Das Flammeninferno in dem Londoner Hochhaus „Grenfell Tower“ ist vielen noch im Gedächtnis. Mehr als 70 Menschen kamen 2017 im Feuer um, hinterher stellte sich heraus, dass die Fassade nicht dem Brandschutz entsprochen hatte. Daraufhin hatte das Innenministerium in Stuttgart die Kommunen angewiesen, ihre Hochhäuser zu kontrollieren. Im Sommer 2018 war man in Ulm damit fertig. Das Ergebnis: „Bei fünf Gebäuden besteht Handlungsbedarf, bei zweien davon dringend“, sagt Peter Rimmele, Leiter der Abteilung Städtebau.

Der Grund: Deren Fassade sei mit fünf Zentimeter dicken Styroporplatten verkleidet, die leicht entflammbar seien, darüber liege eine Putzschicht. Auch der Vorraum zum Treppenhaus weise diesen Fassadenaufbau auf. Die Verkleidung sei sofort entfernt worden, – „nun muss der Eigentümer die Dämmung bei beiden Häusern austauschen“. Wo die Gebäude stehen, wolle er nicht sagen, so Rimmele.

Die Gebäude stammten aus den 60er Jahren, bei „Gefahr für Leib und Leben“ gelte der Bestandsschutz jeodch nicht mehr. Alle Gebäude seien zur Entstehung zwar auf Höhe der Zeit gewesen und genehmigt worden – „aber Technik, Material und Erfahrungen haben sich geändert“, erklärt Rimmele. Da passe vieles nicht mehr zu den modernen Brandschutzbestimmungen. So müssen Hochhäuser die höchsten Anforderungen erfüllen: Tragende Wände, Decken, Trennwände und Wände von Treppenräumen und Flure müssen feuerbeständig sein – „das heißt, das Material muss Flammen etwa 90 Minuten lang standhalten, damit man etwa ein Gebäude evakuieren kann“, sagt Rimmele. Und man brauche Brandriegel, damit sich Feuer nicht von Geschoss zu Geschoss ausbreiten könne.

Neben vielen baulichen Vorschriften, gebe es zudem ausgewiesene Fluchtwege, die nicht zugestellt oder zweckentfremdet werden dürften. Letzteres war beim Universumcenter am Ehinger Tor der Fall (wir berichteten). Dort hatten Bewohner die Balkone mit Abfall und Mobiliar zugestellt. Als nach mehrmaliger Ermahnung nichts passierte, verhängte die Stadt ein Zwangsgeld.

30 Hochhäuser in der Stadt


Zahlen Ab mehr als 22 Meter Fußbodenhöhe im obersten Stockwerk gelten Gebäude als Hochhäuser, denn 22 Meter lang ist eine Feuerwehrdrehleiter und kann bis zu dieser Reichweite löschen. In Ulm stehen 30 Hochhäuser – einige davon in Böfingen, am Eselsberg, in Wiblingen.  Bei neun Gebäuden war von vorne herein klar, dass nichts zu beanstanden sei – sie wurden erst neulich saniert. 18 Gebäude entsprachen nach der Prüfung den gesetzlichen Anforderungen.