Musik Faszinierend: Live Looping Festival im Roxy

Ulm / Tayné de Castro Stolz 08.06.2018

Computer, selbstgebaute Instrumente, unzählige Effektpedale, analoge Tonbandgeräte. Ein ungewöhnliches Bühnensetting, nur wenige normale Instrumente sind zu sehen. Denn bei einem Live Looping Festival wie am Mittwoch im Roxy dienen sie nur als Klangquellen für Experimente.

Looping ist eine experimentelle Musiktechnik, die in den 60er Jahren entwickelt wurde. Dabei wurden Klangschnipsel aus Tonbändern geschnitten und zu Endlosschleifen zusammengeklebt, später wurden elektronische Schaltkreise gebaut und dazu Effektgeräte eingesetzt, die das Soundflair verändern. Was als analoges Verfahren begann, wird heute meist digital ausgeführt.

Andreas Usenbenz, Sounddesigner und Klangsammler aus Ulm, war einer der fünf Live Looper im Roxy. Mit einem alten umgebauten Tonbandgerät, Gitarre und Feldaufnahmen erschafft er atmosphärische Klangteppiche aus Natur- und Alltagsgeräuschen. Was mit einem Ton der Gitarre anfängt, baut sich nach und nach zu einem faszinierenden Musikerlebnis auf, nach wenigen Minuten ist nicht mehr zu unterscheiden, was Gitarre, Effekt, Aufnahme oder Loop ist – die Tonlandschaft einer Traumwelt.

Das von Friedrich Glorian erstmals in Ulm organisierte Live Looping Festival gibt es weltweit bereits seit 2001. Im kalifornischen Santa Cruz entstanden, findet es mittlerweile in 57 Städten und 21 Ländern statt.  Beim Debüt in Ulm traten außer Usenbenz und Glorian, der mit ungewöhnlichen akustischen Instrumenten wie dem Gu-Cheng, einer Art japanische Sitar, improvisierte, noch drei Gäste auf.

In Trance versetzt

John Cornell (in der Looping Szene bekannt als Future Cassette) brachte aus Santa Cruz ein stark an Industrial angelehntes Set auf einem modularen Synthesizer mit. Hideki Nakanishi  (Mandoman) aus Osaka musizierte mit selbstgebauten elektrischen Mandolinen. Er holt seine Inspiration aus dem Zen-Buddhismus, um mit seinen entspannten Loops die Zuschauer in Trance zu versetzen.

Emmanuel Reveneau (The Lucid Brain Integrative Project) aus Poitiers produziert Neo-Jazz-­Klanglandschaften auf der von ihm selber entwickelten Musiksoftware Noundo. Er hat früher Punkrock gemacht und spielt seit drei Monaten Trompete. „Das Looping ist ein gutes Werkzeug für schlechte Musiker“, witzelte er im Roxy.

Glorian erklärte, dass Looping immer kommerzieller wird und im Mainstream von Cover-Musikern eingesetzt wird. Aber auf dem Live Looping Festival ist das nicht so: „Je skurriler und ungewöhnlicher die Musik, desto besser.“

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