„Sieben Wochen essen mit Hartz IV“ hat sich die evangelische Kirchengemeinde Wiblingen als Fastenaktion vorgenommen. „Wir wollen in der Fastenzeit im Selbstversuch sehen, wie wir mit dem auskommen, was Empfängern von Arbeitslosengeld II finanziell zum Essen zur Verfügung steht“, sagt Pfarrer Andreas Wündisch, der die Aktion begleitet. Am Dienstagabend gab es ein Info-Treffen, bei dem sich ein gutes Dutzend von Menschen zur Teilnahme an der Fastenaktion entschlossen hat.

Bei dem Treffen hat Elke Toth von der diakonischen Bezirksstelle Ulm darüber informiert, wie viel – oder besser wie „brutal wenig“ – Geld nach den Hartz-IV-Sätzen für Lebensmittel vorgesehen ist. Für einen alleinstehenden Erwachsenen sind es 4,93 Euro am Tag; für ein Paar 8,85 Euro; für eine Familie mit zwei Kindergartenkindern 14,57 Euro;  für eine Familie mit zwei älteren Kindern im Teenager-Alter 18,30 Euro pro Tag. Toth findet selbst: „Es wird hart, damit auszukommen.“

Auch Andreas Wündisch und seine Familie wollen mitmachen: „Wir wollen schauen, ob wir uns Nutella dann noch leisten können oder ob wir auf Süßigkeiten verzichten müssen.“ Die vier Kinder von seiner Frau und ihm sind zwischen drei und zwölf Jahren alt. Um alle sechs während der kommenden sieben Wochen bis Ostern satt zu bekommen, stehen pro Tag 25,11 Euro zur Verfügung. „Ich bin gespannt, an welche Grenzen wir stoßen“, sagt der evangelische Theologe.

Jeder entscheidet selbst, wie (lange) er fasten möchte

Beim Info-Treffen haben sich die Teilnehmer darüber ausgetauscht, wie sie ihre Fastenaktion angehen wollen. „Jeder entscheidet selbst, in welchem Umfang und wie lange er mitmachen möchte. Generelle Einschränkungen machen wir nicht“, berichtet Wündisch.

Im Grundsatz bedeute Fasten, „durch den Verzicht das Bewusstsein für etwas zu steigern“. Wündisch ist selbst gespannt, was sich für ihn durch die Aktion verändert. „Allein schon dadurch, dass ich im Laden stehe und rechnen muss, ist ja etwas anders.“ Er und die anderen Teilnehmer seien sich bewusst, dass „wir nicht nachstellen und am Ende wissen, wie sich ein Hartz-IV-Empfänger fühlt – denn uns bleiben ja alle Sicherheiten im Leben. Aber vielleicht bekommen wir eine Idee von den Einschränkungen, die ja alle Lebensbereiche betreffen.“

Grundsätzlich ist ihm schon klar geworden, dass „dieses Gesetz ein Bürokratie-Monster und von Misstrauen geprägt ist“. Neben der spirituellen Dimension, die das Fasten habe, sei diese Aktion auch politisch. Wündisch: „Vielleicht denken wir am Ende solidarischer.“

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Ulm/Neu-Ulm.