Festung Förderkreis Bundesfestung beklagt massive Zerstörung

Das Baufeld im Winkel Reuttier- und Bahnhofstraße: Den Neubauten, die zum Teil schon hochgezogen sind, mussten alte Mauer- und Brückenwiderlager-Teile weichen. Das beklagt der Förderverein.
Das Baufeld im Winkel Reuttier- und Bahnhofstraße: Den Neubauten, die zum Teil schon hochgezogen sind, mussten alte Mauer- und Brückenwiderlager-Teile weichen. Das beklagt der Förderverein. © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / EDWIN RUSCHITZKA 22.10.2014
Der Förderkreis Bundesfestung trauert um ein altes Brückenwiderlager in Neu-Ulm, das einer Neubebauung an der Reuttier Straße zum Opfer fiel. Mit einem Kommentar von Edwin Ruschitzka

Er sei sprachlos, schreibt Michael Hartlieb, der zweite Vorsitzende des Förderkreises Bundesfestung Ulm. Um dann mit markigen Worten die neuesten "massiven Zerstörungen" in Neu-Ulm zu beklagen. Es geht ihm um das Bauvorhaben der Kunstpark Projekt-Gesellschaft, also der Bauherren Schneider, Geiwitz und Munk an der Bahnhofstraße in Neu-Ulm. Dort entstehen in vier zum Teil sechsgeschossigen Gebäuden 52 Eigentumswohnungen samt einer Tiefgarage. An der Reuttier Straße hat Wirtschaftsanwalt Werner Schneider schon ein siebengeschossiges Bürohaus hochziehen lassen - und das alles auf geschichtsträchtigem Boden. War dort doch einst das umwallte Einfallstor der Eisenbahn in die Bundesfestung hinein zu finden.

Die Kunstpark Projekt setzt an dieser Stelle derzeit ihr Neubauvorhaben um. Im Erdreich wurden um das in diesem Areal erhaltene Eisenbahnblockhaus herum erwartungsgemäß weitere Festungsteile entdeckt: Maueranlagen und zwei Brückenwiderlager. Sie wurden nach Auskunft von Volker Munk von der obersten Denkmalbehörde über drei Wochen hinweg fotografiert und vermessen - und dann zum Abräumen freigegeben.

Die Abstimmung mit den Denkmalschützern, so Munk, habe sich über zwölf Monate hingezogen. "Wir tun nichts, was deren Auflagen widerspricht", ärgert sich Munk über die Angriffe. Dass man die alten Festungsteile, wie von Hartlieb gefordert, in die Grünanlagen integriert, gehe gar nicht, denn: "Sie liegen direkt über der Tiefgarage."

Hartlieb kartet in seiner Mitteilung an die Medien auch nach, was die Wohnbebauung am Jahnufer betrifft. Die beiden Proviantmagazine dort seien zerstückelt und verunstaltet worden. Das aber weisen die Bauherren von der Realgrund und Architekt Peter Fink von sich. Realgrund-Geschäftsführer Walter Hopp hatte schon während des Richtfests den sechsstelligen Mehraufwand zum Erhalt der Magazine beklagt. Auf ihnen durfte keine Last liegen, weshalb man sie komplett umbauen musste. "Das Ganze war das Ergebnis eines demokratischen Wettbewerbs mit entsprechenden Stadtratsbeschlüssen", ergänzte Architekt Fink am Dienstag.

Ein Kommentar von Edwin Ruschitzka: Übers Ziel hinausgeschossen

Der Streit ist uralt: Auf der einen Seite stehen jene, die in Städten wie Neu-Ulm um den Erhalt der knapp bemessenen Historie bemüht sind, wie verdienstvollerweise auch der Förderkreis Bundesfestung. Auf der anderen Seite wollen Bauherren und Architekten etwas Neues und Modernes schaffen. Von ihnen wird das "alte Geraffel" oft auch als störend empfunden.

Jetzt hat sich der Verein der Festungsschützer zum Neu-Ulmer Neubauprojekt "Wohnen am Kunstpark" geäußert - und ist weit übers Ziel hinausgeschossen. Beklagt werden "massive Zerstörungen", weil die Pfeiler eines alten Brückenwiderlagers beiseite geschoben wurden. Man hätte diese Mauerteile doch besser in die Grünanlage einbinden sollen.

Gehts noch? Wenn jeder alte Steinhaufen, der einmal Teil der Bundesfestung war, tatsächlich umbaut werden muss, wird sich kaum noch ein Bauherr finden, der ein Projekt in Angriff nimmt. Weil die Kosten dadurch immens in die Höhe schnellen.

Darüber hat sich der Realgrund-Geschäftsführer erst beim Richtfest der exklusiven Wohnanlage am Jahnufer geäußert. Zwei ehemalige Proviantmagazine wurden dort in bemerkenswerter und vorbildlicher Art und Weise erhalten und integriert. Doch der Förderkreis sieht das immer noch anders. Da ist von Zerstückelung und Verunstaltung die Rede. Das mögen die Gralshüter der Bundesfestung so sehen. Der Realität entspricht das aber nicht.

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