Mehr Lohn, aber auch mehr Respekt für ihre stressige Arbeit forderten Beschäftigte der süddeutschen Systemgastronomie am Dienstag nach einem Kongress in Ulm bei einer Demo in der Fußgängerzone. Dabei ging es auch um Themen wie Arbeitsdruck, Überstunden und fehlende Neueinstellungen oder aus Spargründen gekündigte Wartungsverträge und in der Folge öfter kaputte Küchenmaschinen.

Im Fokus standen bei dem von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ins Leben gerufenen Treffen höhere Löhne. Der Basislohn von 9,25 Euro je Stunde sei deutlich zu niedrig, sagte am Rande der Kundgebung Jörg Suchanke als Betriebsrat von Burger King in Nürnberg: „Alles unter zwölf Euro rechnet sich nicht.“ Vor allem nicht bei Teilzeitjobs – aber auch Vollverdiener bräuchten häufig noch einen Nebenjob, um ihre Familie zu ernähren und die Miete zu bezahlen.

Wachsende Anonymität

Weil die Mitarbeiter oft wechselten, nehme auch die Anonymität für die Gäste der Schnellrestaurants zu, deren Beschwerden somit meistens ins Leere liefen. Allerdings: In dem fränkischen Franchisebetrieb mit zehn Restaurants seien Mitarbeiter aus 36 Nationen tätig, die verständnisvoll miteinander umgehen.

Seitens der NGG-Hauptverwaltung in Hamburg kritisierte Christoph Schink Ausreißer wie einen Bremer Franchisenehmer von Mc Donald’s, der seine Mitarbeiter angewiesen hatte, ausgemusterte Salate nur auf die Mülltonne zu stellen. So konnten sie auch nochmal serviert, aber gegenüber Kontrolleuren schon als aussortiert deklariert werden.

In Hamburg sei es erst nach längerem Kampf gelungen, dass die Wegstrecke der Mitarbeiter von Mc Donald’s zu einem zehn Minuten entfernten Umkleideraum als Arbeitszeit anerkannt wurde. Er berichtete von Solidaritätsadressen aus den USA, wo Mitarbeiter von Burger-Restaurants von den milliardenschweren Konzernen nun auch 15 Dollar Stundenlohn forderten.

Tarifvertrag läuft aus

Die NGG will das Thema Stundenlohn nach Auslaufen des Tarifvertrags zum Jahresende wieder forcieren, berichtete Gewerkschaftssekretär Alexander Münchow. Es gehe schließlich auch um die gesellschaftliche Teilhabe der Beschäftigten in Form von Shopping oder Urlaub. Auch die Altersversorgung ist auf der Agenda. Hier könne man nur Fortschritte erzielen, wenn es gelinge, sich bei den Verhandlungen mit dem Bundesverband Systemgastronomie stärker vom Mindestlohn – neu 9,19 Euro – abzusetzen.

So sagte auch Hartmut Patzke von Nordsee aus Göppingen: „Wir müssen um jeden Cent bitteln und betteln.“ Er fordert auch von den Essensgästen mehr Verständnis für die Belange der Mitarbeiter. Vor allem beim Ansturm in der Mittagspause müssten sie enormen Einsatz bringen.

Das könnte dich auch interessieren:

Mit neun  Mc Donald’s in der Region vertreten


Platzhirsch Zu den führenden Firmen der Systemgastronomie in Ulm/Neu-Ulm zählt Gerhard Schmid als Franchisenehmer von Mc Donald’s mit neun Betrieben – bis Heidenheim und Vöhringen. In Ulm ist Mc Donald’s im Container in der Bahnhofstraße und in der Blaubeurer Straße vertreten. Die Rückkehr an den einstigen Standort gegenüber vom Bahnhof sei schon zum Herbst 2016 geplant gewesen, sagte  Schmid. Nun wird es in den „Sedelhöfen“ März 2020. Schmid beschäftigt 350 Mitarbeiter. Er sieht im Gegensatz zur NGG gute Aufstiegschancen über die unterste Tarifgruppe hinaus. Sein Bezirksleiter habe als polnischer Student und Restaurantmanager in Regensburg angefangen.