lehrerin Henriette Bacher-Martin koordinierte das Projekt. "Das Erasmus-plus-Programm ist der Nachfolger von Comenius. Die EU-unterstützt die binationale Zusammenarbeit." Beim Projekt des Humboldt-Gymnasiums soll das Interesse für Naturwissenschaften und Technik geweckt werden. "Es gibt zu wenig junge Leute, die sich für ein Studium der Naturwissenschaften entscheiden, aber genau in diesem Bereich werden viele Fachkräfte gesucht", sagt Henriette Bacher-Martin.

Auch der Daimler-Konzern engagierte sich - nicht ganz uneigennützig. Wer weiß, ob aus diesem Projekt ein künftiger Genius hervorgeht, der den zündenden Gedanken für die Automobilisierung der Zukunft hat - und sich Daimler als Arbeitgeber aussucht.