Es gab feierliche Reden und ein erlesenes Buffet, der am weitesten gereiste Ehrengast Tomoyasu Nishimura, General-Manager des japanischen NEC-Elektronikkonzerns, war eigens aus Tokio eingeflogen. Bloß Justus glänzte durch Abwesenheit - obwohl es doch allein um ihn ging beim Festakt im Forschungsgebäude der Uni.

Justus' Fehlen war begründet: Der unmittelbar nach der Feier in Betrieb genommene Hochleistungscomputer der Uni wiegt sieben Tonnen und steckt in elf schwarzen Schränken, die im wenig repräsentativen Versorgungstrakt an der Staudinger Straße stehen. Benannt ist er nach dem Chemiker Justus von Liebig. Drei Millionen Euro hat er gekostet, Finanziers sind jeweils zur Hälfte die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Land.

Zwar hätte Uni-Präsident Karl Joachim Ebeling, ein Physiker, den Namen "Justizia" schöner gefunden: "Justus, das klingt irgendwie beliebig." Aber der Name passt. Denn profitieren werden vor allem theoretische Chemiker - nicht nur aus Ulm, sondern aus ganz Baden-Württemberg. Sie können Justus' Speicherplatz über ein kooperatives Kommunikationsnetz für ihre Forschungsprojekte nutzen. Besonders gut versteht sich der Rechner auf Simulationen, um komplexe chemische Prozesse nachzuvollziehen. Etwa, wenn es um Fragen der Energiespeicherung oder der Wirkung von Medikamenten geht.

Das Innenleben des Supercomputers der Firma NEC besteht aus 7100 Prozessorkernen (Ebeling: "Das müssen sie sich in etwa vorstellen wie 7100 Laptops"). Mit einer Rechengeschwindigkeit von 273 Teraflops gehört er zu den schnellsten 500 Supercomputern weltweit, wobei "Tera" für Billion und "-Flops" für die Anzahl der möglichen Additionen oder Multiplikationen pro Sekunde steht. Justus kann ergo 273 Billionen solcher Rechnungen pro Sekunde durchführen.

Und bleibt trotzdem umweltfreundlich. Während Höchstleistungsrechner der obersten Kategorie schon mal 10 Megawatt und damit ein Prozent der Leistung eines Atomkraftwerks verbrauchen, werde Justus' Energiebedarf rein aus Wasserkraft gespeist, sagte Prof. Stefan Wesner, Leiter des Kommunikations- und Informationszentrums an der Uni Ulm. Auch eine energieintensive Kühlung wird erst bei Temperaturen über 24 Grad Celsius notwendig - die Grüne Wissenschaftsministerin Theresia Bauer darf es mit Wohlgefallen vernehmen. Unter Volllast verbraucht Justus dennoch bis zu 160 Kilowattstunden - was dem Energiebedarf von 300 Einfamilienhäusern entspricht.