Neu-Ulm Neues Schilddrüsenzentrum in der Donauklinik

Die Schilddrüse macht vielen Menschen zu schaffen.
Die Schilddrüse macht vielen Menschen zu schaffen. © Foto: Sebastian Kaulitzki/Shutterstock.com
Neu-Ulm / Christoph Mayer 04.08.2018
Seit neuestem hat die Donauklinik ein zertifiziertes Schilddrüsenzentrum. Es ist das einzige im Umkreis von 100 Kilometern.

Schilddrüsenerkrankungen sind häufig. Manche Mediziner sprechen gar von einer Volkskrankheit, die – ebenso wie etwa Allergien – im vergangenen Vierteljahrhundert stetig zugenommen habe. Nach Schätzungen sind 25 Prozent aller Männer und knapp 40 Prozent aller Frauen betroffen. Versagt das in der Regel nur 20 Gramm schwere Organ seinen Dienst, kann sich das unterschiedlich äußern. Die einen fühlen sich schlapp, frieren oft und legen Gewicht zu (man spricht dann von einer Unterfunktion), andere werden hypernervös, schwitzen und finden keinen Schlaf mehr (Überfunktion).

Auf Nummer sicher gehen

Auch beim eher seltenen Schilddrüsen-Krebs verzeichnen Experten eine Zunahme, die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Jodmangel und radioaktive Strahlenbelastung gelten aber als mögliche Gründe. In Gebieten, die 1986 nach der Katastrophe von Tschernobyl stark von radioaktivem Niederschlag betroffen waren, stieg die Zahl von Krebserkrankungen der Schilddrüse jedenfalls stark an.  Doch vor allem auch infolge besserer und vor allem früherer Diagnosemöglichkeiten nehme die Rate entdeckter Erkrankungen zu, sagt Dr. Michael Schwarz, Belegarzt an der Donauklinik in Neu-Ulm. In Deutschland gehen Ärzte bei Verdacht auf ein Schilddrüsenkarzinom  in der Regel auf Nummer sicher. Sie operieren das Organ heraus, die Heilungsrate liegt Schwarz zufolge bei über 95 Prozent. Auch bei einem Kropf, der so groß ist, dass er die Atmung des Patienten behindert, setzen Ärzte das Messer an.

Seit 2010 werden an der Donauklinik Schilddrüsen operiert, die behandelnden Ärzte bringen ergo Expertise mit. Jetzt ist man allerdings einen Schritt weiter gegangen und hat sich als „Kompetenz- und Referenzzentrum für Schilddrüsenchirurgie“ zertifizieren lassen.  Dafür musste die Klinik einen Katalog an Qualitätskriterien erfüllen, zu denen etwa der enge Dialog mit benachbarten Fachdisziplinen, die Einrichtung eines Tumorboards, eine Behandlung nach neuesten Leitlinien  sowie die Erfassung aller Patienten in einem Register gehört, was der  Qualitätskontrolle dienen soll, wie Schwarz berichtet.  „Aktuell operieren wir in Neu-Ulm mehr als 200 Patienten jährlich an der Schilddrüse“, sagt der Mediziner, der sich mit seinem Kollegen Dr. Betram Poch – ebenfalls Belegarzt – auf diesen Eingriff spezialisiert hat. In ihrer Praxis in der Silcherstraße behandeln die Ärzte ambulant, für stationäre Eingriffe haben sie an der Donauklinik 15 Betten zur Verfügung.

Je mehr Routine ein Arzt hat, desto besser ist das für den Patienten. Dieser allgemein in der Medizin geltende Grundsatz treffe auch in ihrem Fall zu, sagt Schwarz. Dank schonender OP-Techniken verzeichneten er und sein Kollege gute Erfolge: eine niedrige Nachblutungsrate von weniger als einem Prozent, nennt der Mediziner als ein Beispiel. Auch eine postoperative dauerhafte Schädigung der Stimmbänder liege mit einer Inzidenzrate von weniger als 0,2 Prozent unter dem Durchschnitt.

 Nur wenige Zentren

So häufig operative Eingriffe an der Schilddrüse sind, so wenig zertifizierte Zentren gibt es – zumindest auf die Region Ulm/Neu-Ulm bezogen. Die nächsten mit Brief und Siegel ausgezeichneten Kliniken liegen in Stuttgart, München und Nürnberg. „Wir sind also die einzigen im Umkreis von 100 Kilometern“, sagt Schwarz.

Kleines Organ, große Wirkung

Hormone Sie sitzt vorne im Hals und sieht ähnlich aus wie ein Schmetterling: die Schilddrüse. Die von ihr ausgeschütteten Hormone beeinflussen Stoffwechsel, Kreislauf, Wachstum und Psyche. Krankheiten der Schilddrüse können sich vielfältig äußern, die häufigsten sind Überfunktion,  Unterfunktion und ein Kropf. Sie kommen in der Bevölkerung relativ häufig vor und werden meist medikamentös behandelt.

Krebs Schilddrüsenkrebs ist vergleichsweise selten. Dann oder bei erhärtetem Verdacht auf eine maligne Erkrankung bleibt nur die OP mit vollständiger Entfernung des Organs. Danach muss man sein Leben lang Schilddrüsenhormone nehmen, um die verloren gegangene Funktion zu ersetzen.

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