Das Ulmer Theater hat die Wilhelmsburg als sommerliche Spielstätte für sich entdeckt. Auch Kleingewerbetreibende, Firmengründer mit wenigen Mitarbeitern und die Kunstszene ganz allgemein sehen in dem denkmalgeschützten Gebäudekomplex ein mögliches und vor allem bezahlbares Domizil.

Je mehr Leben in die Wilhelmsburg kommt, desto dringlicher stellt sich die Frage, wie sie an das Straßensystem angebunden wird. Die ausschließliche Zufahrt über die Prittwitzstraße sei deren Anwohnern nicht zuzumuten, ist man sich im Ulmer Rathaus bewusst. Also hat die Stadtverwaltung einen bereits vor zehn Jahren entwickelten Plan wieder hervorgeholt.

Demnach könnte die Wilhelmsburg über eine Verbindung erreicht werden, die von der Stuttgarter Straße aus neben dem Eingangstor der Wilhelmsburg-Kaserne abzweigt. Anschließend würde sie etwa 300 Meter parallel zum Kasernenzaun in Richtung Burg geführt. Durch ein Seitentor schwenkte sie aufs heutige Kasernengelände ab, wo die Straße innen weitere 300 Meter an einer alten Festungsmauer entlang nach Süden führte.

Dieser Vorschlag schmeckt dem Förderkreis Bundesfestung nicht. Die Mitglieder haben während eines Rundgangs vor Ort Mitarbeitern der Stadtverwaltung und Ulmer Stadträten ihre Alternative vorgestellt. Die Zufahrt, die der Förderkreis ins Auge fasst, zweigt ebenfalls an der Stuttgarter Straße ab. Allerdings knapp einen halben Kilometer weiter stadteinwärts, als es der Plan der Verwaltung vorsieht. Von dort aus stößt man auf einem Waldweg, der auszubauen wäre, direkt aufs östliche Ende der Burg.

Wer auf den großen, leeren Platz im Innern der Burg will, muss durch ein Tor hindurch. Grundsätzlich möglich, aber unpraktisch wäre die Zufahrt, um beim Verwaltungsvorschlag zu bleiben, durch das bereits vorhandene, 3,55 Meter hohe nördliche Burgtor. Der Förderkreis befürchtet aber, dass ein zweites, höheres Tor durch das Mauerwerk gebrochen würde, wie Vorsitzender Matthias Burger und sein Vize Michael Hartlieb sagten.

Bei ihrem Alternativvorschlag hingegen könnte man das Flankentor nutzen. Über eine zu bauende „filigrane, aber belastbare Stahlbrücke“ stößt man von dort aus direkt auf den Waldweg. Das 3,90 Meter hohe Flankentor ist heute zwar zugemauert. Es sei aber problemlos zu öffnen, betonte Burger während einer Ortsbesichtigung, an der auch Stadträte teilnahmen. Noch ein Problem könne man auf diesem Weg lösen: Die Bauschuttdeponie vor dem östlichen Burggelände könnte planiert als 150 Meter langer und 40 Meter breiter Bedarfs-Parkplatz hergerichtet werden.

Was stört den Förderverein am Verwaltungsvorschlag? „Würden diese Pläne umgesetzt, wäre das der größte Eingriff in die denkmalgeschützte Festung seit 40 Jahren“, erläuterte Burger. 1972 mussten Teile der weitverstreuten Anlage der Uni auf dem Oberen Eselsberg weichen. Für einen Bau nach städtischem Muster würde Festungsarchitektur auf 8000 Quadratmetern zerstört: 10 000 Kubikmeter Wallanlage und 15 Meter Escapatenmauer müssten weichen, um Raum zu schaffen für die 300 Meter lange Straße auf dem heutigen Kasernengelände. Auch ginge die Option verloren, dass die Burg-Nordfassade besser zur Geltung gebracht werden könne. Die unterirdischen Stollen, die in diesem Bereich verlaufen würden, drohten bei den Arbeiten verschüttet zu werden.

„Die Wilhelmsburg ist in ihrer Größe und Architektur einzigartig in Deutschland“, hebt Burger hervor. Dem Verein gehe es darum, sie und die umgebenden Anlagen auch bei verstärkter Nutzung möglichst original zu erhalten.