Die Masche reißt nicht ab. Schon im November klagte Caritas-Geschäftsführerin Alexandra Stork über einen Unbekannten, der an Wohnungstüren geklingelt und angeblich im Namen der Caritas Geld für die Wohnungslosenhilfe gesammelt hatte. In den vergangenen Tagen mehrten sich weitere Fälle – zumal es auch Meldungen über falsche Sternsinger gab. Bei Jörg Riehemann, dem Leiter der Caritas-Wohnungslosenhilfe, gingen mehrere Anrufe von Ulmern ein, die von solchen Vorfällen berichteten und sich bei der Caritas rückversichern wollten.

Die Caritas Ulm-Alb-Donau führe generell keine Haustürsammlungen durch, sagt Stork und spricht von Betrug. Sie hatte Kontakt mit der Polizei und erfuhr, dass nur Geschädigte Anzeige erstatten können: Leute also, die gespendet haben, nicht aber die Caritas, bei der kein Geld ankam. Spenden würden nur per Überweisung oder Barzahlung direkt bei der Caritas entgegengenommen (siehe Infokasten unten). Als die Caritas-Mitarbeiter anfangs von den vermeintlichen Spendensammlungen hörten, hatten sie nicht sofort Betrug im Sinn, berichtet Riehemann. Es sei aber nie eine Sammelbüchse oder Geld eingegangen, das auf eine hehre Absicht des Unbekannten deute. Riehemann: „Es scheint sich um ein Einnahmemodell zu handeln.“

Und offenbar um stets denselben Mann. Er werde von Anrufern als gut gekleidet und wortgewandt beschrieben. Er klingle, gebe sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter aus und behaupte, er sammle Spenden für die Wohnungslosenhilfe. Der Mann war unter anderem am Ehinger Tor, in Ost- und Neustadt unterwegs.

Im Winter sind falsche Spendensammler besonders ärgerlich

Für die Wohnungslosenhilfe ist der Fall ärgerlich, da sie tatsächlich auf Spenden angewiesen ist. Gerade im Winter. Wer auf der Straße lebt, braucht wenigstens einen dicken Schlafsack, warme Stiefel und Medikamente, sagt Riehemann. Sein Team schafft das Nötige an und verteilt es an Bedürftige. Über den gesetzlichen Tagessatz von 14 Euro hinaus, den Wohnungslose direkt in der Beratungsstelle erhalten, werde kein Geld an die Betroffenen weitergeleitet. „Die Gefahr, dass es in Alkohol fließt, ist zu groß.“

Jörg Riehemann leitet die Wohnungslosenhilfe.
© Foto: Lars Schwerdtfeger

Neben all dem, was Riehemann als „Erfrierungsschutz“ bezeichnet, seien Wohnungslose auf Medikamente angewiesen. Fast alle haben körperliche und meist auch psychische Erkrankungen. „Sie erleben untereinander Gewalt, manchmal heftigster Art, sie leiden unter den Temperaturen und sind psychischen Belastungen ausgesetzt.“

Wohnungslose müssen aber, wie jeder andere auch, Zuzahlungen leisten für Medikamente: bis zu 49 Euro im Jahr. Löst ein Obdachloser ein Rezept ein, könnten schon mal 10 Euro fällig werden – illusorisch bei einem Tagessatz von 14 Euro, sagt Riehemann. „Die Leute kaufen oft lieber Alkohol und Lebensmittel und verzichten auf Medikamente.“ Die Caritas übernehme deshalb aus ihrem Spendenaufkommen die jährliche Rezeptgebühr.

Caritas stellt Handys zum Schutz vor Gewalt

Die Beratungsstelle hat ein paar günstige Handys mit 10-Euro-Prepaid-Guthaben angeschafft und sie an Klientinnen ausgegeben. Zu deren Schutz. Die Lage wohnungsloser Frauen sei noch schlimmer: „Viele prostituieren sich für ein Dach über dem Kopf.“ Oder sind Gewalt ausgesetzt. Mit den Handys sollen sie Hilfe rufen können, wenn sie bedroht werden. Positiver Nebeneffekt für die Caritas-Mitarbeiter: Die Frauen sind auch für sie erreichbar, etwa um sie an Termine zu erinnern.

Denn in der Einrichtung am Michelsberg erhalten Wohnungslose nicht nur ihr Tagesgeld, sondern auch Beratung. Das Ziel ist letztlich, sie wieder an einen geregelten Tagesablauf zu gewöhnen  und eine Wohnung zu finden. Die Schritte sind klein und mühevoll. Und auch wenn die Menschen wieder eine Wohnung haben, endet die Betreuung nicht: Die Caritas betreut sie weiter.

Bad Tölz

Caritas sammelt keine Spenden an der Haustür


Sammlung: Die Caritas schickt niemanden von Haustür zu Haustür, um Spenden zu sammeln, ob für die Wohnungslosenhilfe oder sonstige Dienste. Spendensammler seien auch nie mit Sammelbüchsen oder Geldkässchen auf Veranstaltungen unterwegs, betont Jörg Riehemann von der Caritas.

Wer beispielsweise die Wohnungslosenhilfe unterstützen will, sollte sich direkt an die Caritas wenden: Tel. (0731) 96 99 96 11, Email fbs@caritas-ulm-alb-donau.de