Tribute-Band Floyd-Show: Toller Sound und variierte Optik

Die Floyd-Tribute-Musiker vor Video-Känguru.
Die Floyd-Tribute-Musiker vor Video-Känguru. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Neu-Ulm / Uli Landthaler 16.04.2018

„Pink Floyd Coverband“ erzielt auf Google 45 000 Treffer. Das ist demnach ein enormer, weltumspannender Markt. Einer der Marktführer war am Freitag in der – gut zur Hälfte gefüllten – Neu-Ulmer Ratiopharm-Arena zu Gast. Die „Australian Pink Floyd Show“ ist seit den 1980er Jahren auf den Spuren der Britischen Rocklegende und weltweit mit großem Zuspruch auf Tour – getragen vom Versprechen, in Sound und Bühnengebaren dem Original so nah wie nur möglich zu kommen.

Augenzwinkern und Selbstironie

Das gilt für alle Tribute Bands – und für Pink Floyd erst recht. Der Reiz des Coverns, die kreative Neu-Interpretation, würde hier direkt in den künstlerischen und kommerziellen Totalschaden führen. Floyd-Titel sind Gesamtkunstwerke und komplex zusammengefügte Klangkonstruktionen, an denen schraubt man nicht herum. Andrerseits: Die Verbeugung darf auch nicht zu tief werden. Ehrfurcht ohne Ende wirkt irgendwann bloß noch befremdlich. Die Australier haben nach 30 Jahren Bühnenpraxis den Bogen raus, wo sie der pathetischen Wucht der Floyd-Titel auch mal ein bisschen Augenzwinkern und Selbstironie entgegenhalten können. Am besten geht das in Sachen Optik: Die Bühne der „Australian Pink Floyd Show“ beherrscht eine Art magisches Auge, eine kreisrunde Videowand, auf der Original-Filmen nachempfundene Bildsequenzen laufen. Statt dem Schwein aus „Animals“ schwebt ein Känguru über der Szenerie und das Regenbogen-Prisma von „Dark Side Of The Moon“ wirkt wie vom Grafiker runderneuert. Der Teacher, der fiese Lehrkörper aus „The Wall“, und das Riesenschwein sind als aufgeblasene Bühnenfiguren dabei – neuzeitlich abgewandelt. Das Video-Auge erzählt kleine Geschichten von gemeinen Schweinen („Pig Brother is watching you“) oder zeigt auch nur psychedelisch verfremdete Bilder von Getreidefeldern, Landstraßen und Meeresbrandungen.

Das wichtigste aber bleibt der Sound. Der ist wie versprochen beeindruckend. Mystisches Schwelgen in „Us And Them“, dosierter Bombast in „One Of These Days“, geradliniger Rock bei „Run Like Hell“ – die Fünfer-Besetzung holt alles raus aus dem heiligen Gral des Floydschen Musikkosmos. Dazu drei Sängerinnen, die auch mal ausdrucksstark die Führung übernehmen, und ein ganz edles Saxophon.

Bei solch einem Best-of-Programm darf man die Epochen wechseln und die Titel so aneinanderreihen, dass ein Spannungsbogen entsteht – und es das Publikum zum Schluss nicht mehr im Schalensitz hält. Daraus ergibt sich der Daseinszweck einer solchen Tribute-Tournee: Ein Leben ohne Pink Floyd wäre möglich – aber armselig.