Neu-Ulm / JULIA KLING  Uhr
Ali Wage ist einer von 20 jungen Flüchtlingen, die sich derzeit im Bfz in Neu-Ulm auf das Berufsleben in Deutschland vorbereiten. Die Arbeitsagentur und die bayerische Wirtschaft unterstützen das Programm.

Schreiner ist sein Wunschberuf. Und um dieses Ziel zu erreichen, legt sich Ali Wage gerade mächtig ins Zeug. Ali Wage ist 21 Jahre alt und aus seiner Heimat in Mali geflohen. Seit gut zwei Jahren lebt er inzwischen in Deutschland und war nicht untätig. "Ich habe schon als Küchenhilfe und als Landschaftsgärtner gearbeitet", erzählt Wage. Er hat Kreisverkehre bepflanzt und Rasen gemäht, eigentlich will er aber mit Holz arbeiten. "Das gefällt mir." Aber ohne ausreichende Deutschkenntnisse ist eine Schreinerlehre in einem Betrieb kaum zu machen.

Um seinem Ziel näherzukommen, besucht Ali Wage deshalb seit Mitte Januar im Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (Bfz) den Bayern-Turbo. Eine Initiative des bayerischen Ministeriums für Arbeit und Soziales, der Agentur für Arbeit und der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, um junge Flüchtlinge im Alter von 16 bis 21 Jahren, die eine gute Bleibeperspektive haben, auf den Berufsstart in Deutschland vorzubereiten. Grundlage für das Projekt ist ein zweimonatiger Deutschkurs. Im Anschluss daran lernen die Jugendlichen verschiedene Berufsfelder, ihnen wird das deutsche Ausbildungs- und Beschäftigungssystem erklärt und im besten Fall sollen sie im Anschluss an den Kurs ein Praktikum und dann einen Ausbildungsplatz finden. "Der Kurs ist so getaktet, dass wir zum 1. September fertig sind", erläutert Werner Möritz, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Donauwörth.

Für die erste Auflage des Bayern-Turbo haben sich im Landkreis Neu-Ulm rund 30 junge Flüchtlinge beworben, 25 haben schließlich mit dem Deutschkurs im Januar begonnen, jetzt sind noch 20 junge Männer mit dabei. Dass in Neu-Ulm ausschließlich Männer den Bayern-Turbo besuchen, ist keine Besonderheit. "Flucht ist im Regelfall männlich und jung", erklärt Möritz. "Wir haben die Jugendlichen ausgesucht", berichtet Bfz-Koordinatorin Anja Ludwig. Kriterien seien etwa Zuverlässigkeit oder auch Sprachkenntnisse gewesen. Die, die nun auf das Berufsleben vorbereitet werden, seien wirklich motiviert. "Sie müssen regelrecht in die Pause geschickt werden", berichtet Ludwig. "Sie wollen hier was erreichen - nur teilweise haben sie unrealistische Ziele." Da seien Ludwig und ihre Mitarbeiterinnen gefragt, um den Teilnehmern klar zu machen, was für Berufe derzeit in Frage kommen. KFZ-Mechatroniker etwa sei eben etwas anderes als nur an Autos rumzuschrauben.

Ali Wages Wunsch dagegen ist realistisch. Aber er weiß, dass Sprache das wichtigste ist, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. "Ich möchte richtig Deutsch sprechen, schreiben und lesen können, damit ich mich mit den Leuten auch unterhalten kann." Beim Bayern-Turbo habe er aber auch andere Dinge gelernt, etwa im Team zu arbeiten oder dass man in Deutschland seine Freiheiten leben kann, seine Religion zum Beispiel. "Und man muss pünktlich sein in Deutschland", erklärt er.

Sein nächstes Ziel ist es einen Praktikumsplatz zu finden. Das ist auch für die Organisatoren eine Herausforderung. "Es ist wichtig, dass es für die jungen Leute weitergeht", erklärt Möritz. "Sonst gehen die neu erlernten Kenntnisse auch schnell wieder verloren."

Info Betriebe, die einen Jugendlichen im Rahmen eines Praktikums kennenlernen wollen, können sich bei der Koordinatorin des Bfz Neu-Ulm, Anja Ludwig, melden, Tel. (0731) 984 86 14 oder Mail: ludwig.anja@dua.bfz.de