Folkmusik mit Spickzettel

JENZ KELLER 24.09.2012
Eine schwäbisch-irische Folkrocknacht im Roxy? Das weckte Neugier. Mit dabei waren "Beara", Walter Spira und "Wendrsonn".

"Beara" eröffneten die schwäbisch-irische Folkrocknacht im Roxy mit Irish Folk. Sie leben die Tradition in ihren Liedern und werden auch bei ihren Auftritten in Irland gefeiert. Sängerin Birgit Besser erzählt von irischen Träumen, von Auswanderern und vom rauen Klima auf der Insel. Das begeisterte Publikum im bestuhlten, mit rund 500 Gästen nahezu ausverkauften Roxy erklatschte sich eine Zugabe. Nur eine - denn der enge Zeitplan ließ leider keine weiteren zu.

Walter Spira bat gleich zu Beginn um einen "frenetischen Applaus" für seine großartige Band. Perfekt aufeinander abgestimmt, wurden auch kleinere Unpässlichkeiten des Sängers mit einem Schmunzeln überspielt - und würden niemandem auffallen, wenn Walter Spira sie nicht erklären würde: "Spickzettel aufschlagen, Walter!"

Zuvor hieß es zwar "Wenn der Walter kommt, habt ihr nix mehr zu tanzen", doch in Hochform widerlegte er dies bereits nach den ersten Liedern mit Mambo-, Reggae- und Sambaklängen. Mitreißend dabei, wie er "Rhythmus" erklärt: "Wenn Du mache die Klatsch." Es lohnt sich auch, den Texten zuzuhören. Neben Pointen, Witz und Ironie findet man Nachdenkliches, Tiefgründiges. Nebenbei verriet Spira, er habe zwölf Zugaben vorbereitet.

Zuletzt spielte "Wendrsonn". Was so klingt wie (O-Ton Band) "ein Ikea-Regal", bedeutet auf Schwäbisch Wintersonne. "Schwäbisch ist sexy" bekannten sie und zeigten, dass man auch mit Dialekt Ausflüge in unterschiedliche Musikstile machen kann. Ein Niedersachse wäre an dem Abend allerdings fehl am Platz gewesen. Großartig war Geiger Klaus Marquardt, der das Publikum zu Standing Ovations hinriss.

Fazit: Ein überaus gelungener Versuch, irische Musik, Liedermacher und Mundart unter dem Dach "Folk" zu vereinen - das schreit nach einer Fortsetzung. Es gab vorher Skeptiker, die zweifelten, ob das überhaupt gutgeht. Die könnten jetzt fragen, ob man noch mal ein solch stimmiges und doch individuelles Line Up zusammenbringt. Die Antwort nach diesem Abend kann nur sein: "Halt dei Gosch!"