Ihr Ziel ist es, Regierungen und Verwaltungen in aller Welt zur Ausrufung des Klimanotstands zu zwingen. Die in England gegründete Bewegung Extinction Rebellion (auf Deutsch so viel wie Aufstand gegen die Ausrottung) ruft in Ulm zu einem „Trauermarsch des Artensterbens“ auf. Am Samstag, 29. Juni, zwischen 15 und 17 Uhr wollen die Aktivisten „in Schwarz gekleidet“ die Ulmer City prägen.

Extinction Rebellion: Ziviler Ungehorsam

Da Extinction Rebellion (XR) bislang vor allem durch spektakuläre Massenproteste, Sitzstreiks und Blockaden von sich reden machte, sind Stadtverwaltung und Polizei alarmiert. „Wir haben die Anmeldung zur Prüfung an die Polizei weitergegeben“, sagt der Ulmer Ordnungsamtsleiter Rainer Türke. Das entspreche dem Standardvorgehen. Allerdings hat sich Türke inzwischen auch eingelesen und weiß, dass die schnell wachsende Bewegung auf den zivilen Ungehorsam setzt.

Umwelt-Aktivisten lehnen Gewalt ab

Gewalt lehnt die Gruppe explizit ab. Zur Strategie haben die Gründer aber Rechtsbrüche in Form von massenhaftem „disruptivem zivilem Ungehorsam“ erhoben. Als Vorbild nennt XR den gewaltlosen Widerstand von Mahatma Gandhi gegen die damalige britische Kolonialherrschaft in Indien. Vor wenigen Tagen kamen 2000 Leute zu einem friedlichen Marsch durch Leipzig. Ende vergangenen Jahres blockierten aber Tausende von Aktivisten einen Tag lang fünf Themse-Brücken in London und verursachten dadurch ein Verkehrschaos. Es gab über 600 Verhaftungen.

Inzwischen ist XR – die Abkürzung bezieht sich auf das Erkennungszeichen der Gruppe, ein schwarzes X-Logo auf grünem Grund – nach eigenen Angaben in über 50 Ländern vertreten. Allein für Deutschland listet die Internetseite der Organisation über 60 Ortsgruppen auf, darunter eine in Ulm, die als Veranstalter des Trauermarschs auftritt.

Ulm: Polizei und Stadt bereiten sich vor

Den Start der angemeldeten Aktion an der Ecke Bahnhofstraße/Glöcklerstraße wird jedenfalls auch die Polizei  wachsam begleiten. „Wir haben die Sache im Auge. Wie genau wir unseren Einsatz anlegen, hängen wir aber nicht an die große Glocke“, sagt der Ulmer Polizeisprecher Wolfgang Jürgens. In Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung wolle die Polizei die Versammlungsfreiheit gewährleisten (Jürgens: „Die ist ja schließlich ein hohes Gut“), aber auch einen angemessenen Ablauf sicherstellen. „Wir werden dafür sorgen, dass es nicht zu unverhältnismäßigen Störungen kommt“, sagt Jürgens.

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Entstehung und Ziele von Extinction Rebellion


Gründung „Unsere Bewegung beruht auf Forschung“, mit dieser Ansage gründete Roger Hallam zusammen mit Mitstreitern Extinction Rebellion. Hallam hatte am Londoner King’s College zuvor das „effektive Design von radikalen Kampagnen“ erforscht. Sein Ausgangspunkt war die Suche nach Alternativen zu den  Bemühungen der großen Umweltorganisationen. Hallam sagt: „Extinction Rebellion ist die Folge von 30 Jahren Demonstrationen und Petitionen, die umsonst waren.“

Kernziele XR verfolgt im Wesentlichen drei Forderungen: Die erste ist, die Wahrheit über den Zustand des Klimas und der Umwelt zu sagen und einen Notstand auszurufen. Die zweite Forderung ist die Reduktion der CO2-Emissionen auf null bis 2025 und die dritte die Einberufung von Bürgerversammlungen, um zu entscheiden, wie dies bis 2025 geschehen soll. Dabei ist die letzte Forderung die radikalste. Denn aus Sicht von XR haben der Parlamentarismus und die Parteiendemokratie beim Klima- und Umweltschutz versagt.