Nur zwei Tage nach dem schweren Verbrechen am 6. Januar 2018 im Veltlinerweg hatte die Polizei einen Tatverdächtigen. Eine Biologin des kriminaltechnischen Instituts am Landeskriminalamt (LKA) jagte am Tatort gewonnene DNA durch einen Polizeirechner – und hatte einen Treffer. Drei Tage später war der Mann verhaftet und muss sich seit Oktober gemeinsam mit seiner Ehefrau vor Gericht verantworten. Schon früher einmal war der Georgier nach einer Straftat erkennungsdienstlich behandelt und sein genetischer Fingerabdruck gespeichert worden.

Der zehnte Prozesstag seit dem Auftakt am 12. Oktober stand ganz im Zeichen der Kriminaltechnik, die mit ihren verfeinerten Methoden in schwierigen Prozessen nicht wegzudenken ist. So auch in diesem Verfahren, das juristisch kompliziert ist, weil es an Beweisen mangelt, einzelnen Beteiligten konkrete Taten nachzuweisen. So plausibel die Annahme der Anklage klingt, so langwierig erscheint der Beweis.

Der letzte Beweis fehlt bislang

Demnach hat die russischstämmige Frau des verdächtigen Georgiers den Tipp gegeben, dass in der Wohnung am Veltlinerweg einiges an Wertsachen zu holen sei. Die Frau war immer wieder als Hauswirtschafterin eines Wohltätigkeitsverbandes in der Wohnung, in der eine 91-jährige Frau mit ihrem 59 Jahre alten und leicht behinderten Sohn gelebt hatte. Schöne Möbel, Teppiche, Schmuck – vermutlich war der 59-Jährige mitten in der Nacht durch die Einbrecher aus dem Schlaf gerissen und tödlich verletzt worden. Wer aber was genau gemacht hat, ist unklar. Spuren gibt es zuhauf, aber Spuren sind Indizien, und der letzte Beweis fehlt bislang.

Die deutlichsten Spuren sind solche im Auto des angeklagten Ehepaares, die von einer mit rotem Samt ausgeschmückten Schmuckschatulle der 91-jährigen Mutter des Getöteten stammen. Insgesamt 54 solcher Faserspuren gibt es, was nach Aussage einer Sachverständigen des LKA eine hohe Konzentration sei, die wegen ihres seltenen Typs mit hoher Wahrscheinlichkeit von der Schatulle aus der Wohnung am Eselsberg stammen.

Vereinzelt sind solche Fasern auch an der Kleidung des Angeklagten gefunden worden, die wegen ihrer geringen Zahl aber auch nur indirekt übertragen worden sein können. Überraschenderweise haben die Kriminaltechniker keinerlei Fasern an der Kleidung der Verdächtigen von den zahlreichen Teppichen gefunden, die in der Wohnung ausliegen.

Fingerspur an Klebeband

Außerdem wurde nach der Tat in einem Gebüsch unweit des Hauses ein Brech- oder Hebeleisen gefunden, an dem sich Blutspuren des Opfers und so genannte Mischspuren befanden – unter ihnen auch die des angeklagten 40-Jährigen. Was vor allem gegen ihn spricht: Seine DNA-Spuren wurden an einem in der Wohnung gefundenen Klebeband entdeckt. Mit diesem Band war der 59-Jährige kurz vor seinem Tod gefesselt und geknebelt worden.

Spuren gibt es auch von dem in Israel inhaftierten dritten Tatverdächtigen (siehe Info-Kasten). Von ihm liegen DNA-Spuren unter anderem auch aus dem Fluchtauto des Ehepaares vor, außerdem gibt es verschiedene Mischspuren am Garagentor, an einem Brecheisen und einem Schraubendreher.

DNA von weiterer Person

Ähnliches kann auch einer weiteren Person zugeordnet werden, von der die Ermittler ausgehen, dass es sich dabei um den in Georgien untergetauchten vierten Tatverdächtigen handelt. Jedenfalls gibt es an mehreren Gegenständen gefundene und immer übereinstimmende DNA, die von ein und derselben Person herrühren müssen.

Der Prozess wird am kommenden Freitag fortgesetzt und ist noch bis Ende Juni terminiert.

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Ulm

Auslieferung des Tatverdächtigen aus Israel verzögert sich


Dritter Verdächtiger Insgesamt gehen die Ermittlungsbehörden von vier Tatbeteiligten aus. Das angeklagte Ehepaar und zwei Männer, von denen einer seit Monaten in israelischer Auslieferungshaft sitzt. Wie die SÜDWEST PRESSE berichtete, hat ein israelisches Gericht zwischenzeitlich der Auslieferung zugestimmt. Allerdings ist diese Entscheidung noch nicht rechtskräftig. Wie Oberstaatsanwalt Peter Staudenmaier sagte, läuft die Frist für ein etwaiges Rechtsmittel noch bis zum 25. Januar. Informationen, ob er von diesem Recht Gebrauch machen will, liegen der Staatsanwaltschaft nicht vor. Der Verdächtige soll einer der beiden Männer sein, die in der Nacht auf den 6. Januar 2018 in der Wohnung am Veltlinerweg waren. Von diesem Mann liegen Finger- und Blutspuren vor, die die Kriminaltechniker in der Wohnung am Eselsberg gefunden haben.

Vierter Verdächtiger Ein weiterer möglicherweise Tatverdächtiger ist der Polizei namentlich bekannt. Im Verfahren der Kriminaltechniker des Landeskriminalamtes (LKA) wird er öffentlich als „TV 4“ bezeichnet. Wo der Mann sich derzeit aufhält, ist unklar. Offenbar wissen die Behörden nur, dass er wenige Tage nach der Tat in Ulm via Italien in sein Heimatland Georgien ausgereist ist. Nach Informationen der SÜDWEST PRESSE kann genau nachvollzogen werden, wann und wo der Mann nach Georgien eingereist ist. Seither ist er untergetaucht. Wie der die Ermittlungen führende Oberstaatsanwalt Peter Staudenmaier sagt, werde derzeit mit Hochdruck an der Fahndung nach dem Mann gearbeitet, der mit einem internationalen Haftbefehl gesucht wird.

Vernehmung in Italien Wie der Vorsitzende Richter Gerd Gugenhan am Freitag im Prozess verkündigte, wird das Gericht dieser Tage nach Italien reisen, um in Brescia mehrere Zeugenvernehmungen vorzunehmen. Dort lebt die Schwester des im Ulmer Prozess angeklagten Mannes mit ihrer Familie. Die Angehörigen waren als Zeugen nach Ulm geladen, aber nicht zum Prozess erschienen. Wie lückenlos nachweisbar ist, reiste das Ulmer Ehepaar in der Tatnacht direkt an den Gardasee. In einer früheren Vernehmung hatte der Angeklagte angegeben, dass diese Reise längere Zeit geplant gewesen sei. Allerdings gibt es Unstimmigkeiten zu dieser Fahrt, die in weiten Teilen fast minutiös nachvollzogen werden kann.