Gericht Fahrlässige Tötung: Angeklagte akzeptiert Strafbefehl

Ulm / Christoph Mayer 13.11.2018

Es war ein tragischer Unfall, der sich am späten Nachmittag des 1. Juni 2017 auf der Straße zwischen Albeck und Ulm ereignete. In Höhe Böfingen raste eine Autofahrerin bei sonnigem Wetter und bester Sicht mit ihrem Opel Corsa plötzlich und ohne erkennbare Veranlassung auf die Gegenspur. Sie prallte frontal in einen entgegenkommenden Suzuki. Dessen Fahrer erlitt ein schweres Schädel-Hirntrauma und einen Genickbruch, er starb am Unfallort. Seine neben ihm sitzende Ehefrau wurde schwer verletzt.

Wegen des Vorwurfs fahrlässiger Tötung musste sich die 38-jährige Unfallverursacherin gestern vor Gericht verantworten. Denn gegen den Strafbefehl – acht Monate auf Bewährung, 3000 Euro Geldstrafe – hatte sie gegen den Rat ihres Anwalts Einspruch eingelegt.

Eindeutige Beweislage

Auch Gericht und Staatsanwaltschaft konnten das Verhalten der Frau, die von Beruf Psychologin ist, nur schwer nachvollziehen. „Ich bin verwundert“, sagte die Richterin. Das Geschehen sei lückenlos dokumentiert, die Beweislage eindeutig. Zeugenaussagen und ein Sachverständigengutachten belegten das Fehlverhalten der Corsa-Fahrerin. Die selbst vor Gericht auch nichts bestritt. „Es tut mir leid, dass ein Mensch gestorben ist. Aber ich kann mich an nichts erinnern. Deshalb kann ich meine Schuld nicht eingestehen.“ Sie wolle den Fall vor Gericht stattdessen noch einmal „rekonstruiert“ sehen.

Erinnerungslücken änderten nichts an der Schuld, sagte die Richterin. Natürlich sei es das gute Recht der Angeklagten, Einspruch einzulegen. Dann aber nehme diese in Kauf, dass die Ehefrau des Opfers vor Gericht aussagen müsse. „Das wird für die Witwe eine schmerzliche Sache sein.“ Ziehe man die Hauptverhandlung durch, müsse die Angeklagte mit einer anderen, sprich höheren Strafe rechnen. Der Strafbefehl sei dagegen ein „freundliches Angebot“ gewesen.

Nach Beratung mit ihrem Anwalt bat die Angeklagte das Gericht, wenigstens eine Zeugin zu hören: nicht die Witwe, sondern eine Autofahrerin, die hinter dem Corsa hergefahren war. Nachdem diese das Unfallgeschehen so wie in der Anklageschrift verlesen geschildert hatte, hatte die Angeklagte ein Einsehen. Sie zog den Einspruch zurück und nahm den Strafbefehl an. Fazit des Anwalts: „Manchmal braucht es Zeit, bis ein Beschuldigter ein Urteil auch innerlich akzeptiert.“

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