Kindesmissbrauch Fall Staufen: Junge für Missbrauch an Stuhl gefesselt

Justizbeamte bringen den wegen Kindesmissbrauchs Angeklagten zum Landgericht. Nach dem jahrelangen Missbrauch eines Jungen begann der erste Prozess.
Justizbeamte bringen den wegen Kindesmissbrauchs Angeklagten zum Landgericht. Nach dem jahrelangen Missbrauch eines Jungen begann der erste Prozess. © Foto: Patrick Seeger/dpa
Freiburg / Petra Walheim 12.04.2018
Ein 41-jähriger „Kunde“ im Staufener Missbrauchsfall steht in Freiburg vor Gericht. Die Anklage nennt grausame Details des Missbrauchs.

Markus K. ist hoch gewachsen, schlank, mit schütterem grauen Haar, grauer Bart. Er ist 41 Jahre alt, sieht aber deutlich älter aus. Als er den Gerichtssaal betritt, hält er eine Akte vor sein Gesicht, um sich vor den zahlreichen Kamerateams und Fotografen zu schützen. Auf die spätere Frage an eine Zuhörerin, was sie empfindet, wenn sie ihn sieht, sagt diese: „Ich empfinde einfach nur Ekel.

Markus K. ist vor dem Landgericht Freiburg angeklagt unter anderem wegen schwerer Vergewaltigung, schwerem Missbrauch von Kindern, außerdem wegen des Besitzes kinderpornographischer Schriften und Videos. Er steht im Verdacht, einen neunjährigen Jungen aus Staufen (Kreis Breisau-Hochschwarzwald) mehrfach vergewaltigt und misshandelt zu haben.

Staatsanwältin Nikola Novak warf ihm in ihrer Anklage vor, den Jungen mehrfach mit Gewalt und unter Einsatz von Fußfesseln zum Oralverkehr und anderen sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Der Stiefvater des Jungen soll ihm angedroht haben, ihn ins Heim zu bringen, wenn er sich wehrte.

Die Mutter (39) und deren Partner (47) sollen den Jungen über Jahre im Internet für Vergewaltigungen und Misshandlungen angeboten haben. Im September 2017 ist die Polizei nach einem anonymen Hinweis auf den Handel aufmerksam geworfen. Beide sitzen in Untersuchungshaft. Ihr Prozess beginnt am 11. Juni.

Der Angeklagte Markus K. ist einschlägig vorbestraft, saß wegen Vergewaltigung und Missbrauch von Kindern sowie wegen des Besitzes kinderpornographischer Schriften bereits vier Jahre im Gefängnis. Als er im Juli 2017 an seine alten Kontakte anknüpfte, stand er unter Führungsaufsicht, die fünf Jahre dauern sollte.

Mit Gewalt zu Sex gezwungen

In ihrer Anklage beschreibt die Staatsanwältin, wie die Treffen nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft vor sich gingen: Beim ersten Treffen sei bei Staufen nach einem geeigneten Platz für die Vergewaltigung gesucht worden. Dann sei der Junge missbraucht worden. Als der anfing zu weinen, sei die Handlung abgebrochen worden. Beim zweiten Treffen sei der Junge mit Fußfesseln an einen Stuhl gebunden worden. Wieder sei er, diesmal mit Gewalt und unter Schlägen zum sexuellen Handlungen gezwungen worden. Als der Neunjährige aus Ekel und Übelkeit den Kopf zur Seite gewendet habe, sei er geschlagen worden. Für die Treffen soll der Junge 20 bis 50 Euro bekommen haben.

Kinderpornos

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten in Grafenhausen sind laut Staatsanwältin 500 kinderpornographische Bilder und 20 Videos gefunden worden.

Befreundet mit Freundin der Mutter

Eine Zuhörerin empfindet beim Anblick des Angeklagten „nur Ekel“. Sie ist befreundet mit einer Frau, die in der Zeit der Vergewaltigungen und des Missbrauchs mit der Mutter des Jungen eng befreundet gewesen sein soll. So berichtet sie bereitwillig den Medien.

Stiefschwester hat nichts mitbekommen

Von den Taten habe diese Freundin aber nichts mitbekommen. Sie sei im Kontakt mit der Stiefschwester des Jungen, die bereits über 18 Jahre alt sei und nicht mehr bei der Mutter lebt. Auch die Stiefschwester soll von den Vergewaltigungen nichts mitbekommen haben.

Videos beweisen Beteiligung der Mutter

Nach Erzählungen ihrer Freundin soll die Mutter Drogen genommen haben. Bei einem Termin bei der Polizei seien der Freundin Videos von den Vergewaltigungen gezeigt worden. Daraus sei eindeutig hervorgegangen, dass die Mutter an den Taten beteiligt war. In einer SMS habe die Freundin geschrieben: „Es ist zum Kotzen. Ich kriege die Bilder nicht mehr aus dem Kopf.

Geständnis angekündigt

Markus K. habe ein Geständnis angekündigt und gegenüber einem psychiatrischen Gutachter die Taten eingeräumt, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin am Donnerstag. Da der Angeklagte über sein Sexualleben berichten wolle, werde die Öffentlichkeit zu seinem Schutz ausgeschlossen. Dies gelte auch für die Plädoyers und das letzte Wort des Angeklagten vor dem Urteil. Zudem werden vor Gericht Videoaufnahmen der Taten gezeigt, auch diese ohne Öffentlichkeit. Wo sich der missbrauchte Junge inzwischen aufhält, ist nicht ganz klar. Inoffiziellen Informationen zu Folge soll er in einer Pflegefamilie untergebracht worden sein.

Ein Urteil soll nächste Woche fallen.