Diskussion Experten diskutieren Chancen und Risiken der Digitalisierung

Heribert Fritz (von links), Christoph Röger, Hermann Hutter und Ivo Gönner im Gespräch mit Ulf-Schlüter.
Heribert Fritz (von links), Christoph Röger, Hermann Hutter und Ivo Gönner im Gespräch mit Ulf-Schlüter. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Julia Kling 31.03.2017

„Alles was vernetzt, digitalisiert und automatisiert werden kann, wird vernetzt, digitalisiert und automatisiert werden.“ Daimler TSS-Geschäftsführer Christoph Röger zeichnete bei der Diskussionsrunde des 18. Unternehmertags ein eindeutiges Bild davon, was in den kommenden Jahren auf Unternehmen und die gesamte Gesellschaft in puncto Digitalisierung zukommt. Das Motto des Unternehmertags „Alles digital – oder was?!“ war auch Gesprächsthema von Heribert Fritz (Initiative Ulm Digital), Alt-OB Ivo Gönner, Abt-Geschäftsführer Hermann Hutter und Röger. Die vier stellten sich den Fragen des stellvertretenden SÜDWEST PRESSE-Chefredakteurs Ulf Schlüter.

Heribert Fritz warb dafür, die Chancen, die die Digitalisierung bietet, auch zu nutzen. „Die Unternehmen müssen das Thema jetzt, wenn es gut läuft, die Sache angehen.“ Dabei sei es wichtig, sich nicht nur IT-Spezialisten ins Haus zu holen, sondern die eigenen Leute aus dem Kerngeschäft weiterbilden, rät Hermann Hutter, der bereits seit einiger Zeit einen eigenen Online-Shop betreibt.

Kundennahe Konzepte

Zudem gelte es neue Ideen und Konzepte an den Kunden anzupassen. Nicht zu viel Technologie sei gefragt, vielmehr brauche der Handel praktische Dinge. „Intuitiv muss es sein, sonst nimmt es der Kunde nicht an.“ Dem stimmte auch Christoph Röger zu: „Die Technik ist nur Mittel zum Zweck, am Ende brauchen wir richtige Geschäftsmodelle, die auch funktionieren.“ Dafür müssten die Unternehmer aber auch miteinander reden. „Es ist wichtig, dass man sich verknüpft“, fügte Röger an. Das, gab Hutter zu, falle dem Einzelhandel häufig schwer. Einzeln handeln sei hier noch oft an der Tagesordnung.

Alt-OB und Rechtsanwalt Ivo Gönner bremste die Euphorie der Digitalisierungsbefürworter. Im Umgang mit personenbezogenen Daten müsse sorgfältiger umgegangen werden. „Wo es Datenschätze gibt, muss es auch Datenschutz geben“, sagte Gönner. Er nahm dabei Unternehmen, aber auch Privatpersonen in die Pflicht, die viel zu oft ihre Daten freizügig, ohne zu überlegen herausgeben. „Und dann wundern sie sich, wenn ungewollt Werbung im Briefkasten landet.“

Im kommenden Jahr trete EU-weit eine Verordnung in Kraft, die personenbezogene Daten unter besonderen Schutz stelle. „Das Thema ist ein Minenfeld“, sagte Hutter. „Die vielen Regeln können Mittelständler abhalten, sich mit einem Online-Shop zu befassen.“