Ulm Federleichte Fantasie - Schüler der Musikschule Ulm feiern 50-jähriges Bestehen

LENA GRUNDHUBER 10.11.2014
Das Jubiläum der Musikschule ist ernsthaft in Gefahr - zu Beginn des Stücks "Pläng". Doch natürlich geht alles gut aus, dank der 150 jungen Musiker, die diese "fantastische Reise" zum Klingen bringen.

Ein "Klanghalbierungsapparat" - bei der Vorstellung eines solchen Geräts dürfte OB Ivo Gönner in der ersten Reihe wohl ein bisschen ins Träumen geraten sein: Eine Maschine, die den Lärm der Welt einfach mal um die Hälfte reduziert, sowas könnte einem Ulmer Oberbürgermeister einen ganzen Haufen Dezibel-Diskussionen ersparen. Doch für ein derartiges Wunderwerk reicht ein einfacher Einstein nicht aus, da braucht es schon einen Wissenschaftler namens Zweistein, zusammengesetzt aus zwei Kindern und vier beweglichen Armen.

Und es braucht rund 150 weitere engagierte Kinder und Jugendliche, die diese wunderbare Idee mit gefühlt doppelt so vielen Instrumenten auf die Beine respektive Bühne stellen: "Pläng" heißt das Stück, die "fantastische Reise zum Jubiläum", die zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Ulmer Musikschule am Freitagabend unter der Regie von Klara Ladwein ihre Uraufführung erlebte.

Das Jubiläum bildet auch den Ausgangspunkt des Librettos von Nina Ender. Die Jugendlichen überlegen gerade, was man zu diesem Anlass machen könnte ("Es müsste was mit dem Ulmer Spatz sein"), als ihnen auffällt, dass es um sie herum unheimlich still wird. Die Stimmen der Welt zwitschern nur noch in der Musik von Komponistin Fay Neary nach, aber Fagott und Klavier tapsen schon bedrohlich in den tieferen Lagen einher.

Auf dem Rathausplatz kein Laut, nicht einmal aus der Musikschule dringen Töne, das Blaulicht blinkt ohne Sirenen, "selbst im Lautertal wird es immer stiller" - ja, Autorin Ender kennt sich aus in Ulm und Umgebung, sie ist hier zur Schule gegangen und streut gern augenzwinkernde Scherze ein.

Um auf die Suche nach dem Klang gehen zu können, bauen sich die Kinder eine Art musikalisches Raumschiff, ein "Instrumonstrium" aus allerlei instrumentalen Versatzstücken ("Berblinger hätte seine Freude gehabt"), und die Musik inszeniert einen spielerischen Kriegszug mit Trompeten und Percussion-Effekten dazu. Kinderleicht ist diese Partitur nicht, dafür aber eben auch nicht kindisch - klanglich schafft sie eine klare, oft auch verspielt lautmalerische Verbindung zu der federleichten Text-Fantasie von Nina Ender.

"Irgendwo im All" hören wir etwa Flöten, Glockenklang und Harfe. Tatsächlich finden die Kinder die Erd-Geräusche im Weltraum. Schuld ist, so erklärt sich aus der Rückblende, eine intergalaktische Friedenskonferenz, auf welcher der König von Pläng Geräusche für seinen allzu stillen Planeten gefordert hatte. Die Lösung bringt besagter Zweistein mit seinem Tonspalter: "Dann ist es auf der Erde nur noch halb so laut! Gesagt, gebaut!" Pläng bekommt Töne von der Erde ab, was einen gewaltigen Klangsturz zur Folge hat. Denn das Instrumonstrium der Erdlinge muss seine Hälfte einsaugen, damit das Jubiläum in der Musikschule glücklich vonstatten gehen kann.

Das tut es wahrhaftig - dank der Dirigenten Josef Christ und Hans de Gilde, dank der St. Georgs-Chorknaben und den kleinsten Ulmer Spatzen aus dem Vorchor, dank der beherzten, lustigen Sprecher und Schauspieler, die ihren Part ebenso deutlich bringen wie die Instrumentalisten, die Nearys Klangwelten staunenswert transparent machen.

OB Ivo Gönner prophezeite dem Stück denn auch einen "Siegeszug", damit könne man "auf Tournee zu allen Planeten gehen" und begrüßte insbesondere das "Geburtstagsgeschenk" der Musikschule: Der neue Leiter Heinz Gassenmeier war angereist, um sich auf seinem neuen Planeten umzuhören. Das Instrumonstrium, soviel darf man sagen, kann Gassenmeier guten Gewissens im Keller lassen.

Info Weitere Aufführungen: Dienstag (11 Uhr), Donnerstag sowie 18. und 19. November (jeweils 18 Uhr).

50 Cellisten, Party und eine Gesprächsrunde

Jubiläum Was für eine Klangkaskade, was für ein warmes Vibrieren: 50 Cellisten - ehemalige und jetzige Musikschüler - spielten am Sonntagabend in der Ulmer Musikschule gemeinsam zum Jubiläum. Vor allem Johannes Reiches "Scabellum Cellum II" mit seinen sonoren Rhythmen sorgte für Begeisterung - samt Aufstampfen und Mitsingen im Saal. Zuvor hatten feine Solistinnen und ein Cello-Trio beim Konzert "50 Jahre Cellounterricht" ihr Können unter Beweis gestellt.

Vielfalt Am Samstagabend war das Musikschul-Jubiläum mit einer Party auf allen Ebenen gefeiert worden. Ganz unten "Unter der Metzig" ließen es zwei Rockbands krachen, im großen Saal bat das Salonorchester zum Tanz, unter dem Dach gab es feine Unterhaltungs- und Kammermusik. Selbst der Fahrstuhl wurde beschallt: Niklas Müller spielte dort Geige - auf und ab.

Veranstaltungen "Musikschule früher und heute" ist am Freitag, 19 Uhr, eine Gesprächsrunde mit ehemaligen und jetzigen Lehrkräften, darunter Jerzy Nebel, Maria Stephany, Hartmut Tröndle, Sarah Jensen und Christine Ehret, überschrieben. Den Abend in der Musikschule moderiert Jürgen Kanold.