Ulm Fall Mollath: Uni Ulm prüft Plagiats-Vorwurf

Ulm / RUDI KÜBLER 09.08.2013
Mollath-Gutachter Dr. Klaus Leipziger wird vorgeworfen, plagiiert zu haben. Die Uni Ulm prüft jetzt seine Dissertation, er hat 1999 in Ulm promoviert.

Für Martin Heidingsfelder ist die Sachlage klar: "Plagiate in der Form habe ich noch nie gesehen. Das ist extrem", sagt der Nürnberger Plagiatssucher von vroniplag.de über die Dissertation des Mollath-Gutachters Dr. Klaus Leipziger. Der Chefarzt der Klinik für Forensische Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth habe in seiner Promotionsarbeit ganze Textteile anderer Wissenschaftler "fast unverändert" übernommen und nicht als Zitate gekennzeichnet, kritisiert Heidingsfelder, der diesen "massiven Plagiatsfall" in den vergangenen Tagen der Universität Ulm anzeigte. Leipziger hat als externer Doktorand an der Medizinischen Fakultät der Uni Ulm promoviert; der Psychiater war durch seine Rolle im Fall Mollath in den Fokus der Plagiatsjäger geraten. Der heute 60-Jährige hatte durch seine Gutachten dafür gesorgt, dass der Anfang der Woche freigelassene Gustl Mollath in die Psychiatrie eingewiesen und dort über Jahre festgehalten wurde.

Prof. Thomas Wirth bestätigte den Eingang der Anzeige gegen Leipziger. "Zunächst wird jetzt überprüft, inwieweit die Vorwürfe zutreffen", sagte der Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni Ulm. Bestätige sich der Anfangsverdacht, werde sich daraufhin die Senatskommission "Verantwortung in der Wissenschaft" mit dem Fall befassen, die dann von sich aus Gutachter bestelle und den Verfasser der Doktorarbeit anhöre. "Die Kommission wiederum gibt dann eine Empfehlung ab", fasst Wirth das Verfahren zusammen. Er warnt vor einer Vorverurteilung, macht aber auch deutlich, "dass wir den Doktortitel abnehmen, wenn sich nach seriöser Prüfung die Vorwürfe bestätigen sollten". Leipziger selber sagte gestern auf Anfrage, dass er "selbstverständlich damit einverstanden ist, wenn die Universität Ulm meine Arbeit prüft". Er werde mit der Universität kooperieren.

Laut Uni-Präsident Karl Joachim Ebeling wird sich zunächst Prof. Lina Wiesmüller als Ombudsfrau mit den Vorwürfen gegen Leipziger beschäftigen. Die Uni müsse sich mit zwei bis drei Plagiatsfällen pro Jahr auseinandersetzen, "das sind relativ wenige, die Doktorarbeit Leipzigers ist wohl der spektakulärste wegen des Falls Mollath".

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