Stadtgeschichte Felix Fabri im Fokus: Er war kein kopfloser Mönch

Ulm / Verena Schühly 05.12.2018

FFF – die Initialen stehen für Frater Felix Fabri. Der Dominikanermönch ist mit seinen Schilderungen vom Leben in Ulm in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine „Autorität der Stadtgeschichte, an dem niemand vorbeikommt“, sagt Alexander Rosenstock. Der Historiker und stellvertretende Leiter der Ulmer Stadtbibliothek hat sich lange mit Fabri beschäftigt. Denn zu den Schätzen der Bibliothek gehören drei Bände autographer Schriften Fabris: Die ersten handschriftlichen Fassungen seines zweibändigen „Evagatoriums“ (Berichte seiner beiden Pilgerreisen ins Heilige Land) sowie ein Band mit der Beschreibung Schwabens („Descriptio Theutonie et Suevie) und einer Abhandlung über Ulm („Tractatus de civitate Ulmensi“).

Die drei Bände umfassen knapp 1400 Seiten von Hand mit schwarzer und roter Tinte beschriebene Seiten, die Fabri auch korrigiert und an vielen Stellen mit Anmerkungen versehen hat. Seit 2008 stehen die Handschriften in digitaler Form zur Verfügung, seither steigt das Interesse von Wissenschaftlern an diesen Quellen. Im Jahr 2016 hat die Stadtbibliothek eine große Tagung mit hochkarätigen Fabri-Forschern veranstaltet, die Ergebnisse sind jetzt als Buch erschienen.

Was weiß man von Fabri? Er war Klosterreformer, Prediger, Seelsorger, Autor geistlicher Schriften – aber vieles weiß man auch nicht. Zum Beispiel, wann genau er geboren wurde. „Um 1440 oder ein, zwei Jahre früher in Zürich“, sagt Rosenstock. Im Alter von 15 Jahren trat er in Basel in den Predigerorden ein, legte die Ordensgelübde ab und kam 1468 nach Ulm, um an der Reform des Ulmer Konvents mitzuwirken. „Der Dreißigjährige war damals schon eine Autorität.“

Am bekanntesten sind Fabris Aufzeichnungen über seine Reisen ins Heilige Land im Jahr 1480 sowie 1483/84 mit ihren lebendigen Schilderungen. Darin wendet er sich an unterschiedliche Zielgruppen, erläutert Rosenstock: „Das ,Evagatorium’ in Latein richtet sich an gelehrtes Publikum, das ,Gereimte Pilgerbüchlein’ ist in Deutsch für die interessierte Allgemeinheit. Und die ,Sionpilger’ würde man heute wohl als virtuelle Reise bezeichnen.“ Letzteres ist eigens für Frauenorden verfasst, damit sie die Reise im Geiste nachvollziehen konnten – denn ihnen war das Pilgern seinerzeit versagt.

Die „Descriptio“ und insbesondere den „Tractatus“ hat Felix Fabri laut Rosenstock „mit den Augen dessen verfasst, der in die Heimat zurückkehrt und Fremdes gesehen hat“. Seine Ausführungen sind so detailreich, als hätte er sie selbst erlebt. Beispielsweise die Grundsteinlegung des Münsters am 30. Juni 1377 – dabei ist Fabri nachweislich erst 91 Jahre später nach Ulm gekommen.

Ein Kind seiner Zeit

„Felix Fabri war Kind seiner Zeit“, macht Alexander Rosenstock deutlich. „Die Vormacht der Patrizier war für ihn die göttliche Ordnung.“ Dennoch sind seine Beschreibungen für Historiker wertvoll: „Sie sind voller Einzelheiten, beispielsweise was die Bauten und Straßen damals angeht. Das macht ihn als Quelle absolut belastbar.“

Fest steht, dass Fabri am 14. März 1502 in Ulm gestorben ist. Sein Grab ist nicht erhalten. Von der verschollenen Grabplatte hieß es lange Zeit, dass darauf ein kopfloser Mönch zu sehen gewesen sei. „Doch mit dieser Legende hat die Ulmer Tagung aufgeräumt“, freut sich Rosenstock.

Harald Drös, Leiter der Forschungsstelle deutsche Inschriften, hat nachgewiesen, dass der Fehler eines früheren Übersetzers zu dem Missverständnis geführt hatte: Da wurde der „monachus cucullatus“ – also ein mit einer Kutte bekleideter Mensch – mit einem „monachus decollatus“ verwechselt – was eben kopfloser oder geköpfter Mönch bedeutet.

Im Lauf der Zeit haben sich öfter mal Übersetzer „vergaloppiert, und Fehler haben sich durch gegenseitiges Abschreiben tradiert“, das ist laut Alexander Rosenstock nicht ungewöhnlich. Daher verspricht die Arbeit heutiger Historiker mit den Originalhandschriften noch manche neue Erkenntnis.

Einer davon ist Folker Reichert: Der 69-Jährige war Professor für mittelalterliche Geschichte an der Uni Stuttgart und ist Fabri-Experte. 2012 übersetzte er als Frisch-Ruheständler den „Tractatus“ neu ins Deutsche. Und er hält heute im Grünen Hof den Vortrag über „Felix Fabri und die Frauen“. Die Feier mit der Umbenennung des Saals beginnt um 14.30 Uhr.

Info Der Tagungsband „Die Welt des Frater Felix Fabri“, herausgegeben von Folker Reichert und Alexander Rosenstock, ist erschienen im Anton H. Konrad Verlag Weißenhorn. Es enthält auf 286 Seiten elf Beiträge über die Person und das Werk Fabris. Es ist erhältlich im Buchhandel zum Preis von 39,80 Euro. ISBN 978-3-87437-583-2.

Heute Umbenennung des Heilmeyer-Saals

Raum Der Saal im Grünen Hof, den in der Hauptsache der Generationentreff nutzt, wird heute umbenannt: von Heilmeyer- in Felix-Fabri-Saal. Zur Entscheidung führten neue biographische Erkenntnisse über die Rolle des Gründungsrektors der Uni Ulm im Nationalsozialismus, seine Nähe zur NS-Ideologie und seinen Umgang mit Nazi-Verbrechen nach dem Krieg. Ob die Heilmeyer-Steige ebenfalls einen anderen Namen bekommt, ist offen.

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