Angesichts der Corona-Krise nimmt bei den Betrieben die Sorge zu, dass ihnen bei rückläufigen oder komplett wegfallenden Umsätzen das Geld ausgehen könnte. Das registriert auch der Firmenkundenchef der Commerzbank, Oliver Wenzler.

Zuletzt haben sich bei ihm zehn von rund 250 Kunden im Einzugsgebiet bis zum Bodensee gemeldet: zwei Drittel mit Anfragen zu Liquidität, ein Drittel allerdings auch wegen einer geschäftlichen Belebung aufgrund von Corona und der entsprechenden Finanzierung. Die Probleme betreffen nach Wenzlers Erkenntnissen in erster Linie Tourismus mit Hotels, Gastronomie, die unter einem „massiven Umsatzrückgang“ leiden. Dazu zähle auch der Einzelhandel. Die neuen Schließungen wirkten wie eine „Vollbremsung: Man weiß nicht, wie sich das auswirkt.“ Dazu komme, dass die in Aussicht gestellten KFW-Kredite „noch nicht real seien“. Wenzler rät allen von der Krise betroffenen Unternehmern daher dringend, rechtzeitig – also nicht erst kurz vor dem Zusammenbruch der Firma – mit der Bank über ihren möglichen finanziellen Spielraum zu sprechen. Die Commerzbank konnte 2019 regional sowohl bei Firmen- als auch Privatkunden zulegen (Bericht über die Bilanz folgt).

Vorbild Frosthilfe

Auch die Handwerkskammer Ulm sorgt sich um die Lage der Betriebe, denen auch aufgrund der Schulschließungen Aufträge fehlten. Viele Handwerksfirmen seien auf schnelle Zuschüsse angewiesen: „insbesondere um liquide zu bleiben und Löhne weiter zahlen zu können“. Dazu Hauptgeschäftsführer Tobias Mehlich in einer Mitteilung: „Das Kurz­arbeitergeld greift bei weitem nicht in jedem Fall.“ Mehlich weiter: „Wir setzen darauf, dass die Aussage der Bundesregierung, es gehe kein Arbeitsplatz wegen Corona verloren, auch für unsere Betriebe gilt.“ Sein Fazit: „Wir müssen gemeinsam alles dafür tun, dass kein Betrieb wegen Corona in die Insolvenz gehen muss.“ Das Handwerk fordere daher nun ein unbürokratisches Zuschussprogramm ähnlich der Frosthilfe für die Landwirtschaft 2017: Bei Betrieben, die Einbußen von mehr als 30 Prozent erleiden, wurden 50 Prozent des Schadens über einen Landeszuschuss ersetzt.

Problem Personalausfall

Eine der Hauptsorgen im Handwerk gelte derzeit auch dem Personal. Bei den kleinen Betriebsgrößen mit durchschnittlich sechs Beschäftigten könne bereits der Ausfall von ein bis zwei Mitarbeitern dazu führen, dass der Betrieb praktisch stillsteht. Mehlich: „Wir fordern vor diesem Hintergrund landeseigene Soforthilfen, mit deren Auszahlung noch in dieser Woche begonnen werden muss.“ Man könne sich diesbezüglich durchaus an Bayern orientieren.

Mit Blick auf die brisante Lage hat die Handwerkskammer ihre Beratungs-Hotline auch auf den Samstag (9 bis 13 Uhr) ausgeweitet, montags bis freitags: 8 bis 17.30 Uhr. Die Rufnummer lautet (0731) 14 25-69 00.