Bücher Flagge zeigen für ein Kulturgut

Der Buchhändler als gut gelaunter Kulturvermittler: Samy Wiltschek.
Der Buchhändler als gut gelaunter Kulturvermittler: Samy Wiltschek. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Jürgen Kanold 03.11.2018

Nein, erzählt Samy Wiltschek, „das war kein Politikergeschwafel, sie meinte es ehrlich, es ist ihr ein starkes Anliegen!“ Der Ulmer zeigt sich sehr beeindruckt vom Auftritt der Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die jetzt in Kassel den Deutschen Buchhandlungspreis verlieh. Wer da aber nun im Alltag Flagge zeigt für die Lesekultur und das Kulturgut Buch, wer dem Online-Handel mit kreativen Geschäftsideen begegnet, der erhält nicht nur warme Worte, sondern auch Geld: Wiltscheks Kulturbuchhandlung Jastram und die Buchhandlung Mahr aus Langenau gehören zu den 118 unabhängigen und inhabergeführten Buchhandlungen, die mindestens 7000 Euro Preisgeld mitnahmen.

Wobei sich Wiltschek und Thomas Mahr einig sind, dass der Preis zwar eine willkommene Finanzspritze ist, aber „in einer Zeit, wo mehr gewischt als gelesen wird“, so Mahr, vor allem eine enorm wichtige Werbung darstelle für die ganze Branche. „Und auch die Kunden dürfen sich geehrt fühlen, sie halten den Laden am Leben“, sagt Wiltschek.

In drei Kategorien wird die Auszeichnung seit drei Jahren vergeben und ein Preisgeld von insgesamt 850 000 Euro ausgeschüttet. 2016 genoss Mahr sogar die große Ehre, zu den fünf „besonders herausragenden Buchhandlungen“ zu zählen – und bekam damals 15 000 Euro.

Im Namen des Wortes

Die drei „besten Buchhandlungen“ erhalten 25 000 Euro: In diesem Jahr sind es die Buchhandlung von Klaus Bittner in Köln, einem Mitbegründer des Literaturfestivals LitCologne, das auf Kinderbücher spezialisierte „Krumulus“ in Berlin sowie „Lessing und Kompanie“ in Chemnitz. Was Thomas Mahr besonders gefreut hat: „Ein verdienter Sieg im Namen des Wortes gegen alle Polemik der Populisten.“

„Keinerlei Neid“ habe es in Kassel untereinander gegeben, „die machen alle einen guten Job“, erzählt Wiltschek. Das Gruppenbild aus der Documenta-Halle zeigt Buchhändlerinnen und -händler, die ihr Lieblingsbuch hochhalten. Eine schöne Symbolik – die besondere Empfehlung gehört zu ihren Überlebensstrategien. Die Zukunft? „In Ulm geht es uns ja noch gut, was mit dem Umfeld zu tun hat“, erklärt Wiltschek, man sei nicht umzingelt von Buchkaufhäusern.

Aber es werde immer schwieriger, in mancherlei Beziehung: Sorgte ein Kritikerlob von Marcel Reich-Ranicki einst für reißenden Absatz, müsse man heute noch mehr in direkten Kontakt mit den Lesern treten, Veranstaltungen erfinden und organisieren und neue Wege der Vermittlung suchen – und mehr bieten als Bestseller stapeln. „Als geistige Tankstellen“ rühmt die Kulturstaatsministerin die kleinen Buchläden – aber wenn immer weniger Leute solchen Sprit haben, sich nicht bewegen wollen? Es gehe, sagt Wiltschek, nicht allein um den mehr oder weniger kauffreudigen Leser. „Gigantische Verluste“ verbuche man, wenn eine Firma etwa mitteile, dass sie künftig ihre Zeitschriften nicht mehr über den Buchhandel beziehen, sondern digital abrufen wolle. Auch Stadtverwaltungen oder Schulen fallen als Kunden mit der Digitalisierung weg. Trotzdem, erklärt Wiltschek: Er schätze die große Freiheit des kleinen Buchhändlers, es mache Spaß, immer wieder Neues kennenzulernen, Menschen für die Literatur, für Bücher zu begeistern.

Und Thomas Mahr sagt: „Es ist nicht leichter und schwieriger als früher, es ist eine Frage des Selbstausbeutungsgrads. Wer keine Mission in sich spürt, der wird nicht glücklich sein.“ Also raus aus dem Laden. Morgen zum Beispiel fährt er ins „Spatzennest“ nach Weidach zu den Naturfreunden und tischt dort, „in geselliger Runde“, die Neuerscheinungen des Herbstes auf.

118

Buchhandlungen sind von Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden – darunter Jastram in Ulm und Mahr in Langenau.

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