Ulm Flug in die Luft: Blausteins Bläser deutscher Meister

HANS-ULI THIERER 03.05.2016
Riesenerfolg für die beiden Orchester aus der Region, die am Deutschen Orchesterwettbewerb (DOW) teilgenommen haben: Blaustein gewinnt, die JBU wird Zweite. <i>Mit Video.</i>

Was für ein Jubel: „Ein Hammer!“ „Supergeil!“ Und Philipp Kroner schwelgt: „Ich fass’ es einfach nicht: Zum zweiten Mal deutscher Meister.“ Kroner war vor acht Jahren Mitglied der Jungen Bläserphilharmonie Ulm (JBU) gewesen, als das Orchester den Wettbewerb in Wuppertal gewinnen konnte. Jetzt gehört der längst erwachsene Trompeter der Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein an.

Die Blausteiner waren zum ersten Mal am Start beim Deutschen Orchesterwettbewerb – und haben gleich in der Kategorie der Erwachsenen-Blasorchester gewonnen. Mit 24,6 von 25 möglichen Punkten – und gegen bärenstarke Konkurrenz. Als das Ergebnis auf dem Marktplatz verkündet wird – gestern um halb zwölf – bricht nach kurzer Ungläubigkeit die große Begeisterung los. Und Dirigent Manuel Epli wird von musikalisch wie auch körperlich bärenstarken Musikern in die Luft geworfen. „Ich habe nach unserem Auftritt ein gutes Gefühl gehabt“, sagt Epli. Aber Erster unter vielen guten Orchestern? Da muss auch er schlucken. Ehe die Freude ihn erfasst.

Verhaltener fallen die Reaktionen bei der JBU aus: Sie ist bei den Jugendblasorchestern wie vor vier Jahren in Hildesheim wieder Zweiter geworden. Wieder hinter Havixbeck. Allerdings auch mit einem hervorragenden Ergebnis: 23,4 Punkte hat die Jury der JBU zugebilligt.

 

Ein Kommentar von Jürgen Kanold: Spitzentöne

Hymnen spielen sie ja oft in ihren Konzerten, aber jetzt darf man auch mal eine lautstark auf die Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein und die Junge Bläserphilharmonie Ulm (JBU) anstimmen. Sensationell, wie die Heimmannschaften beim 9. Deutschen Orchesterwettbewerb abgeschnitten und bundesweit Eindruck gemacht haben.

Die Blausteiner unter Manuel Epli haben mit einer Top-Leistung knapp an der Höchstpunktzahl gewissermaßen die deutschen Meisterschaft unter den Blasorchestern errungen. Und die JBU unter Josef Christ sollte sich nicht weniger über einen 1. Bundespreis freuen; dass die Havixbecker unter den Jugendblasorchestern mit 0,6 Punkten weiter vorne lagen, ist bei einer Jury-Bewertung ein Unschärfefaktor. Und schon gar nicht sollte Neid oder Rivalität ausbrechen unter den lokalen Startern. Der Erfolg der erwachsenen Blausteiner baut auch auf der ausgezeichneten Arbeit der JBU auf und auf vielen Instrumentallehrern der Musikschulen in Ulm und der Region – aber sie haben auch grandios gespielt.

Spitzentöne aus dem Süden: Wer gehört hat, wer aus Deutschland so alles bei diesem Orchesterwettbewerb angetreten ist, der hat schon gemerkt, dass die Blausteiner und die Ulmer in der musikalischen Bundesliga ganz oben spielen. Und zwar nicht zuletzt, weil offenbar das Umfeld, die Vereinsstruktur, das Engagement und die finanziellen Rahmenstrukturen passen. Von nichts kommt nichts.