Großer Abschluss in der Stadthalle Biberach am Sonntag: Zum Abschluss der Biberacher Filmfestspiele 2019 sind am Sonntagabend die Preise für die besten Filme vergeben worden. Wie der Verein Biberacher Filmfestspiele mitteilt, gab es in diesem Jahr insgesamt neun Preise. Der Grund: Keiner der Filme im Wettbewerb hat zwei Preise gewonnen.

Goldener Biber der Filmfestspiele Biberach 2019 für „Im Niemandsland“

Der große Gewinner der 42. Auflage des Filmfestes ist Regisseur Florian Aigners Ost-West-Drama „Im Niemandsland“. Für die vielschichtige Adaption von „Romeo und Julia“, die am Rande von Berlin in der Zeit zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung spielt, gab es den mit 8000 Euro dotierten „Goldenen Biber“.

In dem Film geht es um einen Familienkonflikt infolge der Häuserenteignung in der DDR, die im Sommer 1990 durch die Restitution rückgängig gemacht wurde. Der Jury zufolge befeuern alte Wunden und neue Vorurteile den Konflikt zwischen der West- und der Ostfamilie, während sich die Jugendlichen ineinander verlieben. Kinostart von „Im Niemandsland“ ist am 7. November 2019.

Youtube Goldener Biber für „Im Niemandsland“

In der Begründung der Jury zur Preisvergabe des „Goldenen Bibers“ heißt es: „Die Geschichte wird kurzweilig erzählt, mit unerwarteten Wendungen und einem guten Gespür für Timing und Zeitkolorit. Der Film sei bis in die Nebenrollen hinein stark besetzt und emotional inszeniert. Florian Aigner, der auch das Drehbuch verfasst und den Schnitt übernommen hat, biete einen Kinoabend, der durch seine aktuelle Relevanz zu Diskussionen einlade.

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Publikums-Jury ehrt den Film „Mein Ende. Dein Anfang“

Die Publikumsjury vergab ihren Biber an die Regisseurin Mariko Minoguchi und ihrem Debüt-Spielfilm “Mein Ende. Dein Anfang“. Dabei geht es um das Nora und Anton, die sich in der U-Bahn begegnen und verlieben. Als sie in einen Banküberfall geraten, wird die junge Liebe jäh zerstört.

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In der Begründung der Jury heißt es unter anderem: „Der Film hat eine nicht vorhersehbare Handlung mit zahlreichen Überraschungsmomenten. Der dynamische Wechsel durch Gegenwart und Vergangenheit fordert das Publikum heraus. Die Verflechtung wird zu einer Verstrickung, die schicksalhaft wird.“ Der Film glänze durch eine überragende Montagetechnik, die die meisterhafte Erzähltechnik von Mariko Minoguchi unterstütze: „Mein Ende. Dein Anfang“ führt uns durch Abgründe zu einem Ende, die das Geschehene transzendiert zu dem, was bleibt.“

Sonderpreis Adrian für Kamera im Film „Zwingli“

Youtube Adrian: Preis für die beste Kamera im Film „Zwingli“

In der variablen Kategorie des Sonderpreises „Adrian“ wurde diesmal die beste Kamera gekürt: Den Preis der „Kamerajury“, die aus Gernot Roll, Monika Plura und Christian Möller besteht, bekommt Kameramann Michael Hammon für den Historienfilm „Zwingli“.

Bester Fernsehfilm: „Herren“

Der Film des Bayerischen Rundfunks „Herren“ von Grimme-Preisträger Dirk Kummer wurde bei den Biberacher Filmfestspielen bester Fernsehfilm. Das Foto zeigt (von links): Ezequiel (Tyron Ricketts), Reynaldo (Komi Mizrajim Togbonou) und Jason (Nyamandi Adrian).
© Foto: BR/kineo Filmproduktion/Frédéric Batier

Die Großstadtkomödie „Herren“ von Grimme-Preisträger Dirk Kummer („Zuckersand“) hat den Fernsehpreis gewonnen: Darin verliert der Capoeira-Kampfsport-Meister Ezequiel (Tyron Ricketts) seinen Job. Für einen eingewanderten, dunkelhäutigen Mann ohne Ausbildung ist es schwer, schnell wieder einen guten Job zu finden. So landet er als „Fahrer für Denkmalschutz“ bei Kleinunternehmer Reynaldo (Komi Mizrajim Togbonou) und Kollege Jason (Nyamandi Adrian). In Wahrheit putzen sie jedoch nachts öffentliche Pissoirs. Wie soll er das seiner Familie erklären?

In der Begründung der Jury heißt es: „Der Film überzeugt durch wohltuenden Humor, Leichtigkeit, spielfreudigen Darsteller*innen und erfrischenden Neuentdeckungen und zeigt, dass die eigene Haltung im Leben, der Weg zum Glück sein kann, egal ob du schwarz, schwul oder vermeintlich anders bist! Und egal, ob im denkmalgeschützten Pissoir oder blumendekorierten Wärterhäuschen.“ Wer den Film sehen möchte, braucht Geduld. „Herren“ wird dem Bayerischen Rundfunk zufolge erst in der zweiten Hälfte 2020 zu sehen sein.

Weitere Preise bei den Filmfestspielen 2019

  • Die Schülerjury hat den Film “Coup” von Sven O. Hill ausgewählt, heißt es in einer Mitteilung des Vereins Biberacher Filmfestspiele. Das Konzept, der Humor und die vielfältige Erzählweise und die facettenreiche technische Darbietung haben die Jury überzeugt.
  • Der Kurzfilmbiber geht an “Alternativen” von Benjamin Kramme. „Der etwa 13-Minütige Film “entpuppt sich zur Halbzeit überraschend als Politdrama vom Riß in unserer Gesellschaft – relevant, aber ohne pädagogischen Zeigefinger”, heißt es in der Begründung.
  • Im Wettbewerb um den besten mittellangen Spielfilm gewann “Schlaf gut. Du auch.” von Christian Knie. De Jury lobt die Jury die Kreativität gepaart mit filmischem Können.

Youtube Beste Dokumentation: „In Search“ von Beryl Magoko

  • Als beste Dokumentation zeichnet die Jury „In Search…” von Beryl Magoko aus. In dem Film erzählt die Regisseurin Beryl Magoko, die als Kind in Kenia beschnitten wurde, wie sie als Filmemacherin in Deutschland eine neue Operation erwägt, welche die Genitalverstümmelung rückgängig machen soll.
  • Den Preis für den besten Debüt-Spielfim bekommt Savaş Ceviz für sein Pädophilen-Drama „Kopfplatzen” mit Max Riemelt in der Hauptrolle. Der Film geht laut Jury „sehr feinfühlig mit einem sehr schwierigem Thema um.“

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