FRIZZ: Feuerspieler dürfte nicht gerade der Klassiker bei der Arbeitsagentur sein – wie kommt man dazu?
Stephan Schneider: (lacht) Nein, ganz bestimmt nicht! Man muss sich durch viele Wissensgebiete arbeiten. Man kann nicht einfach irgendwohin gehen und sagen: Ich möchte da jetzt eine Ausbildung machen. Die Begeisterung für Feuer hat bei mir früh eingesetzt: Silvester war schon immer mein Lieblingstag. Angefangen hat es als reines Hobby. Feuerspiele mit Pois oder Feuerstäben, dann Fire-Dancing – das habe ich erst auf Partys gemacht und schließlich auch auf Outdoor-Veranstaltungen. Dann ist das immer mehr geworden, Auftritte bei Geburtstagen und Hochzeiten. Und dann hat sich irgendwann die Frage gestellt, ob ich es einfach Hauptberuflich mache – nebenher ging es nicht mehr, weil einfach die Zeit fehlte.
FRIZZ: Was war denn Ihr eigentlicher Beruf?
Stephan Schneider: Ich bin Sport- und Gymnastiklehrer. Das ist gar nicht so weit weg, da dreht es sich ja auch viel um Bewegung oder Tanz. Das war damals auch eine mega Zeit, das habe ich gern gemacht, aber das andere eben noch lieber. 2007 ging es mit der Selbstständigkeit los, mit einem kleinen Break, weil die Kinder kamen, da habe ich nochmal etwas Dampf rausgenommen.
FRIZZ: Haben Sie sich schon mal verbrannt?
Stephan Schneider: Klar. Die Haare an Händen zum Beispiel, die sind nach einer Show weg. Haare verbrennt man sich eigentlich immer (schaut auf seine Handrücken). So viele Haare wie jetzt habe ich selten (lacht) ... Natürlich werden alle Haare vor einem Auftritt richtig nass gemacht – trotzdem lässt es sich nie ganz vermeiden, dass welche verbrennen. Abends beim Duschen holt man sich in der Regel auch nochmal einige angesengte Büschel heraus. Einmal habe ich mich richtig schlimm an den Händen verbrannt – aber ist zum Glück schon einige Jahre her.
FRIZZ: Der Feuerlöscher und die Brandsalbe sind wahrscheinlich immer am Start?
Stephan Schneider: Klar! Brandsalbe ist immer dabei und Feuerlöscher stehen auch stets parat. Es gibt auch noch andere wichtige Grundregeln: Baumwolle tragen zum Beispiel, keine Synthetik. Niemals etwas in der Hand halten und zünden und nicht über etwas drüber schauen, was zünden könnte – da muss man wirklich gut aufpassen.
FRIZZ: Woher kommt eigentlich das brennbare Material?
Stephan Schneider: Es gibt spezielle Hersteller, die Regeln sind sehr streng. Mittlerweile bieten Firmen auch hochgereinigtes Petroleum an, das sehr wenig rußt. Man steht ja immer im Rauch und wenn man viele Auftritte hat und billiges Zeug nimmt, merkt man schnell, dass man eine belegte Lunge bekommt.
FRIZZ: Ihr persönliches Highlight?
Stephan Schneider: Eine besonders schöne Kulisse fand ich beim Triberger Weihnachtszauber – in einer Schlucht, in der eine Brücke über einen Wasserfall gebaut ist. Man steht über dem Wasserfall, es rauscht unter einem und man hat die Spielfläche direkt an der Kante – atemberaubend!
FRIZZ: Wie läuft es seit Corona?
Stephan Schneider: Seitdem sehen meine Tage natürlich anders aus: Morgens nach dem Aufstehen je nachdem, was gerade angesagt ist, Homeschooling betreuen oder die Kinder zur Schule fahren und dann ein bisschen Haushalt. Sonst beschäftige ich mich vor allem damit, neue Showacts zu kreieren, musiksynchrone Flammenshows, neue Lasershows – da liegt jetzt einiges in der Schublade und wartet darauf, dass es wieder losgehen kann.
FRIZZ: Und wie sieht Ihre Freizeit sonst aus?
Stephan Schneider: Mein liebstes Hobby ist das Kite-Surfen und ansonsten wenn es geht Eishockey. Natürlich nur im Winter – da bin ich in einer Hobbymannschaft. Und ich fahre sehr gern Ski. Sonst mache ich viel mit der Familie.
FRIZZ: Also mit Wasser und Eis ein totales Gegenprogramm zum Job. Haben Ihre Kinder eigentlich auch schon Feuer-Ambitionen?
Stephan Schneider: Die sind noch zu jung, das lässt sich schwer sagen. Aber bei Auftritten sind sie oft dabei. Es ist generell immer schön, wenn Kinder dabei sind, für die ist Feuer einfach mega! Die sitzen dann ganz begeistert und mit strahlenden Augen da – das freut mich immer.
Frizz: Wo üben Sie die Shows? Das geht ja auch nicht überall.
Stephan Schneider: Ich mache in meiner Halle in Blaubeuren alle Testaufbauten. Wenn es brennt, geht es natürlich dann nach draußen, es gibt da nicht umsonst einen großen Hof. Da lässt sich prima üben. Die Mitarbeiter des benachbarten Unternehmens schauen dann glaube ich auch ab und zu mal aus dem Fenster, was wir hier so machen.
FRIZZ: Wenn man eine Feuershow oder ein Feuerwerk haben möchte, zum Beispiel für eine Hochzeit, was kostet das?
Stephan Schneider: Ein Feuerwerk für Hochzeiten liegt bei um die 1.000 Euro, eine Hochzeitsfeuershow bei 1.200 Euro. Das ist vielen Paaren zu teuer, für mich ist das aber ein Riesenaufwand. Da muss man sich schon überlegen, ob es sich lohnt. Hochzeiten sind aber tolle Anlässe mit viel Gefühl – deswegen mach ich das dann doch ab und zu sehr gern. Wenn man das Paar glücklich sieht, ihre leuchtende Augen – das ist etwas sehr Persönliches. Im Vergleich zu großen Events und Showacts, da gibt es meist nur wenig emotionale Interaktion.
FRIZZ: Wo werden Sie gebucht?
Stephan Schneider: Überall: in der Region, in Deutschland oder sogar im Ausland. Ich bin schon in Madeira, Belgien, Holland und Italien aufgetreten – da gibt es keine Grenzen.
FRIZZ: Was ist das schwierigste an einer Show?
Stephan Schneider: Das Anspruchsvollste sind eigentlich die sich ständig verändernden Bedingungen. Man bespielt immer neue Umgebungen, dann wird mal ein Techniker krank, man muss sich immer individuell auf die Situation einstellen und reagieren.

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