Ulm / CAROLIN STÜWE Hat der Förderkreis Bundesfestung an einem Fort die Arbeiten abgeschlossen, geht es beim nächsten weiter. 2015 wurden 10.000 ehrenamtliche Stunden geleistet, hieß es bei der Mitgliederversammlung.
Die „Aktiven“ unter den zurzeit 317 Mitgliedern des Förderkreises Bundesfestung Ulm sind unermüdlich, um die verschiedenen Festungsbauten zu sanieren. Und sei es, dass sie „nur“ den Efeu entfernen, damit das Gemäuer durch die Feuchtigkeit und die Haftwurzeln nicht weiter beschädigt wird. So haben die „Aktiven“ vergangenes Jahr rund 10.000 ehrenamtliche Stunden geleistet, berichtete der erste Vorsitzende Matthias Burger bei der Mitgliederversammlung vor 43 Anwesenden.

Er zählte auf, wo überall gewerkelt wurde: Fort Oberer Kuhberg, Fort Safranberg, Infanteriestützpunkt „Muthenhölzle“, Fort Friedrichsau und Nebenwerk des Fort Oberer Eselsberg. Es wurde wieder viel Festungs-Grünland gemäht, Elektroinstallationen sowie Maler- und Holzarbeiten wurden ausgeführt. Bei 369 Führungen wurden insgesamt 10.540 Gäste durch verschiedene Anlagen geführt.

Dank sagte Burger der Stadt Ulm und dem Gemeinderat, der wie berichtet im Dezember die Erhöhung des jährlichen Vereinszuschusses beschlossen hatte.

Im Festungsmuseum Fort Oberen Kuhberg wurde im abgelaufenen Jahr die 2014 begonnene Dachreparatur des Nordturm nahezu beendet, berichtete Burger weiter. „Nach der schrittweisen Dachabdichtung mussten die zuvor abgegrabenen Tonnen von Erdmassen wieder auf das Dach zurückgeschafft werden.“ Dazu hievte ein 92-Tonnen-Mobilkran zunächst 15 Tonnen Kies und dann in Containern die zuvor abgetragene Erde wieder aufs Dach. „In den kommenden Wochen müssen die bislang nur grob verteilten 150 bis 180 Kubikmeter Erde noch zur originalen Dachform modelliert werden“, kündigte der Vorsitzende schon wieder den nächsten Arbeitseinsatz an.

Da diese Dachsanierung so gut wie abgeschlossen ist, wird als nächstes mit der Abdichtung des Kehlcaponnierendaches am Fort Friedrichsau begonnen. Eine Entscheidung der Stadt Ulm für den Bau einer neuen Brücke zum Reduit stehe noch aus. „Unsere vor Jahren gebaute Holzbrücke musste bereits 2013 wegen Baufälligkeit demontiert werden“, bedauerte Burger.

Ein enger und konstruktiver Austausch mit der Stadt Ulm bestehe auch im Zusammenhang mit dem im Oktober 2014 gestarteten „Entwicklungsprozess Wilhelmsburg“. Daran war der Förderkreis bereits in Form von Gesprächen und Workshops beteiligt „und wir werden uns auch weiterhin engagieren“, versicherte Burger. Die zukünftige Nutzung als Kulturstätte werde starke bauliche Eingriffe mit sich bringen und fordere daher „unsere ganze Aufmerksamkeit und Fachwissen zur Findung von denkmalverträglichen Lösungen“.

Als großen Erfolg wertet er, dass auf dem Neubaugelände am „Egginger Weg“ das denkmalgeschützte so genannte Friedenspulvermagazin sowie alle Packmittelschuppen erhalten werden. Diese Schuppen dienten in früheren Zeiten zur Aufbewahrung von leeren Munitionskisten. Beide Einrichtungen seien einmalig in Ulm und Neu-Ulm, sie sollen in das Wohngebiet integriert werden.

Einen „großen Rückschlag“ habe der Förderkreis indes in Neu-Ulm erlitten: Im Frühjahr 2015 wurden nach einer Ausgrabung die angeblich tadellos erhaltenen Bauwerksfunde (Länge 80, Höhe 4 Meter) der Eisenbahndurchfahrt sowie der Brückenpfeiler zerstört. Hier hatten einst drei Gleise durch den Festungswall geführt. Eine Einbindung in ein Freigelände oder die Tiefgarage sei leider nicht zustande gekommen.

Die Arbeit geht dem Verein Bundesfestung nicht aus, auch was die öffentlichen Veranstaltungen betrifft. So sind die Vorbereitungen für den „7. Tag der Festung“ am 5. Juni in vollem Gange. Unter anderem wird dann das Kulturamt in der Wilhelmsburg über die weiteren Pläne informieren und Workshops anbieten.

Die turnusmäßigen Neuwahlen ergaben folgendes Ergebnis: In den Ämtern wurden Matthias Burger (erster Vorsitzender), Michael Hartlieb (zweiter Vorsitzender) und Jürgen Oberkirsch (Ausschuss) bestätigt. Neu sind Uli Dewein (Schatzmeister) sowie Holger Kämpfe, Michael Klausner und Berthold Zimmermann als Ausschussmitglieder.

Baubürgermeister entscheidet über Umweltstrafe

Vorgeschichte Am Fort Oberer Kuhberg hatte der Förderkreis Bundesfestung 2015 damit begonnen, ehemalige Pachtgärten aufzuräumen. Jetzt im Frühjahr wurden, wie berichtet, Büsche gerodet und Bäume gefällt. Die Naturschutzbehörde hat den Eingriff in diesen geschützten „Landschaftsbestandteil“ und stellenweise in ein Biotop als großen Umweltschaden und Ordnungswidrigkeit bezeichnet. Diese Woche wird Baubürgermeister Tim von Winning entscheiden, ob es sich gar um eine Umweltstraftat handelt. Pächter Unterdessen bemüht sich Peter Liebe aus Ulm, einer der „Noch-Gartenpächter“, bei der Stadt darum, dass zumindest die Bäume „auf meiner schönen Ecke“ stehen bleiben. „Ansonsten kann der Förderkreis Ulm den Garten haben“, sagte er auf Anfrage.