Ulm / CAROLIN STÜWE  Uhr
In Fichtenwäldern könnte der Borkenkäfer gefährlich werden, sollte es nicht bald lang anhaltend regnen. Die erste Generation des Schädlings hat wegen der Trockenheit bereits geschwächte Bäume angebohrt.

"Wir brauchen eine Woche lang Regen, sonst steuern wir mit vollen Segeln auf eine Katastrophe zu." Der Ulmer Revierförster Stefan Gölz, der unter anderem für den Gögglinger und Donaustetter Wald zuständig ist, befürchtet einen enormen Borkenkäferbefall im Fichtenwald, sollte das Wetter so trocken bleiben zuletzt. Wobei sich dieses Problem nicht allein auf Ulm beschränkt, sondern in ganz Baden-Württemberg und Bayern überall dort droht, wo Fichten wachsen.

Gölz erklärt, was in den Bäumen vor sich geht: Können sie über Kapillarkräfte in ihren Wasserleitungsbahnen genug Wasser bis in die Wipfel transportieren, funktioniert die Produktion von Harz. Dies ist die natürliche Abwehrreaktion auf Schädlinge. "Der Käfer, der den Bast zwischen Borke und Holz mit Fraßgängen durchzieht, ersäuft dann im Harz." Fehlt jedoch Regen, ist der Baum geschwächt: Ideale Bedingungen für den Buchdrucker, wie die jetzt ausgeflogene Borkenkäferart heißt. "Der erste Flug war vier Wochen früher als üblich", sagt Gölz. Deshalb könnten sich heuer bis zu fünf Käfergenerationen entwickeln. In "normalen" Jahren sind es zwei bis drei. Die Generation, die aus dem ersten angebohrten Baum ausfliegt, befällt die nächsten fünf benachbarten Bäume. Von der zweiten Generation werden schon 50 Bäume befallen, von der dritten 150 - und so weiter.

Die sogenannten Fraßgänge unter der Rinde stören zwar den Saftfluss des Baumes, entwerten das Holz aber noch nicht. Denn der Käfer ernährt sich gar nicht vom Holz, sondern er züchtet sich einen "Bläuepilz", der sich nach innen ins Holz ausbreitet und es blaurot färbt. Solch ein Holz kann die Möbelindustrie nicht gebrauchen.

Bis es soweit kommt und vor allem, bis die nächste Generation Käfer ausfliegt, sollten befallene Bäume gefällt und aus dem Wald geschafft werden, sagt Alwin Menz, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Alb-Donau-Ulm. Hierzu zusammengeschlossen haben sich bisher 150 Privatwaldbesitzer aus Ulm und dem westlichen Alb-Donau-Kreis. "Jeder Waldbesitzer sollte einmal die Woche seine Bäume kontrollieren", rät Menz. Ein Zeichen ist das braune Bohrmehl am Fuß des Stamms, dass beim Einbohren des Käfers auf den Boden fällt. Werden die Nadeln gelb, ist der Befall ganz sicher.

Mehr zum Waldschutz weiß jeder Förster, die forstliche Versuchsanstalt Freiburg hat eine Info veröffentlicht. Diese steht auf der Homepage der hiesigen Forstbetriebsgemeinschaft unter www.fbg-alb-donau.de. Einzelne Fichten im Garten würden kaum vom Borkenkäfer befallen, weil sie meist weit weg vom Wald alleine stehen und recht vital sind, sagt Revierförster Gölz.

Wie die Zeilen eines Buches