Bachtage Fabelhaftes Amaryllis Quartett

Ulm / Burkhard Schäfer 15.06.2018

Seit vielen Jahren hält das Amaryllis Quartett den Wiblinger Bachtagen nun schon die Treue. Die Streichquartett-Abende in der prachtvollen Bibliothek des Wiblinger Klosters genießen so etwas wie Kultstatus und sind in der Regel ausverkauft. Eine Änderung gab es diesmal allerdings: Die Musiker Gustav Frielinghaus (Violine), Tomoko Akasaka (Viola) und Yves Sandoz (Cello) betraten ohne Lena Sandoz die Bühne. Da die zweite Geigerin kurz vor der Entbindung steht, musste der Geiger Werner von Schnitzler kurzfristig für sie einspringen. Dass er sich vom ersten Ton an bestens in die Amaryllis-Familie integrierte, spricht für die hohe Professionalität der Künstler.

„Russische Töne“ war das Programm überschrieben, und zwei der Werke, das Streichquartett Nr. 1 von Peter Tschaikowsky und das siebte Quartett von Dmitri Schostakowitsch, stammen tatsächlich aus der Feder „echter“ Russen. Werk Nummer drei war Ludwig van Beethovens erstes „Rasumowsky“-Quartett in F-Dur, das russische Themen verarbeitet. Das Amaryllis Quartett, das für sein klassisch-ausgewogenes und homogenes Spiel zu Recht berühmt ist, präsentierte eine Lesart, die von Melos, Rhythmus (was für ein grandioses Allegretto vivace!) und wilder Dramatik gleichermaßen getragen war. Aus einem Guss auch der Schostakowitsch. Bitterer Sarkasmus und schwarze Melancholie in finstere Musik gepresst – noch intensiver hätte man es kaum spielen können.

Der romantische Klassiker der russischen Quartettkunst dann folgte am Schluss: Tschaikowsyks D-Dur-Quartett setzte dem Abend die Krone auf. Stark!

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