Polizei Ein Farbsystem für den Amok-Fall

Das neue Infosystem verwendet blaue Tafeln, hier mit: (von links) Konrad Aichinger, Polizeirevier West; Grünen-Abgeordneter Jürgen Filius; Schulamtsleiter Gerhard Semler, Initiator Peter Hönle und Feuerwehrkommandant Hansjörg Prinzing.
Das neue Infosystem verwendet blaue Tafeln, hier mit: (von links) Konrad Aichinger, Polizeirevier West; Grünen-Abgeordneter Jürgen Filius; Schulamtsleiter Gerhard Semler, Initiator Peter Hönle und Feuerwehrkommandant Hansjörg Prinzing. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Timo Oelmayer 13.03.2018
Ein neues Infosystem in Schulen soll im Ernstfall helfen, wertvolle Zeit zu sparen und Einsatzkräfte schnell zu leiten.

Neun Jahre nach dem Amoklauf in Winnenden im März 2009, der 16 Menschen das Leben kostete, haben   Vertreter von Polizei und  Stadt im Ulmer Rathaus über ein übersichtlicheres Orientierungssystem für Einsatzkräfte in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen beraten.

Die Stadt Ulm hatte als Reaktion auf die tragischen Ereignisse der Albertville-Schule in Winnenden einen Aktionskreis Amok eingerichtet und mehrere Millionen Euro in Verbesserungen investiert, die die Sicherheit an Schulen verbessern und derartige Bluttaten künftig verhindern sollen.

So wurden der Polizeibehörde die Baupläne öffentlicher Einrichtungen übergeben, und in vielen Klassenzimmern wurden Notfallknöpfe installiert. Sogar eine zusätzliche Mitarbeiterin für die Sicherheit an Schulen ist eingestellt worden. Doch an einem einheitlichen Orientierungssystem mit Infotafeln, das es beteiligten Einsatzkräften ermöglicht, schnell vor Ort eine Übersicht über die Lage zu gewinnen und entsprechend zu reagieren, mangelt es bis heute. Ein solches System wurde unter dem Eindruck des Amoklaufs von der Polizei im Rems-Murr-Kreis entwickelt.

Für die Verbreitung sorgt auch der Ulmer Grünen-Abgeordnete Jürgen Filius. Peter Hönle, Einsatzleiter in Winnenden und nun beim Polizeipräsidium Aalen, hat es maßgeblich mitentwickelt: mit Infotafeln auf blauem Grund für Schulräume, Etagen, Eingänge. Schulamtsleiter Gerhard Semler will das System noch 2018 im Gemeinderat präsentieren, hält aber für die Einführung eine gesetzliche Regelung für erforderlich: „Bei der nächsten Bauoffensive an Schulen muss ein solches Konzept mit umgesetzt werden.“

Im Rems-Murr-Kreis haben  bereits 31 Kommunen das Orientierungssystem (EOS) übernommen. Hauptziel ist es, dass Polizei und Rettungskräfte sich rasch orientieren und den Tatort sofort finden können – und sich nicht etwa in einem großen Schulzentrum verirren. Dazu dienen die Schilder.

Eindeutige Informationen

Anstelle der herkömmlichen Nummerierung der Klassenzimmer treten neue Infotafeln, die mit drei Strichen farblich markiert sind und an gut sichtbaren Stellen sowohl vor als auch im Klassenzimmer (für Handy-Notrufe) aufgehängt werden und jeden Raum einer Schule eindeutig identifizieren. Als Anlehnung an die Farbe der Uniformen von Einsatzkräften ist die Grundfarbe der Schilder Blau. Die Nummern geben die Lage des Zimmers an, die Farben stehen für die Gebäudekomplexe. Auf diese Weise kann jeder  Raum, auch für Schüler, die Klassenzimmer wechseln, eindeutig identifiziert werden – und die Einsatzkräfte gelangen schnell hin.Dafür ist es allerdings außerdem notwendig, dass die Gebäudepläne aktuell und digital in den Einsatzzentralen vorliegen.

Innenministerium und Elternbeirat für EOS

Resonanz Das Innenministerium hatte sich bereits 2011 mit dem Einheitlichen Orientierungssystem (EOS) des Rems-Murr-Kreises befasst und daraufhin den Kommunen die Einführung für öffentliche Gebäude wie Schulen empfohlen. Auch der Landeselternbeirat Baden-Württemberg war vom Konzept des EOS beeindruckt und forderte, dass es die Grundlage eines verbindlichen Standards in Baden-Württemberg wird.

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