Engagement Ehrenamt: Familienpaten gesucht

Anette Zingler (links) und Veronika Bonfig von der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Familienplanung bilden Familienpatinnen wie Ulrike Meinel (Mitte) aus.
Anette Zingler (links) und Veronika Bonfig von der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Familienplanung bilden Familienpatinnen wie Ulrike Meinel (Mitte) aus. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Beate Storz 17.08.2018
Sie helfen mit Rat und Tat, wenn Eltern an ihre Grenzen stoßen. Die Ehrenamtlichen werden entsprechend geschult.

Die Vorfreude auf das erste Kind ist groß. Doch manchmal brauchen Familien Hilfe von außen. Kleinkinder benötigen die ganze Aufmerksamkeit der Eltern. Bei Zwillingen, Drillingen oder kranken Kindern können die Eltern an ihre Grenzen stoßen. Kurzfristige Hilfe, Rat und Tat werden benötigt. Dafür sind Familienpaten da. „Das Amt als Familienpate beansprucht zwischen zwei und fünf Stunden in der Woche“, erklärt Veronika Bonfig, die zusammen mit Anette Zingler die Familien und die Ehrenamtlichen betreut. Die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Familienplanung sucht weitere Familienpaten in Ulm und im ganzen Alb-Donau-Kreis.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Beratungsstelle bietet Paten für Familien mit Kindern bis drei Jahren an. Die qualifizierten Ehrenamtlichen leisten Hilfe zur Selbsthilfe, bis die Familie wieder alleine zurecht kommt. Vor sechs Jahren wurde das Netzwerk Familienpaten vom baden-württembergischen Familienministerium gegründet. In Ulm startete das Projekt Familienpaten vor drei Jahren. „Wir haben 16 Patinnen ausgebildet, acht sind seitdem bei uns geblieben“, erzählt Anette Zingler. 42 Stunden Ausbildung müssen die Ehrenamtlichen durchlaufen, bevor sie als Familienpaten eingesetzt werden.

Bausteine für das Leben

Ulrike Meinel ist seit drei Jahren dabei. Die pensionierte Gymnasiallehrerin bewarb sich, weil sie schon immer mit den ganz kleinen Kindern zu tun haben wollte. „Im Kleinkindalter legt man die Bausteine für das Leben“, erzählt die 73-Jährige. Sie sei in eine Familie gekommen, die ihre Ratschläge dankbar angenommen habe. Zwei Jahre lang hat sie eine afghanische Familie betreut.

Die Eltern leben seit zehn Jahren hier und sprechen gut deutsch. Sie bekamen Zwillinge. Allerdings kamen ihre Kinder schon in der 26. Woche zur Welt, waren mehr im Krankenhaus als zu Hause. Die Kinder mussten intensiv betreut werden. Vor zwei Jahren war ein Zwilling so krank, dass er zehn Tage im Koma lag. „Die Eltern mussten ständig in die Klinik, und es wurde ihnen zu viel. Da kam ich in die Familie und nahm ihnen einiges ab.“ Meinel unterstützte die Familie bei Behördengängen oder bei der Anmeldung in der Kindertagesstätte. Zwei Jahre lang wurde die Familie betreut, ausnahmsweise – eigentlich stehen sollen die Paten nur ein halbes Jahr unterstützen. „In diesem Fall allerdings brauchten sie uns länger“, berichtet Anette Zingler.

Keine Haushaltshilfen

Die Familienpaten sind allerdings keine Haushaltshilfen. Sie stehen der Familie mit Ratschlägen zur Seite, sind bei Behördengängen oder bei der Wohnungssuche dabei. Sie gehen auch mal mit den Eltern einkaufen, um zu zeigen, wo es günstige Produkte gibt, und manchmal kochen sie auch gemeinsam.

Meinel ist mit ihrem Ehrenamt sehr zufrieden. Die Schulung sei sehr hilfreich und interessant gewesen. „Wir sind ein gutes Team und immer im Kontakt. Einmal im Monat tauschen wir uns aus“, erzählt sie. „Die Chemie zwischen der Familie und mir stimmte, ich war gerne dort.“

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Nächste Schulung im Oktober

Informationen Die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Familienplanung sucht Familienpaten aus dem ganzen Alb-Donau-Kreis. Informationen gibt es bei Anette Zingler unter Tel. (0731) 96 85 70 oder per Mail: zingler@schwangerschaftsfragen.de. Bevor die Familienpaten zum Einsatz kommen, müssen sie eine Schulung absolvieren. Der nächste Schulungsblock ist am 12. und 13. Oktober, am 23. und 24. November sowie am 14. und 15. Dezember.

Unabhängig Träger der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Familienplanung ist der Verein Familienplanung. Er ist unabhängig, überkonfessionell und überparteilich, gemeinnützig anerkannt und Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband. Gesponsert wird das Projekt Familienpaten von der Stadt Ulm, dem Alb-Donau-Kreis, der Aktion 100 000 und Ulmer helft der SÜDWEST PRESSE sowie vom Verein Ulms kleine Spatzen. sto

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