Zusammenschluss Bündnis gegen Fachkräftemangel

Das Fachkräftebündnis Ulm/Oberschwaben wendet sich gegen den Fachkräftemangel.
Das Fachkräftebündnis Ulm/Oberschwaben wendet sich gegen den Fachkräftemangel. © Foto: Z1035/_Sebastian Kahnert
Ulm / jkl 18.05.2018
Das Fachkräftebündnis Ulm/Oberschwaben setzt vor allem auf Berufsorientierung an Gymnasien.

Die Fachkräfte von morgen bereits in der Kita im Blick haben, das ist die Herangehensweise des Fachkräftebündnisses Ulm/Oberschwaben. Bereits vor der Schulbildung setzt der Zusammenschluss von 15 Partnern aus der Region deshalb mit Projekten an, in denen Erzieherinnen für die veränderten Gegebenheiten sensibilisiert werden. „Schon in den Kitas gibt es Probleme im sprachlichen Bereich“, erklärt Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm. „Wenn junge Menschen die sprachliche Hürde nicht früh meistern, hat die Gesellschaft später ein Problem.“

Seit fünf Jahren arbeiten Kammern, Arbeitsagentur, Landkreise, Hochschulen und andere Institutionen zusammen an Strategien, um dem Fachkräfteengpass in der Region branchenübergreifend entgegenzuwirken. „So strukturiert und bereits seit so langer Zeit kenne ich es aus anderen Regionen nicht“, berichtet Mathias Auch, der seit Oktober vergangenen Jahres die Arbeitsagentur in Ulm leitet. „In Ulm hat man sich frühzeitig um die Sache gekümmert.“

Alle Jugendlichen erreichen

Neben der frühkindlichen Bildung steht der Übergang von Schule in Studium oder Ausbildung ganz oben auf der Agenda. „Das ist ein großes Thema“, sagt Auch. Wichtig sei es hier, den Jugendlichen eine fundierte Studien- oder Berufswahl zu ermöglichen, die Vielzahl der Möglichkeiten transparent aufzubereiten und letztlich „darf uns kein Jugendlicher verloren gehen“. Den größten Handlungsbedarf sieht Sälzle an den Gymnasien. „Hier ist unser größter Resonanzboden.“ Um die Informationen an die Betroffenen heranzutragen, organisiert das Bündnis Elternabende und Projekttage zur Berufsorientierung.

Die aktuell gute Verfassung des Arbeitsmarkts zeigt sich auch beim Blick in die Statistik. Während zum Zeitpunkt der Gründung des Fachkräftebündnisses im April 2013 9857 Frauen und Männer in der Region ohne Job waren, waren im vergangenen Monat 7313 Menschen arbeitslos. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der offenen Stellen von 3500 auf 6500 und die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 25 000. „Das ging nur über Zuwanderung von Arbeitskräften aus Deutschland und Europa“, sagt Sälzle. Daher müssten auch künftig ausländische Absolventen der hiesigen Hochschulen in der Region gehalten werden.

Mit Blick auf die kommenden fünf Jahre, rechnen beide nicht mit einer Entspannung am Arbeitsmarkt. „Wir werden immer den Mangel an Fachkräften verwalten müssen, auch bei schlechterer Konjunktur“, ist Sälzle überzeugt. „Bereits heute können wir nur dank der Flüchtlinge noch positive Ausbildungszahlen vermelden.“ Ansonsten hätten etwa die Mitgliedsbetriebe der Industrie- und Handelskammer schon jetzt einen Rückgang von drei bis vier Prozent zu beklagen. „Über kurz oder lang wird der Mangel für alle spürbar sein.“ In der Gastronomie oder wenn inhabergeführte Metzgereien und Bäckereien aufgrund von fehlenden Nachfolgern schließen müssen.

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