Die Fifa kann momentan ja gute PR gebrauchen – da schadet es nicht, dass der DFB ohnehin gerade mit einem Truck den WM-Pokal durch 63 deutsche Städte fährt. Und am Montag auch in Ulm auf dem Münsterplatz halt machte. Ziel der Ehrenrunde: Fans die Möglichkeit geben, die Trophäe zu begucken und sich mit ihr ablichten zu lassen. Selbst fotografieren oder gar Video aufnehmen war allerdings streng verboten – so gibt es die Fifa vor, darauf achteten die Security-Leute. Den Fans freilich machte das wenig.

Der RSV Ermingen, der den Pokal nach Ulm geholt hat, hatte Schulen für Behinderte, die Fußballvereine der Stadt und die Dorfgemeinschaft eingeladen. 1900 kostenlose Einlasstickets kamen so unter die Menschen, die restlichen – genau 2014 gab es – konnten gestern zum Beispiel an der Torwand gewonnen werden. In Elfer-Gruppen wurden die Fans durch den Doppeltruck geschleust, in dem es mulmig werden konnte. Im zappendusteren ersten schmalen Gang passierte bis auf allgemeine Orientierungslosigkeit erstmal nichts, dann, laut, schallt plötzlich Jogi Löws Stimme als Befehl aus den Lautsprechern: „Högschte Konzentration jetzt!“ Die fiel schwer bei der Attacke auf die Sinne, die folgte: Laufende Bänder mit flackernder Leuchtschrift links und rechts, dazu der Originalkommentar vom Endspiel in Brasilien dröhnend laut. Derart durchgerüttelt kamen die Besucher in den zweiten Truck, wo sie dann, immer noch leicht benommen, mit dem WM-Pokal fotografiert wurden.

Den gab es natürlich nur hinter Glas zu sehen – 38,5 Zentimeter hoch, 6,5 Kilogramm schwer, mit 18 Karat vergoldet, Gegenwert um die 220.000 Euro. Was Lukas Podolski knutschte, darf von einfachen Erdenbürgern allerdings nicht berührt werden: Selbst die Sicherheitsleute dürfen den Pokal nur weiß behandschuht auf- und abbauen, sogar für die DFB-Mitarbeiter ist er tabu. Fifa-Vorschrift.

Auf dem Münsterplatz gab es derweil noch andere Vergnügungen, es wäre ein schönes Dorffest gewesen, wäre es nicht Montag und hätte es nicht geregnet: Auf der riesigen Fotowand mit der Nationalmannschaft gibt es ausgeschnittene Köpfe, durch die jeder den seinigen hindurchstecken kann, es gibt eine Hüpfburg, der RSV grillt.

Keine fünf Minuten dauert es, bis eine Gruppe durch den Truck ist – klick klick klick, danke, wer will noch ein Foto, bitte etwas näher ran an die Vitrine, klick klick klick – schon steht man wieder im trüben Tageslicht. So wie die Mädchenfußballerinnen vom ESC Ulm mit ihrer Begleiterin Monika Kirin: „Es wird einem ein bisschen schwindlig“, sagt sie, aber: „Das ist schon toll, so eine Gelegenheit hat man ja sonst nicht.“ Auch unter den Mädchen aufgekratzte Stimmung, es ist und bleibt eben doch: der Pokal.